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Marita Kraemer aus Müllenborn

Managerin mit Pioniergeist

- 04.11.2009 -
 

Der Ruhepol von Marita Kraemer ist ihr Heimatdorf Müllenborn. Dort hatte sie sich schon als Studentin eine große Wiese ausgesucht, auf der sie zukünftig ein Haus bauen wollte. Dieses Vorhaben hat sie zwanzig Jahre später endlich in die Tat umsetzen können und verbringt heute mit ihrem Lebensgefährten jedes zweite Wochenende dort – gemeinsam  mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, die ebenfalls ihre „Eifler Scholle“ nicht verlassen haben und in Müllenborn leben.

Als Sechsjährige wurde Marita Kraemer in die Volksschule in Müllenborn eingeschult, wo ein Lehrer alle Klassen vom 1. bis zum 8. Schuljahr in einem großen Raum um einen „Bollerofen“ unterrichtete. Das hatte den Vorteil, dass sie ab und an bei der nächsthöheren Klasse mitlernte; das machte einerseits sehr großen Spaß, andererseits beförderte es nicht gerade die Klassendisziplin.

Mit 14 Jahren – nach dem Abschluss der Hauptschule – wechselte sie zur Handelsschule in Gerolstein, die sie nach zwei Jahren abschloss, um danach eine Lehre bei der Gerolsteiner Sprudel KG („beim Sprudel“) zu starten. Nach Abschluss der Lehre als Industriekauffrau, die sie mit „sehr gut“ bestand, arbeitete sie als Sekretärin des Sprechers der Geschäftsführung. Bereits während ihrer Lehre hatte sie für Betriebswirtschaft und Unternehmensführung Feuer gefangen. Ihr Wunsch reifte heran, eines Tages auf der „anderen Seite des Schreibtisches“ zu sitzen.

Einer ihrer früheren Handelsschullehrer überzeugte sie und ihre Eltern, die neu in Gerolstein etablierte Fachoberschule für Wirtschaft zu besuchen. Beherzt ließ sie sich gleich in die Abschlussklasse einschulen, die sie nach einem Jahr als Beste abschloss. Danach folgte das Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität in Wuppertal.

Als großes Glück bezeichnet Marita Kraemer den Wechsel nach Berlin, wo sie an dem von Harvard-Professor Karl W. Deutsch geleiteten Wissenschaftszentrum als erste deutsche Universitätsabsolventin ein Doktoranden-Stipendium bekam und mit Wissenschaftlern renommierter amerikanischer Universitäten arbeiten konnte.

Ihre Doktorarbeit, die sie 1984 an der Freien Universität in Berlin abschloss, führte sie nach Mexiko, wo sie im Rahmen eines sechsmonatigen Feldforschungsaufenthaltes die Einflüsse der amerikanischen Werbung auf das  Konsumverhalten des Schwellenlandes Mexiko untersuchte. Seitdem spricht sie spanisch und liebt Reisen in spanisch geprägte Kulturen.

Während der Endphase ihrer Doktorarbeit begann Marita Kraemer ein Trainee-Programm bei der Bank für Handel und Industrie AG (Tochterunternehmen der Dresdner Bank AG) in Berlin. Nach Beendigung der Ausbildung wollte sie Firmenkunden-Betreuerin werden, damals eine Position, die im gesamten Bankinstitut ausschließlich Männern vorbehalten war. Mit nachhaltiger Überzeugungskraft setzte sie sich durch und wurde die erste Firmenkunden-Betreuerin der Dresdner Bank und damit auch Wegbereiterin für viele weibliche Nachfolger.

Im Jahre 1989 nahm die leidenschaftliche Eiflerin - neben zwölf anderen Kollegen und erstmals  Kolleginnen - am Investment-Banking-Programm der Dresdner Bank, das sie nach London, New York und Chicago führte, teil.
Der Fall der Mauer veranlasste Marita Kraemer, sich für Dresden als nächste berufliche Station in der Dresdner Bank zu entscheiden. Sie wollte in dieser spannenden Zeit des wirtschaftlichen Aufbaus der neuen Bundesländer dabei sein und ihren Beitrag leisten. So war sie es, die die erste Entschuldung eines übernommenen ostdeutschen Unternehmens bei der früheren Staatsbank durchsetzte und somit den Präzedenzfall für die zukünftigen Entschuldungen der früheren DDR-Betriebe schuf.

Nach Dresden und Leipzig ging es wieder zurück nach Berlin, um die Finanzierung von Großinvestitionen und Firmenübernahmen zu strukturieren und umzusetzen. Im Jahre 1997 wurde sie vom damaligen Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank ins Investment Banking nach Luxemburg berufen, wo sie  die Akquisition und Betreuung des Syndizierten Kreditgeschäftes in Südeuropa aufbaute.

1999 bot die Zürich-Versicherung Marita Kraemer die Vorstandsposition für den Bereich Kreditversicherung an. Sie nahm das Angebot gerne an, hat ihr Büro in Frankfurt und ist inzwischen im Holding-Vorstand zuständig für das Kreditversicherungsgeschäft in Europa, das sie in den vergangenen zehn Jahren systematisch auf- und ausgebaut hat.

- Artikel aus Eifelzeitung 45. KW 2009 -

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