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Guter, alter Feuerherd !

- 31.08.2011 -

Abends, wenn die Bauernfamilie Haus und Hof versorgt hatte, kam die große Stunde der „guten Stub“. Einer nach dem anderen trat ein, suchte seinen Platz, ging einer kleinen Beschäftigung nach oder ruhte ganz einfach von den Strapazen des Tages aus.
Bis um die Jahrhundertwende gab es offene Herdfeuer in der Küche, welche mit ihrer Feuersglut die eisernen Takenplatten wärmten, die die wohlige Wärme von der Küche in die Stube weitergaben. Die Takenplatten waren in der Stubenwand eingelassen. In vielen alten Bauernhäusern findet man noch  die Stellen in der Wand, die heute vielfach mit einem Wandschrank besetzt sind. Die Kamine wurden geschlossen, neue Herde und Öfen hielten Einzug in das Haus.

Es war die Zeit der „Holzfresser“. Auf ein eisernes Bein oder ein Dreibein setzte man in gehörigem Abstand vom Boden einen zylinderförmigen Eisenofen von etwa einem Meter Höhe und einem halben Meter Durchmesser. An der Wandseite führte ein breiter, geschlossener Eisenschacht vom Ofen aus durch die Wand in den Küchenraum. Der runde Ofenmantel hatte keinerlei Öffnung, da er von der Küche aus befeuert wurde. So kannte man weder Rauch noch Schmutz in dem besten Raum des Hauses. Doch dafür musste man ungern den Nachteil in Kauf nehmen, dass das „unverschämte Nickelgesicht“ eine Unmenge an Holz schluckte und so im Volksmund „Holzfresser“ genannt wurde. Durch den Schacht warf man die Klötze in den Ofen, in dem es weder Rost noch Steine gab. Das Feuer brannte auf der Bodenfläche, die Asche zog man mit Hilfe eines Schiebers durch den Schacht nach außen. Der Rauch kam durch einen kleinen Nebenschacht zurück und stieg dann an der Wand hoch in den offenen Kamin.
Damit der Holzfresser seiner Aufgabe zumal im Winter gerecht wurde, half der Bauer mit einem Bläser nach: Mit einem langen Eisenrohr pustete er Luft unter die Sohlen, so dass die Glut in Gang gehalten wurde. Und stündlich –mindestens - musste eine Ladung Holz nachgelegt werden, so groß war der Verbrauch.

Die gute Stube mit der langen Ofenbank diente als Eß-, Arbeits- und Festraum. Neben Ofen und Ofenbank stand an der Fensterseite der mächtige Tisch mit Essbank und Stühlen. Hier fand man sich mit dem Gesinde zum Essen, Singen, Erzählen und Arbeiten ein, hier traf man Verwandte und Nachbarn. Hier machte sich das Gefühl von Geborgenheit, Zusammengehörigkeit und Frohsinn breit, wenn Bauer und Besucher miteinander kommunizierten oder Freude und Leid zu teilen hatten.

Die bäuerliche Einrichtung war auf Dauerhaftigkeit eingerichtet. Möbel waren nur selten beweglich, Schränke, Bänke, Tische und Bettstellen vielmehr fest eingebaut. Fußböden, Wände, Decken, Türen und Möbel bestanden aus dem gleichen Material, zumeist aus hellem Eichenholz, woraus sich eine Einheitlichkeit ergab, die die Schönheit und Behaglichkeit alter Bauernstuben ausmachte. Doch diente die Einrichtung keineswegs dem schönen Aussehen, vielmehr war alles angelegt auf Zweckhaftigkeit. Wurde die Einrichtung abgeändert oder Teile erneuert, so glich man das Neue dem Bewährten und Alten an. Die aus einem gesunden und ursprünglichen Lebensgefühl gestalteten bäuerlichen Möbel waren echte Handwerksarbeit verdienter Eifeler Tischler und Schreiner, die es früher in jedem Dorf gab. Vielfach war der Bauer selbst ein Handwerker, freilich ohne das nötige Arbeitsgerät.

In den 50er Jahren hielten industriegefertigte Serienprodukte Einzug in die Eifeler Wohnungen. Blümchen- und Dirndldekore ersetzten Eifeler Motive, Geräte und Möbel unterlagen der aufkommenden Mode. Lebensformen und -gewohnheiten änderten sich drastisch, statt bäuerlicher Wohn- und Esskultur zog nun der Geist des Neuen in die Wohnstuben. Mittlerweile ist auch in der Eifel ein Bauernhaus nicht mehr von einem anderen Wohnhaus zu unterscheiden. Spezifische Einrichtungen sind verschwunden, alles hat sich der „ neuen Schönheit“ untergeordnet. Dafür musste das Eigentümliche weichen.

