Schweinegrippe bei uns angekommen
Milde Verläufe – meist Spanienurlauber angesteckt- 29.07.2009 -
Daun / Wittlich / Cochem. Überschaubare Zahlen, milde Verläufe, junge Patienten: An anderen Stellen der Erde verbreitet die Schweinegerippe Angst und Schrecken, die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die erste Influenza-Pandemie des neuen Jahrtausends ausgerufen. In der Eifel und an der Mosel verläuft die Krankheit bisher milde. Die Auskünfte ähneln sich stark: In Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell und in der Vulkaneifel hat es junge, robuste Menschen erwischt, die gerade Urlaub gemacht haben.
Dass sie jung sind, lässt sie mit der Krankheit vergleichsweise leicht fertig werden. Dr. Volker Schneiders, Amtsarzt in Daun, bedauert die Patienten, die sich meist im Urlaub in Lloret de Mar oder auf Mallorca angesteckt haben und nun im Bett liegen müssen. Er selbst würde allerdings keinen Urlaub in Spanien abblasen, wenn er denn gebucht hätte, was er nicht hat. „Kein Grund zur Panik“, meint er.
Die weltweite Ausbreitung des H1N1-Virus sei nicht mehr einzudämmen. Was man aber zumindest in den reichen Ländern erreichen könne und erreicht habe sei eine Verzögerung. Und die ist für die Medizin wichtig, um möglichst viele Informationen über den neuen Grippetyp zu sammeln, einen maßgeschneiderten Impfstoff und passende Gegenmittel zu entwickeln. Wichtig sind auch einige einfache Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen.
Malle ohne „Strohhalm-Sharing“
Wer seine Reise nach Spanien oder anderswohin antritt, sollte für diesmal zum Beispiel auf „Strohhalm-Sharing“ verzichten und sich auch sonst die eigene Gesundheit nicht völlig außer Acht lassen. Im Kreis Daun haben sich bereits anderthalb Dutzend Verdachtsfälle auf Schweinegrippe nicht bestätigt. Salopp gesagt, empfiehlt es sich derzeit nicht, wenn man aus der kühlen Eifel ins 42 Grad heiße Mallorca kommt, sich in der Hitze am Strand zu betrinken, die Nacht in der Disco durchzuschwitzen und anschließend im Hotelzimmer die Klimaanlage auf 15 Grad herunterzudrehen.
So fängt man sich vielleicht nicht gerade die Schweinegrippe, aber jede Menge andere Erreger: Auch diese Verdachtsfälle müssen die Ämter prüfen. Drei belegte Fälle verzeichnet der Landkreis Cochem-Zell, alle drei haben sich mit H1N1 in Mallorca infiziert. „Nicht schwergradig“ waren die Krankheitsverläufe, so das zuständige Gesundheitsamt. Inzwischen sind alle schon wieder symptomfrei.
Alle im eigenen Bett
„Zum Glück eher milde Verläufe“ meldet auch Dr. Günter Beyer aus Bernkastel-Wittlich. Alle Patienten würden medikamentös behandelt und seien zuhause isoliert. Angehörige und andere Kontaktpersonen seien informiert und hätten das entsprechende Merkblatt erhalten.
Der Umgang mit Risikogruppen ist zu meiden, Säuglinge, Schwangere und beispielsweise Asthmatiker sollten für eine Weile nicht besucht werden. Regelmäßiges Händewaschen, Niesen in ein Taschentuch und eine insgesamt verstärkte Hygiene sind angeraten. Streng ist man mit unklaren Fällen bei Menschen, die beispielsweise in Krankenhäusern oder Seniorenheimen arbeiten: Die müssen zuhause bleiben, bis bei ihnen die Schweingrippe definitiv ausgeschlossen werden kann.
Das dauert heute nicht mehr lange. Statt auf den indirekten Nachweis anhand von Antikörpern zu warten kommt das Ergebnis inzwischen über Nacht aus dem Labor: Über den direkten Erbmasse -Nachweis des jeweiligen Virus.
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