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Walter Krämer aus Ormont
Professor für Statistik und Sprachschützer- 14.01.2009 -
„Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“ Das ist angeblich ein Spruch von Winston Churchill. In Wahrheit stammt die Aussage aber von Joseph Goebbels; Er hat sie Churchill in den Mund gelegt, um ihn in der deutschen Öffentlichkeit zu diskreditieren.
Diese und andere Irrtümer zu sammeln, ist seit langem ein großes Hobby von Walter Krämer. Ein halbes Dutzend seiner inzwischen fast 40 Bücher beschäftigt sich damit. Das erfolgreichste „Lexikon der populären Irrtümer“ wurde in über 20 Sprachen übersetzt, darunter auch chinesisch und japanisch, und weltweit über eine Million mal verkauft. Und in seinem Buch „So lügt man mit Statistik“, das im Jahre 1991 zum ersten Mal bei Campus in Frankfurt verlegt wurde und inzwischen in über 30 Auflagen weltweit verbreitet ist, hat Krämer versucht, durch das Ausleuchten der Kehrseite den Menschen nahezubringen, wie man mit Zahlen und Daten richtig und vernünftig umzugehen hat.
Walter Krämer wurde im November 1948 in Ormont am Nordrand der Schneifel geboren, damals noch Kreis Prüm, heute Vulkaneifelkreis Daun. Seine Eltern stammen aus Bauernfamilien. Der Vater konnte den Hof nicht übernehmen, wurde deshalb Zöllner und „verteidigte“ die belgische Grenze in den frühen 50er Jahren mehr oder weniger erfolgreich gegen Kaffee- und Zigarettenschmuggler. Dort, an der belgischen Grenze in Winterscheid, verbrachte Walter Krämer die ersten zehn Jahre seines Lebens; noch heute denkt er gerne an diese schöne Zeit zurück.
Nach einem Studium der Mathematik und Volkswirtschaftslehre in Mainz, wohin sein Vater im Jahr 1960 versetzt worden war, führte Krämer längere Zeit ein akademisches Vagabundenleben, mehr oder weniger gezwungen, denn gute Positionen waren in den 70er und 80er Jahren an deutschen Universitäten knapp. Er arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Mannheim, als Assistenzprofessor in Kanada und dann drei Jahre am Institut für Höhere Studien in Wien, bis er seine erste feste Stelle als Professor für empirische Wirtschaftsforschung in Hannover bekam. Dort in der Nähe, am Steinhuder Meer, lebt er mit seiner Frau Doris noch heute. Die beiden Kinder sind inzwischen erwachsen und gehen ihren eigenen Geschäften nach.
Im Jahr 1988 erhielt Walter Krämer einen Ruf auf eine ordentliche Professur für Statistik an die Universität Dortmund. Diese Universität hat als einzige im deutschen Sprachraum eine eigene Fakultät für Statistik. In Dortmund lehrt Professor Krämer bis heute, das tut er mit großer Begeisterung. Trotz mehrerer Rufe an renommierte Hochschulen, etwa nach Kanada, an die Hochschule St. Gallen oder an die Universitäten Hamburg oder Münster, ist Krämer seiner Dortmunder Hochschule, die heute als Technische Universität firmiert, treu geblieben. Nirgendwo, so meint
Krämer, kann man so schön Statistik treiben wie gerade hier.
Krämer übt neben seiner Lehrtätigkeit eine Vielzahl hochkarätiger Funktionen aus. So ist er Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, Vorsitzender des Wissenschaftsrats des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsforschungsinstituts (RWI), Chefherausgeber der Zeitschrift German Economic Review und Vorstandmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen; unter anderem engagiert er sich in der Gesellschaft zur Wisssenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften (GWUP) und schaut gerne hinter die Kulissen von Wünschelrutengängern und Sternenguckern.
Und dann hat Krämer noch ein weiteres Hobby: die deutsche Sprache. Er ist der Gründer und seitdem auch erster Vorsitzender des inzwischen über 30.000 Mitglieder zählenden Vereins Deutsche Sprache, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Verdrängung des Deutschen durch das Englische in immer weiteren Bereichen unseres Lebens aufzuhalten. „Deutsch zu sprechen ist vielen Deutschen heute offenbar lästig oder peinlich“, schreibt er in seinem Buch Modern Talking auf Deutsch (Piper 2001).
Deshalb kommt Krämer immer wieder gerne als Besucher in seine alte Heimat und erfreut sich am schönen Eifler Platt.
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