Ein Zeitbild aus der Mitte des 19. Jahrhunderts:

Erinnerungen am Eifeler Kaminfeuer
Von Chr. Laeis

Nach dem sonnigen lichten Vorfrühlingstag träumt es sich gemütlich am flackernden Kaminfeuer des alten Barockhauses in der Südwesteifel. Gedanken und Erinnerungen kommen und gehen und Erzählungen werden lebendig von dem Leben und Treiben auf den größeren Eifelhöfen vor der Rationalisierung und Technisierung von Wirtschaft und Verkehr. Noch waren damals - um 1855- altüberlieferte Sitten und Gebräuche nicht in Vergessenheit geraten und die Gutsherren schalteten und walteten auf ihren weitab vom Verkehr liegenden Höfen wie absolute Könige.
Außer der eigentlichen Agrarwirtschaft mit Vieh und Pferdezucht gab es auf den meisten Gütern auch ortsbedingte industrielle Betriebe, so z.B. in Holsthum eine Glashütte und Kalkofen, auf dem dazugehörigen Laeisenhof eine Ziegelei und Brennerei, anderwärts Gerbereien und vielfach Mahl- und Sägemühlen und auch meist Brennereien. Auf vielen Höfen wurde eine ausgedehnte Schafzucht betrieben, und zwar waren bei der damals noch allgemein üblichen Dreifelderwirtschaft der Schafbestand des Gutes von 1000 bis 1500 Stück in Schafherden von 200 bis 300 Stück unter je einem Schäfer mit seinen Hunden und Schäferkarren auf verschiedene umliegende Dörfer verteilt.
Im Herbst wurde dann beispielshalber auf dem Gut Helenenberg nach der Ernte eine große Herde von 800 bis 1000 schlachtreifen Schafen zusammengestellt. Diese zog mit mehreren Schäfern und deren Hunden unter Leitung des berittenen Gutsbesitzersohnes 2 bis 3 Wochen lang durch Frankreich bis Paris und wurde dort zum Verkauf gebracht. Den Erlös in Gestalt von klingenden goldenen Louisdors verstaute der welt- und sprachgewandte Eifeler in seiner schlauchartigen ledernen Geldkatze, die unter dem Rock um die Hüfte geschnallt wurde. So kam er dann nach mehrtägigem Ritt stolz mit seinem Goldschatz, aber mit durchscheuerten Hüften wieder nach Hause, um mit dem Herrn Vater abzurechnen.

Bald darauf ging es mit mächtigen Planwagen, bis oben angefüllt mit ausgesuchtem Kernleder aus der eigenen Gerberei, nach der Frankfurter Herbstmesse. Auf dem Hinweg begleitete der Gutsherr oder sein Sohn zu Pferde seine wertvollen 2 bis 3 Planwagen. Nach getätigtem Verkauf ritt er den Wagen voraus und konnte seine gefüllte Geldkatze schon nach 2 bis 3 Tagen zu Hause abgeben. Diese Fahrten waren unter der geordneten preußischen Herrschaft weniger aufregend und gefahrvoll als zu Beginn des 19. Jahrhunderts während der damals französischen Herrschaft, als Plünderer und Räuberbanden die Landstraßen unsicher machten. Zu dieser Zeit konnten Reiter und Fuhrleute ein geladenes schussbereites Schießeisen nicht entbehren.

So kam eines Tages der Gutsherr selbst nach gutem Verkauf seines Leders auf dem Rückwege von Frankfurt bei anbrechender Dunkelheit in ein Wirtshaus in der Gegend von Simmern. In der Wirtsstube traf er nur noch einen einzelnen einsamen Gast. Nach dem Abendessen forderte der Gutsherr gutgelaunt den alleinsitzenden Gast auf, mit ihm eine gute Flasche zu trinken. Aus der einen Flasche wurden bei heiterem Gespräch mehrere, bis sich in vorgerückter Stunde der Gast verabschiedete und sich für den schönen Abend bedankte mit dem Bemerken, ob sein Gastgeber wohl gewusst habe, dass er mit dem Schinderhannes zusammengesessen habe. Zum Andenken und zur etwaigen Hilfeleistung bei einem räuberischen Überfall schenkte der Räuberhauptmann ihm ein silbernes Pfeifchen, das ihm später wirklich einmal in einer ähnlichen kritischen Situation geholfen haben soll.

Mit der Technisierung des Verkehrs wurden nach dem Bau der Eisenbahnen viele dieser vom Verkehr abgelegenen Betriebe unrentabel und kamen zum Erliegen. Ebenso wurde die Haltung zahlreicher großer Schafherden infolge der Intensivierung der Ackerwirtschaft in der 2. Hälfte  des 19. Jahrhunderts unmöglich, und bis auf ganz vereinzelte Schafherden sind die Schafe mit ihren philosophierenden Schäfern und deren gelehrigen Hunden -und damit leider ein weiteres Stück Poesie - aus dem Landschaftsbild der Eifel verschwunden.

Joachim Schröder
 

- Artikel aus Eifelzeitung 35. KW 2011 -

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