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Norbert Junkes aus Dierscheid

Stimme des Weltalls

- 18.02.2009 -
 

Langsam kippt die große Schüssel nach unten. Über 3000 Tonnen Stahl bewegen sich in gemächlichem Tempo auf die nächste Position am Himmel. In einem Tal in der Nähe des kleinen Örtchens Effelsberg, Ortsteil von Bad Münstereifel, steht ein gewaltiges Radioteleskop mit 100 Metern Durchmesser. Es wird vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) zur Aufnahme kosmischer Radiowellen und damit zur Erforschung des Universums eingesetzt.

Wer sich direkt vor Ort über das Radioteleskop informieren möchte, trifft vielleicht im Besucherpavillon auf Dr. Norbert Junkes und hört von ihm einen Vortrag über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Der 49jährige Astrophysiker ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit am MPIfR und hält in den Sommermonaten zwischen April und Oktober Vorträge für Besuchergruppen, in denen es um Entfernungen im Universum, um die Geheimnisse der Radioastronomie und um die großen Teleskope der Welt geht.

Norbert Junkes hat sich bereits als Kind für Sterne und Planeten begeistert. Eine frühe Erinnerung ist sein Vater Josef, der ihm schon zu Volksschulzeiten Sternbilder am Himmel wie den Großen Wagen oder den Orion gezeigt hat. Vielleicht lag es daran, dass man von der Terrasse des Elternhauses in Dierscheid bei klarem Wetter die Kuppeln der Dauner Sternwarte aus 30 km Entfernung in der Sonne glitzern sehen konnte.

Der Schulweg war zunächst überaus kurz - gerade mal rüber auf die andere Straßenseite führte der Weg zur Volksschule Dierscheid, in der sich acht Klassen einen Raum teilten. Ein paar Jahre später war die Entfernung merklich größer; die Lage von Dierscheid nahe dem „Drei-Kreise-Eck“ Wittlich, Trier und Bitburg bedeutete eine lange Busfahrt zum Cusanus-Gymnasium in der Kreisstadt Wittlich. Und vor allem frühes Aufstehen! In den 70er Jahren gab es noch keine speziellen Schulbusse und bereits um 6:40 Uhr musste er losgehen, um rechtzeitig zur ersten Stunde anzukommen.

In diese Zeit fällt die „Entdeckung“ eines Kometen am Himmel. Der Traum eines Amateurastronomen: die Beobachtung eines schwachen verwaschenen Wölkchens, das auch in der nächsten Nacht noch zu sehen war, aber an etwas anderer Stelle, und im Lauf der Zeit langsam seine Position am Himmel änderte. Nach einer guten Woche traute er sich, bei der Sternwarte in Daun anzurufen und nachzufragen, was das denn wäre. Die Antwort: ein Komet. Erst seit kurzer Zeit bekannt und auch an der Sternwarte selbst beobachtet. Norbert Junkes hat ihn nicht als Erster entdeckt, aber immerhin am Himmel gefunden, ohne vorher davon zu wissen.

Nach neun Jahren erwarb er sein Abitur mit gutem Ergebnis. Seine beiden jüngeren Geschwister besuchten ebenfalls das Cusanus-Gymnasium. Junkes begann 1979 mit dem Studium in Bonn. Bei der Wahl des Studienorts und der Fächer Physik und Astronomie spielte durchaus eine Rolle, dass die Dauner Sternwarte Außenstelle des Astronomischen Instituts der Universität Bonn ist.

Es folgten Diplom 1986 und Promotion 1989, beides am MPIfR in Bonn. Nach bestandener Promotion ging er für ein knappes Jahr als Postdoc nach Australien; danach kehrte er in ein merklich verändertes (und vergrößertes) Land zurück. Von September 1989 bis August 1990 arbeitete er in Sydney – das hieß beides, Mauerfall und Wiedervereinigung, aus fast größtmöglicher Entfernung von der Heimat mitzuerleben.

Die nächste Station führte in den Norden, mit fünf Jahren als Astrophysiker an der Universität Kiel. Der Beginn im Westen, dann Süden und Norden – es fehlte noch der Osten, der sich mit zwei Jahren am Astrophysikalischen Institut Potsdam anschloss - weniger als einen Kilometer von der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze entfernt.

Seit 1998 ist Norbert Junkes wieder zurück am MPIfR. Aber die Reiselust hat ihn nicht  losgelassen. Im November, gleich nach Abschluss der „Vortragssaison“ in Effelsberg, ist er mit großer Wahrscheinlichkeit ganz woanders anzutreffen. Er ist mit dem Rucksack unterwegs, vielleicht in Nepal oder Tasmanien, vielleicht auch in Patagonien oder anderswo in Südamerika. Und wenn er dort auf einen anderen Eifeler trifft, kann er sich mit ihm immer noch ganz gut auf „Platt“ unterhalten.

 

- Artikel aus Eifelzeitung 8. KW 2009 -

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