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Vor 62 Jahren – Explosionskatastrophe von Prüm kostet 12 Menschenleben

- 20.07.2011 -
Foto zeigt die zerstörte Tiergartenstraße
Foto zeigt die zerstörte Tiergartenstraße
 

Prüm. Der »Schwarze Freitag« von Prüm wird unvergessen bleiben. Am 15. Juli 1949 gegen 20.20 Uhr, explodierten im Stollensystem auf dem 569 m hohen Kalvarienberg 500 Tonnen Sprengmunition und verwandelten innerhalb von Sekunden die im Aufbau befindliche Stadt in ein Trümmerfeld. Traurige Bilanz: 12 Tote, 60 Verletzte, 237 zerstörte bzw. beschädigte Häuser und rund 1000 Obdachlose.

Das tragische Ereignis brachte das Eifelstädtchen europaweit in die Schlagzeilen. Nicht auszudenken jedoch, was passiert wäre, wenn die Gendarmerie nicht vorausschauend beim ersten Anzeichen eines Stollenbrandes ca. eine Stunde vor dem großen Crash die Bevölkerung gewarnt und die Stadt rechtzeitig geräumt hätte.

250 000 cbm Schuttmassen wurden in die Luft geschleudert und verdunkelten die Stadt für 20 Minuten. Feinster Staub ging noch in der 20 Kilometer entfernten Stadt Gerolstein nieder. Die Detonation wurde sogar in Trier und Koblenz gehört, und die Erdbebenwarte in Stuttgart registrierte die Erschütterungen.

Die Katastrophe von Prüm hatte eine große Hilfswelle in der gesamten Region und im benaChbarten Belgien und Luxemburg ausgelöst. Insgesamt 3,7 Mio. Mark (umgerechnet rund 75 Mio. F) wurden an die Geschädigten ausgezahlt, die teilweise Hab und Gut verloren hatten und vor dem Nichts standen. Die Toten wurden durch ein Staatsbegräbnis mit dem Trierer Erzbischof Dr. Franz Rudolf Bornewasser und Ministerpräsident Peter Altmeier geehrt.

Ob der Vorfall in dem französischen Munitionsbunker ein Unglücksfall oder Sabotage war, ist bis zum heutigen Tage nicht geklärt. Seinerzeit wurde von einer örtlichen Agentur das Verteidigungsministerium in Bonn ersucht, dem ungelösten Fall in Frankreich nachzugehen - ohne Ergebnis. Schon lange vor der Katastrophe hatten die Einwohner und Behörden von Prüm bei der französischen Besatzungsmacht reklamiert, dass die Lagerung von über 500 Tonnen Sprengstoff eine große Gefahr für die Bevölkerung bedeute.

Die beiden 110 und 80 Meter langen und 4,30 Meter breiten, zusammenhängenden Stollen waren 1939 für den Westwall gebaut worden. Nach Kriegsende wurde hier Sprengstoff eingelagert, um die Westwall-Bunker im Grenzland wieder zu sprengen. Heute ist der fast 200 Meter lange, 100 Meter breite und 25 Meter tiefe Krater auf dem Kalvarienberg beinahe zugewachsen. Darüber erhebt sich ein großes, steinernes Mahnkreuz mit der Aufschrift »Diene der Versöhnung und dem Frieden - zur Erinnerung an die Explosionskatastrophe am 15. Juli 1949«. Unterhalb im Park befindet sich ein 1983 errichteter Nachbau der zerstörten Kalvarienbergkapelle und ein moderner Kreuzweg.

Von Heinz-Günter Boßmann

- Artikel aus Eifelzeitung 29. KW 2011 -

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