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Kinder der Eifel – erfolgreich in der Welt
Woher sie kommen. Wohin sie gingen. Was aus ihnen wurde. Wie die Idee entstand.- 04.03.2009 -
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Hermann Simon |
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Das Echo auf die Serie „Kinder der Eifel – erfolgreich in der Welt“, die in der Eifelzeitung fast zwei Jahre lang lief, war überwältigend. Ich habe eine ungeheure Fülle von Briefen, Telefonaten, E-Mails und persönlichen Kommentaren erhalten, in denen Leser der Eifelzeitung ihre Ansichten zum Ausdruck brachten. Was sind die typischen Reaktionen?
• Überraschung und Erstaunen, wer alles aus der Eifel kommt. Viele Leser staunten bei jedem weiteren Portrait, dass immer wieder ein neues, unbekanntes Gesicht mit einer beeindruckenden Lebensgeschichte erschien.
• Stolz auf die Eifel und ihre Kinder in der Welt: Die Menschen, denen ich begegnete oder die uns schrieben, brachten stets zum Ausdruck, wie stolz sie auf die Kinder unserer Heimat sind, die draußen in der Welt etwas erreicht haben.
Die Aussage eines preußischen Beamten „Unter den Eiflern sind viele schlaue Köpfe, man muss sie nur richtig schulen“, war offenbar richtig, zeigte ihren Wahrheitsgehalt aber erst in der Generation nach dem Zweiten Weltkrieg (als es Preußen schon nicht mehr gab), weil jetzt erstmalig die Kinder aus unseren Dörfern und Städten in großer Zahl Gymnasien und weiterführende Schulen besuchen konnten.
Viele Gesprächspartner regten an, die Beiträge in einem Buch zusammen zu fassen. Dieses Buch legen wir hiermit vor.
Wie entstand die Idee zu „Kinder der Eifel – erfolgreich in der Welt“? Meine Kinder- und Jugendjahre in Hasborn waren für mich prägend und haben eine tiefe Verbundenheit zur Eifelheimat begründet. Das Berufsleben führte mich später in die weite Welt hinaus. Offensichtlich war ich nicht der Einzige, dem es so ging. Denn immer wieder begegneten mir Personen, die wie ich selbst aus der Eifel oder von der Mosel stammten. Nicht selten wurde ich bei Vorträgen, Diskussionen oder Beratungsprojekten an meiner Sprache erkannt, oder ich erkannte die Eifelherkunft in der Sprache des anderen. So erinnere ich mich an einen Besuch bei der Firma Rexroth in Lohr im Spessart. Ich kam zur Mittagszeit an, der Vorstand lud mich zum Mittagessen ein, das Gespräch begann. Plötzlich sagte ein Vorstandsmitglied: „Herr Simon, Sie sprechen genauso wie unser Dr. Hieronimus.“ „Wer ist Dr. Hieronimus?“, fragte ich und schob nach: „und woher stammt er?“. Dr. Albert Hieronimus, damals Vorstandsmitglied, später Chef von Bosch in Indien und heute Vorstandsvorsitzender der Bosch Rexroth AG, des Weltmarktführers für Hydraulik , antwortete: „Aus einem kleinen Dorf in der Eifel, das Sie mit Sicherheit nicht kennen.“ Doch ich wollte wissen, wie das Dorf hieß. „Immerath im Kreis Daun“, lautete die Antwort. Da brauchte ich nur noch zu ergänzen, dass auch mein Urgroßvater aus Immerath stammte und den Namen Simon nach Hasborn brachte. So klein ist die Welt. Später sah ich Dr. Hieronimus in Seoul, Korea und anderen Orten wieder. Und ähnlich ging es mit vielen weiteren Eifelkindern. Jürgen Franzen aus Mehren lernte ich bei einem Seminar für den Gerling-Konzern in Baden-Baden kennen. Rudolf Pütz aus Osann traf ich auf einem Berg in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. Hartmut Rauen aus Niederöfflingen sprach mich bei einer Veranstaltung des Verbandes Deutscher Maschinenbauanstalten in Würzburg an. Mit Professor Dr. Klaus Röben aus Ürzig kreuzte sich mein Weg in Hamburg. Dr. Dieter Heuskel aus Daun, den langjährigen Chef der Boston Consulting Group Deutschland, kannte ich aus gemeinsamen Studien- und Assistentenzeiten in Bonn. Professor Dr. Manfred Becker aus Deudesfeld begegnete ich vor vielen Jahren bei Projekten für Opel und General Motors. Dr. Alfred Beth aus Kinheim lernte ich während meiner Mainzer Zeit kennen. Er war damals rheinland-pfälzischer Innenminister, ich Professor an der Universität Mainz. So könnte ich von vielen weiteren ähnlichen Begegnungen berichten. Ist es Zufall, dass sich meine Pfade so häufig mit den Wegen anderer Eifeler kreuzten? Jedenfalls erinnere ich mich gerne an jeden, den ich irgendwo in der Welt kennen lernte. Die gemeinsame Herkunft knüpfte ein Band, das stets die Zeiten überdauerte. Aus diesen Begegnungen entstand die Idee, die Erfolge, Karrieren und Erlebnisse dieser Persönlichkeiten zurück zu tragen in die Heimat. Denn fast alle „Kinder der Eifel“ haben ihre Heimatdörfer und -städte in jungen Jahren verlassen. Zu Hause wissen nur die wenigsten Menschen, was aus ihnen geworden ist und welche ungewöhnlichen Laufbahnen sie zurückgelegt haben.
