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Jürgen Bücker aus Großlittgen

Milchmann global

- 25.02.2009 -
 

Im Cusanus-Gymnasium Wittlich glänzt der 1942 geborene Sohn des Molkereiverwalters in Großlittgen nicht. Jürgen Bücker kann sich den autoritären Methoden seiner Lehrer nur schwer unterordnen. Deshalb verlässt er das Gymnasium ohne Abitur. Er erlernt in der Molkerei Laufeld den Beruf Molkereifachmann, um – wie sein Vater – Chef einer Molkerei zu werden. Nach Abschlüssen an der Fachschule Krefeld und an  der Hollandkäsereischule Mehr-Niel mit „sehr gut“ treibt es den  jungen Molkereifachmann in die große weite Welt.

Er arbeitet für deutsche und schwedische Hersteller von Molkereimaschinen in Australien, Neuseeland, Ostasien, im südlichen Afrika, in Südamerika und in Israel. In Luxemburg holt er neben seinem Job als Leiter der US-Abteilung der Luxlait an der Europaschule das Abitur nach, absolviert in Kassel eine Ausbildung als Industriekaufmann und beginnt ein Studium an der TU Hannover. Nebenher betreibt er ein eigenes Unternehmen, das gebrauchte Molkereianlagen exportiert. So verkauft Bücker die Anlagen der Molkereien in Großlittgen,  Laufeld, Wengerohr und Oberkail nach deren Schließung an Kunden in Israel.

Es folgen viele Jahre als Chefredakteur führender Molkerei-Fachzeitschriften. In dieser Zeit ist er  Präsident des Bundesverbandes Deutscher Molkerei-Ingenieure,  Mitglied im Vorstand des Zentralverbandes Deutscher Milchwirtschafter und der IDF (International Dairy Federation) in Brüssel. Weltweit übernimmt er gutachterliche und beratende Arbeiten für das Bundesernährungsministerium und die UN-Welternährungsorganisation FAO. In mehr als 40 Ländern rund um den Globus hilft er beim Aufbau einer Milchindustrie. Seine Erinnerungen hat er in dem Buch „Milchstraße“ niedergeschrieben.

In Bad Godesberg gründet der rührige Eifeler später den Bücker-Fachverlag. Dieser gibt milchwirtschaftliche Fachzeitschriften, Fachbücher und Broschüren heraus. Wenige Jahre später ruft er in Düsseldorf die Fachmessen  InterMopro (Molkereiprodukte), InterMeat (Fleisch- und Wurstwaren) und InterCool (Tiefkühlkost und Kältetechnik) ins Leben. Mit Ausstellern und Besuchern aus rund dreißig Ländern entwickeln diese sich zu den größten Branchenmessen. Unmittelbar am Rheinufer in Bad Breisig baut er 1992 ein neues Verlagsgebäude im Stil des rheinischen Klassizismus.

In seiner knapp bemessenen Freizeit stellt er seine Erfahrungen der Politik zur Verfügung. Auf Betreiben seines Freundes Rainer Brüderle, damals Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz, unterstützt er die FDP, wird Vorsitzender und Fraktionssprecher im Stadtrat Bad Breisig sowie Mitglied im Bezirks- und Landesvorstand. Die Politik enttäuscht ihn. Anders als in der ihm vertrauten seriösen Geschäftswelt bestimmen mangelhaftes wirtschaftliches Verständnis, Egoismus, Karrierestreben, die Hoffnung auf Wiederwahl und Unaufrichtigkeit das Geschehen. Höhere politische Weihen lehnt er deshalb ab.

Durch Stress verursachte gesundheitliche Gründe zwingen den rührigen Unternehmer vor zehn Jahren dazu, kürzer zu treten. Er legt Ehrenämter nieder, macht sich frei vom operativen Geschäft und verkauft seinen Verlag, fungiert dort jedoch weiter als Herausgeber. Über die Rechte an den Fachmessen verfügt heute die Messe Düsseldorf.

Die dort ansässige Firma übernimmt sein jüngster Sohn Timo, ein studierter Betriebswirt. Dieser entwickelt das Unternehmen BIT (Bücker IT) zum Branchenführer für spezielle Software. Die Tochtergesellschaft www.boersenkiosk.de entwickelt sich zum bedeutenden Vermarkter von Börsenbriefen. Der älteste Sohn Nico hat sich mit seiner Ehefrau Frauke und zwei Kindern die schöne Insel Rügen als Wohnort ausgesucht. Er ist Chirurg in einer Klinik in Stralsund. Tochter Monika wohnt mit ihrem Ehemann und Sohn in Polen.

Jürgen Bücker lebt seit fünfzehn Jahren glücklich in zweiter Ehe mit seiner aus Polen stammenden Frau Nunja in Bad Breisig. Er erfreut sich wieder guter Gesundheit, liest viel und studiert wissenschaftliche Randgebiete der Ernährung und Gesundheit. Überwiegend tut er  nur noch das, was ihm Freude bereitet. So berät er konzeptionell und im Marketing die BIT und betreut  ein israelisches Software-Projekt für Molkerei- und Distributionslogistik.

Aus Liebe zu seiner Heimat  hilft  er Abt Bruno Fromme von der Abtei Himmerod beim Aufbau einer Käserei. Auch nach einem halben Jahrhundert ist das Littcher Platt seine Lieblingssprache geblieben.

- Artikel aus Eifelzeitung 9. KW 2009 -

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