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Sven Nieder aus Birresborn

Fotograf

- 21.01.2009 -
 

Ein Lehrauftrag an der Fachochschule Trier führte Sven Nieder in den letzten Jahren immer wieder zurück in seine Heimat. Oft hielt er dabei auf „dem Weg zur Arbeit“ am Birresborner Goldberg an, um dort eine kleine Wanderung zu unternehmen und durchzuatmen. Sven Nieder ist ein international renommierter Fotograf. Geboren wurde er 1976 in Gerolstein.

Auf die Frage ob er Erinnerungen an prägende Momente seiner Kindheit und Jugend in der Eifel habe, antwortet Nieder wie aus der Pistole geschossen: „Natürlich! Unzählige. Die Zeit in der Band „Broken“ war einschneidend. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich auf dem Schulhof von einem Freund mit der Frage konfrontiert wurde, ob es nicht eine gute Idee wäre „Rockstar“ zu werden. Schon kurze Zeit später fand ich mich mit einem Bass, der in meinen Augen deutlich cooler war als die Blockflöte aus der Grundschule, im Proberaum wieder. Bei unserem ersten Auftritt unter dem Namen „The Lost Boys“ an Karneval in der Hillesheimer Realschule, wir waren geschminkt wie Kiss und ich trug eine atemberaubende Lila Leggins mit Sternen, drehte ich den Bass extra leise. Es sollte niemand mitbekommen, wie schlecht ich spielte.“

Es folgten zahlreiche weitere Auftritte, unter anderem bei einem nationalen Wettbewerb in Recklinghausen. Die Band produzierte zwei EP‘s, gewann den Musikpreis „Eifelton“, fand dann jedoch - kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums - ein jähes Ende: Der Sänger hatte die Band verlassen. Nieder: „Für mich war die Geschichte der Band damit zu Ende. Es zog mich in die Welt und  insbesondere zur künstlerischen Fotografie.“

Doch wie kam es dazu? „Mein Großvater, Hans Nieder, war schon Fotograf. Er liebte seinen Beruf und erwies sich als echter Pionier. Mit Butter und Milch fuhr er aus der Eifel nach Köln, um diese dort bei Agfa gegen Chemie einzutauschen. Ich vermute, er war der Erste im weiten Umkreis mit einem eigenen Farblabor. Das habe ich natürlich noch nicht miterlebt, aber ich kann mich an die oft erzählte Geschichte erinnern, in der Fotografen weit gereist nach Birresborn kamen, um zu sehen, wie man Farbfotos entwickelt“, so Nieder.

Nieders Vater,  sein Onkel, seine Tante, sein Cousin und seine Cousine sind ebenfalls FotografInnen. Da lag die Berufsentscheidung nahe. Die Fotografenausbildung war „sozusagen der Weg des geringsten Widerstandes“, sagt Nieder heute: „Ich bin dann aber schnell und sehr intensiv ins Thema reingerutscht und heute froh, das Handwerk von der Pike auf gelernt zu haben. Das erleichtert mir die Arbeit enorm. Die Fotografie hat mich mit all ihren Facetten gepackt und nie mehr losgelassen.“

Nach dem Realschulabschluss begann Nieder eine Ausbildung zum Fotografen. Nach einem Jahr praktischer Arbeit im Fotografenberuf in der Eifel besuchte er die Fachoberschule für Gestaltung in Rheinbach und schloss diese mit der Fachhochschulreife ab, um anschließend Gestaltung sowie Film- und Fotodesign zu studieren. Das Studium verschlug ihn in seine heutige Wahlheimat Bielefeld.

Nieder: „Heimat ist ein beständiges Thema meiner fotografischen und künstlerischen Arbeit. Im Jahr 2000 habe ich mich ein Jahr lang jede Stunde selbst fotografiert, eine Suche nach dem Selbst und der inneren Heimat. Gerade habe ich gemeinsam mit dem Fotografen Jürgen Escher ein Kunstprojekt mit jungen Frauen abgeschlossen, deren geografische Heimat teilweise weit von Deutschland entfernt liegt. Es erscheint in Kürze ein Bildband im Schaden Verlag, der den Titel „für mich Heimat bedeutet - eine fotografische Spurensuche“ trägt“.

In unregelmäßigen Abständen kehrt Nieder auch heute immer wieder in seine Heimat zurück. Ob er sich nun aber in Bielefeld oder in der Eifel wohler fühlt kann er nicht eindeutig beantworten: „Beide Orte haben ihren Reiz und mehr Parallelen als man denken könnte. Es ergibt für mich aber keinen Sinn, sie gegeneinander aufzuwiegen. Wenn ich in der Eifel bin, fühle ich mich dort wohl.

Das gleiche gilt für Bielefeld. Gerade arbeite ich an einer kleinen Liebeserklärung an meine Wahlheimat Bielefeld. Dabei fliege ich in einem Gyrokopter über die oftmals verkannte Stadt und portraitiere sie von oben. Kürzlich ist ein Luftbildkalender von Nieder erschienen, Anfang 2009 folgt ein  großer Bildband. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, könnte man ja mal über etwas Ähnliches für die Eifel nachdenken ....“

Verfasser: Benjamin Bartz

- Artikel aus Eifelzeitung 4. KW 2009 -

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