Als wir die Serie im Frühjahr 2007 begannen, umfasste meine Liste etwa 25 Personen. Ich erwartete, dass sich die Zahl durch weitere Hinweise und „Entdeckungen“ auf vielleicht 50 erhöhen könnte und die Reihe insofern rund ein Jahr laufen würde. Letztendlich sind es fast 100 Portraits geworden. Doch noch überraschender als die schiere Zahl waren für mich die Vielfalt und die herausragenden Positionen der dargestellten Persönlichkeiten. Die Kinder der Eifel sind in allen Lebensbereichen und Berufen aktiv. Sie glänzen nicht nur im
nationalen Rahmen, sondern viele von ihnen zählen auf ihren Gebieten zur Weltspitze. Das gilt für Weltmeister im Sport genauso wie für Wissenschaftler, Ingenieure und Manager.
Woher sie kommen
Woher kommen die Führungskräfte in unseren Unternehmen, Organisationen, der Verwaltung und die Spitzenleute in Bereichen wie Kultur, Wissenschaft, Medizin, Politik? Die meisten Leute vermuten, dass diese Spitzenkräfte vor allem aus großen Städten und Ballungsgebieten stammen. Doch es ist erstaunlich, wie viele dieser erfolgreichen Menschen ihre Wurzeln in ländlichen Gebieten, kleinen Städten und Dörfern haben.
Für dieses Buch und die Serie wurden Persönlichkeiten, die aus dem Vulkaneifelkreis Daun, dem Altkreis Wittlich und der Verbandsgemeinde Ulmen stammen oder dort aufgewachsen sind, ausgewählt. Dieser Bereich entspricht dem Verbreitungsgebiet der Eifelzeitung. Insgesamt werden 90 „Kinder der Eifel“ portraitiert. Davon kommen 44 aus dem Altkreis Wittlich, 43 aus dem Vulkaneifelkreis Daun und 3 aus der Verbandsgemeinde Ulmen. Absolut kommen die meisten Portraitierten aus der Verbandsgemeinde Daun und der Stadt Wittlich. Nach Prozentsätzen aufgeteilt, stammen sie aus den folgenden Verbandsgemeinden Abbildung 1: Prozentuale Aufteilung der Kinder der Eifel nach Verbandsgemeinden.
Interessant ist auch die Relation zwischen der Zahl der Eifelkinder aus einer Verbandsgemeinde und der Einwohnerzahl dieser Verbandsgemeinde.
Abbildung 2: Kinder der Eifel pro 10.000 Einwohner einer Verbandsgemeinde zeigt, wieviel Kinder der Eifel auf jeweils 10.000 Einwohner entfallen. Hier liegen die Verbandsgemeinden Manderscheid und Wittlich an der Spitze, dicht gefolgt von der Verbandsgemeinde Daun. Manderscheid liegt auch deshalb oben, weil es, nach Kelberg, die zweitkleinste Verbandsgemeinde ist.
Noch detaillierter informiert die folgende Karte über die Herkunft der „Kinder der Eifel“. Es wird deutlich, dass sie aus allen Ecken und Winkeln unserer Heimat kommenAbbildung 3: Herkunft der Kinder der Eifel nach Orten.
Wohin sie gingen
Das bekannteste Buch von Wolfgang Leonhard, der seit mehr als 40 Jahren in Manderscheid lebt und selbst ein Eifeler wurde, heißt „Die Revolution entlässt ihre Kinder.“ Ähnlich könnte man formulieren „Die Eifel entlässt ihre Kinder.“ Die Kinder der Eifel zogen hinaus in alle Welt und hinterlassen dort nachhaltige Spuren. Wohin sind sie gegangen? Überall hin, nach Deutschland, nach Europa, nach Amerika, nach Asien – mit anderen Worten in die ganze Welt. Die folgenden Landkarten veranschaulichen, wo die Kinder der Eifel heute leben Abbildungen 4 bis 6.
Die Kinder der Eifel haben wahrlich die Welt erobert. Sie haben in England, in Amerika, in China, in Aserbeidschan, in Abu Dhabi, in Indien und vielen anderen Ländern gearbeitet. Auf der ganzen Erde suchten sie nach Öl und Gas. Sie waren Botschafter in afrikanischen Ländern und Olympiakoordinatoren in Peking. Sie bauten Fabriken in Mexiko, überwachen die Meere der Welt oder testen neue Airbus-Flugzeuge in Tibet oder Bolivien. Sie haben für die Nobelpreisträger in Princeton gekocht und im kanadischen Winnepeg aus Eisblöcken riesige Skulpturen gehauen. Sie waren im texanischen Dallas Profifußballer und schlugen ihre Zelte in der Toskana auf. Sie berichten als Reporter und Fotografen von Naturkatastrophen und Kriegen und unternehmen abenteuerliche Reisen durch Afrika und Südamerika. Sie lehren als Professoren in Amerika und Norwegen und sind in Düsenflugzeugen mit Überschall über die Wüsten Arizonas gebraust. Ohne zu übertreiben, kann man sagen, dass die Pfeile aus der Eifel weit in die ganze Welt hinausgeflogen sind und diese verändert haben.
