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Werner Meyer aus Stadtkyll

Professor für Experimentalphysik

- 04.02.2009 -
 

Stadtkyll – Prüm – Bonn – Genf – Nagoya/Japan – Stanford/USA – Bochum. Dies sind die wichtigsten Orte im Lebenslauf des Physikers Werner Meyer, der im Jahr 1949 in Stadtkyll in der Vulkaneifel geboren wurde. Er studierte in Bonn, wo er auch promoviert wurde und sich habilitierte. Seit 1995 lehrt und forscht er als Professor für Experimentalphysik an der Ruhr-Universität Bochum.

Seine Motivation, fremde Länder aufzusuchen, war sicher eine andere als die seiner Urgroßmutter mütterlicherseits. Diese wanderte im vorletzten Jahrhundert zweimal aus finanzieller Not in die USA aus und kehrte doch jedes Mal wieder nach Stadtkyll zurück. Vielleicht war es bei Werner Meyer die so vererbte Unruhe und Neugierde, als er frühzeitig seinen Vater Wilhelm –  Postbote in Stadtkyll – und seine Mutter Emma – Friseurin – mit dem Wunsch überraschte, ein Gymnasium zu besuchen.

Dies war umso erstaunlicher, da im letzten Volksschuljahr sein regulärer Schulunterricht unter der Krankheit des Lehrers litt. Lehrer Delvos, der ihm unentgeltlich den versäumten Schulstoff in privaten Unterrichtsstunden vermittelte, riet seinen Eltern, dem Sprössling eine humanistische Bildung im Prümer Regino – Gymnasium zu ermöglichen. Dass dies mit erheblichem Aufwand aufgrund der damals schlechten Busverbindung von Stadtkyll nach Prüm verbunden war, musste und wollte der junge Werner in Kauf nehmen. Die Rückkehr ins Elternhaus war häufig erst am späten Nachmittag möglich. Dann mussten oft noch Arbeiten im kleinen landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern erledigt werden, bevor die Hausaufgaben beendet werden konnten.

Schon vor Abschluss des Abiturs 1967 stand sein Berufswunsch fest: Gymnasiallehrer für Mathematik und Sport. Als Studienort wählte er Bonn, nicht zuletzt auch deshalb, um sonntags schnell in der Eifel zu sein, damit er dort seiner sportlichen Leidenschaft nachgehen konnte: Fußballspielen bei der SpVgg Stadtkyll. Bald hatte ihn aber schon das parallel zur Mathematik laufende Physikstudium in seinen Bann gezogen.

Trotz des anstrengenden Studiums konnte er während seiner Diplom- bzw. Doktorarbeit Beruf und Familie miteinander vereinbaren, was ohne die tatkräftige Unterstützung seiner Ehefrau Elsbeth sicher nicht möglich gewesen wäre. Sie stammt aus dem Nachbarort Lissendorf. Beide lernten sich schon in jungen Schuljahren in Jünkerath in der Eifeltanzschule Rohde kennen. Nach der Geburt ihrer Kinder Thomas und Ruth zog es die Familie bedingt durch den Beruf des Vaters dann in die weite Welt und zwar an die Zentren der großen Elementarteilchenbeschleuniger. Die Familie lebte so unter anderem ein Jahr in den USA und mehrere Monate in Japan.

Professor Meyer wie auch viele seiner Physikerkollegen versuchen die Frage nach den Grundbausteinen der Materie zu klären, die die Welt im Innersten zusammenhalten. Hierbei war die Entwicklung immer leistungsfähiger Teilchenbeschleuniger, wie sie am CERN in Genf oder in Stanford/USA betrieben werden, entscheidend. An diesen hochkarätigen Physikzentren experimentiert Professor Meyer mit einzigartigen Substanzen, die als Zielscheiben für die hochenergetischen Strahlteilchen der jeweiligen Teilchenbeschleuniger dienen.

Auf diesem Forschungsgebiet nimmt er mit seiner Arbeitsgruppe heute die weltweit führende Rolle ein. Die durchgeführten Experimente im Rahmen großer internationaler Zusammenarbeit haben ganz neue Einsichten in die Welt der „Quarks“ gebracht, die bis heute als die kleinsten Bausteine unserer Materie gelten.

So manche Erfindung, die unser heutiges Leben begleitet, ging aus der Grundlagenforschung hervor, wie z.B. der Laser. Hier zeichnet sich seit kurzer Zeit die Realisierung eines weiteren Traums von Professor Meyer ab, nämlich der Einsatz von neuartigen Substanzen für die medizinische Diagnostik, d.h. speziell für kernspintomographische Anwendungen. Damit könnten sich neue Wege für die Bekämpfung von Krebsleiden oder von Gehirnkrankheiten auftun. Erst kürzlich erhielt er in diesem Zusammenhang ein europäisches Patent.

Bei den Studierenden sind seine Vorlesungen mit Demonstrationsexperimenten besonders beliebt, erklärt er doch physikalische Grundlagen an Hand von Beispielen aus seiner Erlebniswelt als Kind in der Eifel. Bei einem gepflegten Bitburger Pils oder einem guten Glas Ahrrotwein macht er ebenfalls keinen Hehl daraus, dass er noch immer das „Eifler Platt“ in seiner lokalen Variante perfekt beherrscht. Kurzum, er ist stolz auf das, was seine noch in Stadtkyll lebenden Eltern und seine Eifler Lehrer ihm mit auf den Weg gegeben haben.

- Artikel aus Eifelzeitung 6. KW 2009 -

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