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Dieter Heuskel aus Daun

Unternehmensberater und Querdenker

- 18.11.2009 -
 

Schreckgespenst Globalisierung, Schicksalsmacht Wirtschaft? Dieter Heuskel ist überzeugt, dass das Gegenteil wahr ist: Unternehmen sind Motor und Mittelpunkt jeder gesellschaftlichen Entwicklung. Und unternehmerisches Denken beschränkt sich nicht auf Manager oder Firmengründer, sondern beschreibt Menschen, die Ideen entwickeln, Probleme lösen, Ressourcen effizient einsetzen und Wert schaffen – für sich wie für andere. Dieter Heuskels Weg führte zielstrebig in die „weite Welt“ der globalen Wirtschaft – und auf Seitenpfaden immer wieder zurück nach Daun.    
Als Chairman der Boston Consulting Group Deutschland und Mitglied im weltweiten Executive Committee der BCG steht Dieter Heuskel heute an der Spitze einer der größten internationalen Beratungsgesellschaften. Er hat in fast drei Jahrzehnten Strategieberatung viele große deutsche und europäische Unternehmen auf ihrem Weg zum „Global Player“ begleitet. Geboren 1950 in Daun, wo der Vater eine Schlosserwerkstatt betrieb, ist die Verbindung in die Eifel nie abgerissen und bis heute höchst lebendig: Das renovierte Elternhaus ist sein Refugium; ein Schulfreund von einst ist heute sein Hausarzt, ein anderer sein Anwalt. Selbst in seiner Leidenschaft für schnelle Autos findet sich – im D-AU-Kennzeichen – ein Hinweis auf seine Liebe zur Eifel-Heimat.

Schon als Schüler begann Dieter Heuskel, eigene Ideen, in Wort und Tat gemeinsam mit anderen, „unternehmerisch“ umzusetzen: Er war erster Chefredakteur der Schülerzeitung, später erster Schülersprecher am Thomas-Morus-Gymnasium. Zusammen mit einem Freund, dessen Eltern einen Kolonialwarengeschäft in Wallenborn besaßen, entwickelt er einen florierenden Schüler-Shop. Geöffnet ausschließlich nachmittags, verkauften sie Schallplatten, Parkas, Jeans und Jackets. Mit dem ersten Auto werden schließlich auch noch die Diskotheken im weiteren Umkreis mit Postern beliefert.

Nach dem Abitur studiert er Volkswirtschaft – dem Shop zuliebe im nahe gelegenen und für Wirtschaftsstudien prädestinierten Bonn - mit dem Schwerpunkt Entwicklungspolitik/Makroökonomie.  Von der Wirtschaft im Kleinen zu den Problemen im Großen führt der Weg über Promotion und Assistenztätigkeit am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik: Dort gründet er eine entwicklungspolitische Abteilung mit Schwerpunkt Afrika, akquiriert Aufträge der EU und promoviert 1980 über „Direktinvestitionen in Entwicklungsländern“. Drei Jahre lang betreut er Projekte in der Sahel-Zone und Westafrika. Danach führt sein Weg nicht – wie damals für in Bonn promovierte Ökonomen üblich – ins Wirtschaftsministerium, sondern in eine damals noch neue, ungewöhnliche Branche: die Unternehmensberatung. Die Vorstellung, „etwas zu bewegen“ lockte ihn, die unkonventionellen Menschen und Methoden, denen er bei der Boston Consulting Group – Pionier der Strategieberatung – traf, überzeugten ihn. Bis heute.

Dieter Heuskel ist Mitbegründer des Düsseldorfer BCG-Büros. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen der Energiewirtschaft, Konsumgüter- und Stahlindustrie bis zur Mineralölbranche. Zwei Jahre lang, von 1995 bis 1997 leitete er die weltweite Strategie-Praxisgruppe, von 1998 bis 2006 das Management Team der BCG Deutschland. Ebenfalls seit 1998 gehört zum höchsten Gremium des Unternehmens, dem weltweiten Executive Committee.

Seinen Ruf als „Querdenker“ hat sich Dieter Heuskel in der Branche redlich erworben: Ob beim Thema Mischkonzerne, die seinen Analysen nach keineswegs „schwieriger“ und „schlechter“ sind als fokussierte; oder im Blick auf die wachsende Rolle von Finanzinvestoren. In seinem Buch „Wettbewerb jenseits von Industriegrenzen“, das 1999 erschien, hat er seine Gedanken zu Wachstumsstrategien publiziert.

Strategische Denken und unternehmerisches Handeln sollten möglichst früh gefördert werden. Mit BCG-Kollegen hat  Dieter Heuskel deshalb 1998 das Schulprojekt „business@school“ ins Leben gerufen. Unterstützt von Beratern und Mitarbeitern großer Unternehmen wie E.ON, Lufthansa und BMW, lernen Schüler ein Jahr lang die Welt der Wirtschaft kennen, entwickeln Geschäftsideen, stellen Business Pläne auf und präsentieren sie im Wettbewerb einer hochkarätigen Jury. Im ersten Jahr erprobt am Gynamsium in Daun, haben bis heute mehr als 80 Schulen und über 1000 Schüler am Programm teilgenommen, das 2001 mit dem Preis „Freiheit und Verantwortung“ ausgezeichnet wurde.

Starke Wurzeln sind kein Nachteil, sondern schaffen Verankerung – und ermöglichen Verantwortung. Im Blick auf die Rolle, die Finanzinvestoren zukommt, bezieht Dieter Heuskel klar Position: Unternehmen sind kein „Projekt auf Zeit“, sondern brauchen langfristige Perspektiven. Nur so bleibt gewährleistet, dass der „Motor“ Wirtschaft auch in einer globalen Welt verbunden bleibt mit den Menschen, die ihn – als Mitarbeiter, Manager, Kunden und Partner – vorantreiben.

- Artikel aus Eifelzeitung 47. KW 2009 -

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