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Schnaps, das war sein letztes Wort…
Alkohol und Karneval:
Eine Region wird sensibel für das Thema
- 03.02.2010 -
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Bernkastel-Wittlich / Vulkaneifel/Ulmen. Randale, Schlägereien, Alkoholvergiftungen und ohnmächtige Jugendliche: Das Problem gewinnt an Dringlichkeit, besonders an Karneval, wenn die Menschen sich traditionell betrinken. Der Suff wird zusehends thematisiert, auch von den Entscheidern in der Region. Bernkastel-Kues macht beim nächsten Fastnachtsumzug vor, was möglich ist.
Wie Helmut Kaspar, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues berichtet, war es höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen. Zum Umzug am 13. Februar, wenn wieder 10.000 Zuschauer dabei sind, wird man den Worten Taten folgen lassen. Die Kontrollen besonders von Jugendlichen werden verstärkt; wer mit Hochprozentigem angetroffen wird, bekommt es an Ort und Stelle abgeholt. Im Stadtgebiet stehen Mülltonnen bereit, die den Alkohol aufnehmen – nicht mehr erreichbar für jene, die ihn bezahlt haben.
Apropos bezahlen: Auch an den Kassen und rund um Tankstellen und Einkaufsmärkte wird es Kontrollen geben. Dass oft ältere Freunde als Strohmänner den Schnaps kaufen, den sie ein paar Meter weiter an Jüngere weitergeben, ist kein Geheimnis. Diesmal kriegt richtig Ärger, wer solches versucht: Die Polizei wird konsequent Anzeige erstatten.
Keinerlei Auflagen erwarten die Narren in Wittlich. Hier war es in den vergangenen Jahren eher am Weiberdonnerstag als im Umfeld des Umzuges zu Auffälligkeiten gekommen: Bereits an den Vormittagen lungerten Trauben betrunkener Mädchen und Jungs in der Stadt herum. Deshalb werden Jugendschutzkontrollen besonders an diesem Tag durchgeführt. Wie Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung, erklärt, koordinieren Polizeiinspektion, Kreisjugendamt und das städtische Ordnungsamt am Donnerstag ihre Einsätze. Zielgruppe sind hauptsächlich Jugendliche; im Visier ist unter anderem die Karrstraße und der Bereich vor Gaststätten.
Generell gilt für den Wittlicher Umzug: Die Rot-Weißen sind als Veranstalter bereit, das in ihrer Macht Stehende zu tun, so Zugführer Stibbi Stirn. Schnapsleichen am Straßenrand hat niemand gern. Die Zugteilnehmer werden gebeten, keinen Alkohol an Zuschauer abzugeben. Diese Aufforderung erfolgt sogar schriftlich: Günnes Eller, der Vorsitzende des Karnevalsvereins, wird Handzettel an jede Gruppe verteilen, die sich im Zug aufstellt. Komplett verbieten möchte er den Alkohol nicht, er gehört zur Tradition von Fastnacht und Karneval dazu.
Gescheiter wäre gewesen, von langer Hand eine Strategie zur Umgehensweise mit dem Problem zu entwickeln. Die Rot-Weißen hatten gegenüber dem Ordnungsamt Gesprächsbereitschaft signalisiert und um eine Kontaktaufnahme im Herbst gebeten. Der Termin verstrich. Bleibt die Lösung der Handzettel: besser jedenfalls als nichts.
Den ersten Umzug in der Region hat die Stadt Manderscheid (6. Februar) zu bewältigen. Es folgen Bettenfeld, Großlittgen, ein Nachtumzug in Karl, Niederöfflingen und Eisenschmitt. Das Ordnungsamt hat die Genehmigungen ohne spezielle Auflagen erteilt: Die Vereine, die für die Alkoholproblematik sensibilisiert seien, zögen eigenverantwortliches Handeln einer behördlichen Reglementierung vor, weiß die Verbandsgemeindeverwaltung. Gleichwohl ist man im Gespräch, appelliert insbesondere an die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes und verteilt Informationsmaterial.