Was aus ihnen wurde
Wer käme auf die Idee, dass
• Vorstandsvorsitzende großer deutscher Banken „Kinder der Eifel“ sind,
• Eifeler mehrere führende Beratungsgesellschaften leiten,
• man überall in der Wirtschaft auf Top-Manager aus der Eifel trifft,
• eine große Zahl von Universitätsprofessoren aus unseren Dörfern und Städten stammt,
• auch im Medienbereich Leute aus unserer Heimat an wichtigen Schaltstellen sitzen,
• Weltklassefotografen, deren Bilder in den bekanntesten internationalen Zeitschriften erscheinen, unsere Landsleute sind,
• und schließlich zahlreiche Kulturschaffende, Künstler und Schriftsteller bei uns ihre Kindheit verbracht haben.
In welchen Fach- und Berufsrichtungen sind die portraitierten Persönlichkeiten heute tätig? Die nachfolgende Abbildung 7: Fach- und Berufsfelder der Kinder der Eifel gibt dazu einen Überblick.
Das berufliche und fachliche Spektrum der Eifelkinder weist eine hohe Breite und Vielfalt auf. Talente auf vielerlei Gebieten stammen aus unserer Heimat.
„Kinder der Eifel“ als Vorbilder
Wenn so viele Talente aus unserer Heimat hervorgegangen und in der Welt erfolgreich sind, dann sollte dies Ermutigung für die heutigen Kinder, Jugendlichen und Eltern sein, es diesen Vorbildern nach zu tun. Für mich als Bauernjungen in dem kleinen Dorf Hasborn und später als Schüler am Cusanus-Gymnasium in Wittlich war die große Welt weit weg. Damals konnte ich allenfalls davon träumen, eines Tages nach Amerika, nach China, nach Japan oder nach Sao Paulo zu reisen. Solche Gedanken waren seinerzeit sehr abstrakt und wenig realistisch. Wir wussten wenig über die Welt da draußen und auch unsere Eltern konnten uns in dieser Hinsicht nicht allzu viel vermitteln. Heute bin ich in der Welt zu Hause und ständig unterwegs. Dabei habe ich gelernt, dass überall mit Wasser gekocht wird. Mit etwas Intelligenz, gesundem Menschenverstand und vor allem Fleiß kann jeder seinen Weg machen. Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass man in der Jugend Wert auf eine gute Ausbildung legt. Auch in dieser Hinsicht sind die Kinder der Eifel vielfache Vorbilder. Viele von ihnen haben sich unter den damaligen schwierigen Verhältnissen mit großer Zähigkeit hochgearbeitet, lange Schulwege auf sich genommen oder den zweiten Bildungsweg eingeschlagen. Wie man an ihren Erfolgen sieht, hat es sich gelohnt. Und genauso wird es sich für die heutige Jugend lohnen, in Ausbildung zu investieren, beständig zu lernen und hart zu arbeiten. Die Zugänge zu Bildungschancen, die Informationsmöglichkeiten, die Verkehrsinfrastruktur sind heute ungleich besser als in den 1950/60er Jahren. Ich hoffe deshalb, dass es in 50 Jahren wieder ein solches Buch gibt, das dann ähnliche weltweite Erfolge für die nächsten Generationen darstellt und manche davon sagen, dass ihnen dieses Buch wichtige
Anregungen für ihren eigenen Weg vermittelte.
Noch ein Hinweis für die Leser: Die Portraits in diesem Buch geben den Stand zum Zeitpunkt der Publikation in der Eifelzeitung wieder. In der Zwischenzeit haben einige „Kinder der Eifel“ neue Karrierestationen errungen, sind befördert worden, usw. Wir haben uns jedoch bewusst für die erschienene Version entschieden und auf eine Aktualisierung verzichtet.
Der Titel „Kinder der Eifel – erfolgreich in der Welt“, den ich mir für die Serie ausdachte, trifft den Sinn unseres Vorhabens. Erst viel später erfuhr ich, dass die berühmte Eifelschriftstellerin Clara Viebig bereits 1897 ein Buch mit dem Titel „Kinder der Eifel“ veröffentlicht hatte. Ich hoffe dass mir die leser den nachträglich entdeckten „Titelklau“ verzeihen. Ich interpretiere diese Doppelung im Gegenteil als Bestätigung, dass die Beschäftigung mit den Kindern der Eifel damals wie heute lohnend und bereichernd ist. Ich hoffe, dass dies auch der Leser dieses Buches so empfindet.
Bonn/Hasborn, im Herbst 2008
Hermann Simon
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