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Der Nürburgring und sein Achterbahn-Trauma
- 21.07.2010 -
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Nürburgring. Mitte August 2009 hieß es, die Achterbahn könnte Ende September (2009) ihren Betrieb aufnehmen. Die Eifel-Zeitung fragte am 21.08.2009: „Achterbahn nur noch ein Haufen Schrott?“ Dann passierte genau das, was Achterbahnspezialisten in ganz Europa prophezeit haben.
Bei einer lauten Explosion am 3. September 2009 während einer Testfahrt sind sieben Menschen verletzt worden. „Durch den Vorfall wird der Termin nun nach hinten verlagert“, sagte damals eine Nürburgring-Sprecherin. Sechs verletzte Männer wurden damals mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus eingeliefert. Einige von ihnen erstatteten Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Projektmanager und Leiter der Versuchsreihe zur Installation der Achterbahn.
Exakt neun Monate danach meldet sich die Staatsanwaltschaft Koblenz am 2. Juni 2010 zu Wort. Das Ergebnis war wenig überraschend. Sie hat ihre Ermittlungen zu dem Unfall an der Achterbahn am Nürburgring eingestellt. Dem angezeigten Projektmanager sei keine Straftat nachzuweisen gewesen, hieß es vom Leitenden Oberstaatsanwalt Horst Hund in einer Pressemeldung.
Auf die Frage, ob die Achterbahn jemals fahren würde, sagte Wirtschaftsminister Hering vor einigen Tagen, dass die Achterbahn in diesem Jahr wohl nicht mehr fahren würde. Das Fehler-Problem sei immer noch ungelöst. Auch die angepeilten 400.000 Besucher für das „ring werk“ mussten im März 2010 dramatisch auf 170.000 Besucher nach unten korrigiert werden. Vergangene Woche musste Hering zugeben, dass auch diese Besucherzahl noch viel zu hoch angesetzt war. Ob die Besucherzahl überhaupt in den sechsstelligen Bereich kommt, ist fraglich.
Auch von den über 1.000 angekündigten neuen Arbeitsplätzen spricht heute kein Mensch mehr. Wieviele sind es tatsächlich? Minister Hering äußert sich heute clever so: „Nach Angaben des Betreibers seien es bei der Nürburgring Automotive GmbH 450 sozialversicherungspflichtige und bis zu 10 bei der Nürburgring GmbH. Sozialversicherungspflichtig ist man in der Regel ab 401,- Euro monatlichem Einkommen. Wieviele Vollzeitkräfte dort arbeiten, sagt Hering nicht. Er ist aber davon überzeugt, dass noch mehr Jobs entstehen und man mit dem Nürburgring Geld verdienen kann. Ob man mit dem Nürburgring in der aktuellen Konstellation tatsächlich Geld verdienen kann, wagen wir zu bezweifeln. Sicher ist nur, dass man sich die Taschen voll machen kann. Davon hat aber das Land als Eigentümer höchstwahrscheinlich nichts. Die anvisierten ,mindestens 15 Millionen Pacht, mit denen Hering ab 2013 von der Betreibergesellschaft rechnet, sind nach Meinung der Eifel-Zeitung eine völlig unrealistische Größe. Soweit wird es gar nicht kommen. Warten wir doch erst einmal das Geschäftsjahr 2011 ab. Ob dann Minister Hering immer noch so entspannt auf die Achterbahn und den Nürburgring insgesamt blickt, ist eher fraglich.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Äußerungen von Wirtschaftsminister Hering zu aktuellen Entwicklungen am Nürburgring erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, Günter Eymael, dass man die Entwicklung am Nürburgring im ersten Halbjahr 2010 in der kommenden Sitzung des Wirtschaftsausschusses thematisieren werde. So wolle man von der Landesregierung konkret wissen, welche Struktur und welche Aufgaben sich hinter der neu gegründeten Automotive Nürburgring GmbH verbergen. Insbesondere soll darüber berichtet werden, inwieweit neben der Automotive Nürburgring GmbH weitere Gesellschaften neu gegründet wurden.
Des Weiteren soll vor dem Hintergrund der „rosaroten Berichterstattung“ zur aktuellen Entwicklung am Nürburgring durch Minister Hering die Entwicklung der Besucherzahlen sowie der Einnahmen-/Ausgabensituation bei den Motorsport affinen Veranstaltungen, dem ring°werk und der Cash Settlement Ticketing GmbH für den Zeitraum 1.1.2010 bis 30.6.2010 dargestellt werden. Nach Ansicht des FDP-Abgeordneten wird das ring°werk nämlich nach wie vor nicht angenommen, was nicht bloß an dem immer noch nicht funktionierenden Ringracer liege, sondern in der völlig falschen Konzeption begründet sei. Dass selbst die von über 400.000 Besuchern auf 170.000 Besucher weit nach unten korrigierte Prognose immer noch nicht erfüllt wird, ist ein schlimmes Eingeständnis für das Scheitern des staatlich finanzierten ring°werks.
„Vielmehr“, so Eymael, „sei auch in diesem sowie den kommenden Jahren mit weiterhin hohen Verlusten zu rechnen“. Denn auch das im vergangenen Jahr angekündigte Zukunftskonzept ist bisher erfolglos geblieben. Hierfür werde letztlich auch das Land Rheinland-Pfalz das volle Risiko übernehmen müssen. Neben den 330 Mio. Euro für das Projekt Nürburgring 2009 werden auch die dauerhaft zu befürchtenden Verluste in Millionenhöhe den rheinland-pfälzischen Steuerzahler belasten. „Ringracer und ring°werk sind der größte Flop, den eine Landesregierung in der Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz jemals gelandet haben“, erklärte der liberale Wirtschaftsexperte abschließend.
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