Keine Alkoholexzesse meldet Wittlich-Land. Dennoch freut sich Hans-Werner Metzen vom Ordnungsamt, dass sich dem Thema „auf breiter Ebene“ gewidmet wird. Für 2010 hat er immerhin 19 Genehmigungen in seiner Verbandsgemeinde erteilt: in Altrich, Arenrath, Bergweiler, Bruch, Dreis, Gladbach, Hetzerath, Hupperath, Klausen, Landscheid, Landscheid - OT Niederkail, Landscheid - OT Burg, Minderlittgen, Osann-Monzel, Platten, Plein, Rivenich, Salmtal und Sehlem. Die Teilnehmer der Umzüge dürfen Alkohol an Passanten ausschenken – außer an Jugendliche, wie es das Gesetz ohnehin vorschreibt. Auch hier kommunizieren Polizei, Jugend- und Ordnungsamt untereinander; brauchbares Material geht an die Veranstalter. Polizei und / oder die örtlichen Feuerwehren begleiten und sichern die Umzüge.
Keinen akuten Handlungsbedarf sieht man für die acht Umzüge (Bausendorf, Bengel, Hontheim, Kinderbeuern, Kinheim, Kröv, Kövenig, Reil) in Kröv-Bausendorf. „Bisher gab es in unserer Verbandsgemeinde keine spezifischen Jugendalkoholprobleme“, berichtet Arno Simon. Bei den Umzügen werde vordergründig Wein ausgeschenkt. Er verspricht aber, dass die VG reagieren werde, falls „tatsächlich einmal Alkoholprobleme mit Jugendlichen auftreten“.
Ähnliches verlautet Kelberg: Die Vereine würden bei jeder Gestattung auf den Jugendschutz hingewiesen. Auf weitere Auflagen verzichtet die Verbandsgemeinde, auch auf Kontrollen, die „über das normale Maß hinaus“ gehen. Die Beseitigung der Abfälle, insbesondere auch Glasscherben, werden in Haftungsfreistellungserklärungen in jedem Einzelfall geregelt. Umzüge finden in Kelberg, Lirstal, Uersfeld und Retterath statt.
„Uns sind keine Alkoholexzesse an Karneval aus den vergangenen Jahren bekannt geworden. Es mag vielleicht Einzelfälle geben, wo auch Jugendliche an Alkohol gelangt sind“, lautet die Auskunft aus dem Hillesheimer Rathaus. Auch Günther Linnertz erinnert an die Auflagen, mit denen jedwede Genehmigung einer karnevalistischen Veranstaltung verbunden ist, insbesondere an den Jugendschutz. „Den Karnevalsvereinen empfehlen wir einen Ordnungsdienst einzurichten, der u.a. auch hierfür die Verantwortung trägt.“ Die VG Hillesheim hat Umzüge in Berndorf, Hillesheim, Nohn, Üxheim, Niederehe, Walsdorf und Wiesbaum.
Auch an der Oberen Kyll wurde man bisher von Alkoholexzessen verschont, auch wenn Arno Fasen unrühmliche Einzelfälle einräumt. Hier gelten ebenfalls die üblichen, keine gesonderten Auflagen für die diesjährigen Umzüge in Gönnersdorf (Nachtumzug), Jünkerath, Lissendorf und Stadtkyll. Im Dialog mit den Veranstaltern ist die Verwaltung trotz Bürgermeisterwahlen und Neubesetzungen. Alle Vereine wurden auf die gesetzlichen Bestimmungen ausdrücklich hingewiesen. Allerdings sieht Fasen ein viel größeres Problem in den Alkoholvorräten, die die vor allem jugendlichen Besucher an den Straßenrändern selbst mitbringen. „Dies ist leider bei solch großflächigen Veranstaltungen kaum zu kontrollieren.“
Ulmen verfährt bei seinen Umzügen in Ulmen, Filz, Schmitt, Wagenhausen und Wollmerath wie eh und je. „Es gibt bei uns die allgemeinen Kontrollen“, berichtet Volker Dunkel. Durch Alkohol entstandene Probleme aus den Vorjahren sind ihm nicht bekannt, auch nicht, ob überhaupt Alkohol von den Zügen ausgeschenkt wird.
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