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Dirk Kaftan aus Musweiler
Dirigent und Generalmusikdirektor- 28.01.2009 -
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Die Eifel erweist sich seit einigen Jahren als erstaunliches Reservoir musikalischer Spitzenbegabungen. Woher kommt diese bemerkenswerte Entwicklung? Natürliche Anlagen und gute Ausbildungsmöglichkeiten spielen sicher eine bedeutende Rolle. Nach Ansicht des Dirigenten Dirk Kaftan hängt der Talentboom aber auch damit zusammen, dass sich Kinder in der ländlichen Eifel auf ihre Aktivitäten konzentrieren können: „Was begabte Kinder auf dem Land gern machen, das wollen und können sie auch richtig machen. Ihr Interesse wird in der relativen Ruhe der Provinz nicht so leicht durch ein Übermaß von Angeboten zersplittert“, meint er. Fest steht jedenfalls, dass der in Musweiler und Wittlich aufgewachsene Dirigent und neue Ausgsburger Generalmusikdirekor mittlerweile selbst zur ersten Garde seiner Zunft zählt.
Der musikalische Weg des 1971 geborenenen Künstlers fing unspektakulär an. Zunächst erhielt er Klavierunterricht, dann folgten weitere Instrumente, die es ihm ermöglichten, im Musikverein Lüxem mitzuspielen. Gerade dieses gemeinsame Musizieren gefiel ihm. An seiner Schule, dem Cusanus-Gymnasium in Wittlich, rief er eine Bigband ins Leben, die dann sogar stolzer Sieger in einem landesweiten Wettbewerb wurde. Diese Zeit mit der Schul-Bigband gehört für Dirk Kaftan ebenso zu den unvergesslichen Erinnerungen seiner Jugend wie ein anderthalbjähriger Kanada-Aufenthalt. Dass man angesichts der Dauer dieses Schüleraustauschs allerdings nicht davon sprechen kann – wie dies jedoch häufig in den Medien geschieht – Dirk Kaftan sei „in Kanada aufgewachsen“, versteht sich von selbst. Der gefragte Dirigent selbst erwähnt in Interviews gern, dass er in der Eifel groß geworden ist – was eigentlich auch an seinem sympathischen leichten eifelgeprägten Tonfall zu erkennen ist. Das Heranwachsen in dieser Landschaft ist für ihn ein wichtiger Teil seiner Geschichte.
Nach dem Abitur 1991 begann der auf der Musweiler Mühle aufgewachsene Nachkomme lutherischer Theologen ein Tonmeister-Studium an der Hochschule für Musik in Detmold. Während eines Praktikums in Trier bot er am Theater seine Dienste als Klavierbegleiter an – und wurde überraschend schnell als Korrepetitor engagiert. Eine entscheidende Station seines Lebens: „In Trier wurde ich vom Theatervirus angesteckt.“ Man hört dem Arztsohn an, dass er gern zur Weitergabe dieses lebensfördernden Virus beitragen will. In der Tat gelingt es dem jungen Dirigenten, der eine klassische Kapellmeisterausbildung absolvierte, immer wieder, Publikum und Kritiker zu überzeugen. Das zeigen Auszeichnungen wie der Sieg beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Budapest 1995 oder die Nominierung zum Operndirigenten des Jahres 2001. Als 27-Jähriger bewarb er sich um die Leitung des Studentenorchesters Münsters und setzte sich gegen 74 Mitbewerber durch. Während seiner fünfjährigen Tätigkeit erwarb er sich auch menschlich bleibende Sympathien. Dirk Kaftan kommt als Dirigent an – seine erfolgreiche Dirigentenlaufbahn unter anderem als Erster Kapellmeister in Bielefeld, Dortmund und Graz spricht da eine eindeutige Sprache. Lang und eindrucksvoll ist die Liste der von ihm als Konzertdirigent geleiteten Orchester. Beispielhaft seien hier nur die Berliner Sinfoniker oder die Stuttgarter Philharmoniker genannt. Als Operndirigent beeindruckt er mit kraftvollen Aufführungen großer Opernwerke von Beethoven bis Verdi, Wagner und Weber, dessen „Freischütz“ er 2007 an der Deutschen Oper Berlin dirigierte. Ob Werke, Orte oder Interpreten: Kaftans reiches Repertoire ist in jeder Hinsicht mit klangvollen Namen der Musikwelt verbunden.
Trotz aller Erfolge will er kein Dirigent für eine elitäre Minderheit sein. Besondere Freude macht es ihm, Kinder und Jugendliche mit der ihnen oft fremden Welt der klassischen Musik bekannt zu machen. Im Jahr 2001 arbeitete er mit dem legendären Staatlichen Jugendorchester Venezuela. Ihn begeisterte die mitreißende Mischung aus Lebensfreude und musikalischer Leistung: „Das ist absolutes Musizieren, wie ich es mir wünsche.“ Zuletzt in Graz zeigte sich, dass der lebensfrohe Eifeler einen besonderen Draht zum jungen Publikum hat. Als Moderator und Dirigent gelingt es ihm, mit Programmen wie „Wagner für Kinder“ oder „Mozart für Kinder“ die Kinder zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Und so ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so klein, dass mancher Musiker der Zukunft dereinst bekennen wird, dass er durch Dirk Kaftan mit dem schönen Musik- und Theatervirus angesteckt wurde.
Verfasser: Gregor Brand
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