Rudolf Lütticken aus Wittlich
Professor für Medizinische Mikrobiologie- 11.02.2009 -
Obwohl für Rudi (so nennen ihn alle) Lütticken die ersten Erinnerungen mit Kriegsereignissen verbunden sind, hat er eine schöne Kindheit in Wittlich verbracht. Das lag wohl an der Freiheit, mit der er damals noch in den Wittlicher Straßen spielen konnte, ohne von Autos gefährdet zu werden. Gefährlicher war da schon der Umgang mit der reichlich vorhandenen Munition, aus der man das Pulver entfernen und zusammen mit Freunden zur Explosion bringen konnte – sogar in der Ruine der römischen Villa an der Lieser.
Mit dem ersten Fahrrad hat sich Rudi – er war immer der kleinste seines Jahrgangs und musste deshalb vom Bürgersteig aus von rechts aufs Rad steigen und sich zum Absteigen in einen weichen Straßengraben fallen lassen – die südliche Eifel bis Himmerod erschlossen. Auch in Zeltlagern mit den Messdienern und den St.-Georgs-Pfadfindern sowie bei Wanderungen mit dem Vater im Eifelverein lernte er die Heimat kennen. Als der Pleiner Viadukt noch zerstört war, fuhr man mit der Bahn bis zum Ende auf der Wittlicher Seite, ging dann ein Stück zu Fuß und konnte vom anderen Ende der zerstörten Brücke mit einem dort wartenden Zug nach Daun weiterfahren.
Die Neigung zu naturwissenschaftlichen Experimenten erwachte bei Rudi Lütticken schon zu Beginn der Gymnasialzeit. In der Schule interessierten ihn nur Physik und Kunst. Letztere resultierte in einigen künstlerischen Versuchen, die aber nicht mehr verfolgt wurden, als Rudi sich ab 1955 ein neues Hobby wählte, die Reiterei, die er bis heute ausübt. Sein Onkel Heinz hatte sich Pferde angeschafft und den Reit- und Fahrverein Wittlich gegründet. Im Reitsport hat Rudi Lütticken immerhin Springturniere bis zur Klasse L/M gewonnen.
1960 konnte sich ein Abiturient den Ort für das Medizinstudium noch aussuchen, und so ging Rudi Lütticken nach Marburg, das von Wengerohr mit dem „Westerland-Express“ direkt erreichbar war. So konnte er auch seinen Bruder Dieter besuchen, der in Gießen Tiermedizin studierte. Als Marburg zu langweilig wurde ging‘s für ein Jahr nach München, anschließend nach Düsseldorf. Es folgten die Medizinalassistentenzeit und ein halbes Jahr Chirurgie am Niederrhein, bis er seine endgültige Berufung im Bereich der Labormedizin – Medizinische Mikrobiologie – am Hygiene-Institut der Universität Köln fand.
Bei Besuchen im Wittlicher Reitstall hatte er sich in die Nichte von Dr. Josef Schiffer, damals Chefarzt der Inneren Abteilung am Kreiskrankenhaus in Wittlich, Doris Vollmann aus Trier verliebt und sie 1971 geheiratet. Beruflich ließ ihn der Wissenschaftsbazillus nicht los, was in seinem Falle wörtlich zu nehmen ist.
Er widmete sich den Bakterien der Gattung Streptococcus, die neben Rachenentzündungen schwere Erkrankungen wie Hirnhaut- und Lungenentzündung, hervorrufen. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnte er für ein Jahr (1975-1976) zusammen mit seiner Frau im Labor für Infektionskrankheiten der Universitätskinderklinik in Minneapolis, USA, forschen – ein Traum für jeden jungen Forscher. Den Winter dort hat er bis heute nicht vergessen: vier Monate bittere Kälte und Schnee, aber keine Erkältung.
Zurück in Köln folgten die Habilitation, Rufe nach Hamburg und Köln, und 1988 dann der Ruf auf eine Lebenszeitprofessur am Universitätsklinikum Aachen. In Aachen konnte Rudi Lütticken seine Forschung intensivieren und seinen inzwischen internationalen Ruf als Streptokokkenforscher ausbauen. Mehrere seiner Assistenten sind heute Professoren und ebenfalls von der Streptokokkenforschung beseelt.
Ein wichtiger Abschnitt waren für Rudi Lütticken auch die drei Jahre, in denen er als Dekan der Medizinischen Fakultät in Aachen wirkte. Dabei war er für den Etat der Fakultät von mehr als 80 Millionen Euro verantwortlich. Es übernahm dieses Amt in einer für die Fakultät besonders schwierigen Situation, wie er sagt, mit einer „Mischung aus preußischem Pflichtbewußtsein und rheinischem Humor“ - vielleicht eine typische Kombination der „Moselfranken“ aus der Südeifel.
Auch nach seiner kürzlichen Pensionierung forscht Rudi Lütticken weiter. Ihn interessieren jetzt antimikrobiell wirksame Polymere. Mit seiner Frau Doris freut er sich am Erfolg ihrer beiden Kinder Marcus und Lis sowie am ersten Enkelkind, das 2008 geboren wurde. Auch der Reitsport gehört seit einigen Jahren wieder zu seinen Freizeitbeschäftigungen.
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