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Die Alt - Eifeler Küche

- 18.01.2012 -

Das Eifeler Bauernhaus mit seinen Lehmfachwänden, später Grauwackenmauern, dem weißen Kalkanstrich und dem moosbewachsenen Strohdach prägte früher weithin die Dörfer unserer Eifellandschaft. Markant waren insbesondere auch der halbkreisförmige Ausbau an der Giebelseite, das „Baackes“, sowie das an der „Wetterseite“ weit herabgelassene Dach mit den spitz oder treppenförmig gestalteten Giebeln. Auffällig ferner die zweigeteilte eichene Haustür mit dem Oberteil und dem sog. „Gatter“, und die zumeist sehr kleinen, mit bleigefassten Scheiben ausgestatteten Fenster.

Mittelpunkt im Innenbereich des Bauernhauses war die Küche, der als Funktions- und Kommunikationsraum zugleich diente.

Trat man durch die Haustüre ein, gelangte man unmittelbar in die Küche, einen mittelgroßen, quadratischen, halbdunklen Raum, der in der Regel zwei kleine niedrige Fenster besaß. Der Fußboden bestand aus einer festen Lehmschicht, später aus behauenen Eifeler Steinplatten (Grauwacke oder Sandstein). Ein glänzend schwarzes Aussehen hatten Wände und Decken, hervorgerufen durch den Rauch des offenen Feuers. Die Decke ruhte auf schweren eichenen Balken, die in geringem Abstand parallel zueinander lagen. Als Feuerstelle diente zunächst der blanke Fußboden oder ein „Herd“, der aus Bruchsteinen aufgebaut und an den Innenseiten mit Schiefersteinen ausgefüttert war. Zum Tragen des Brennmaterials nahm man die „Brandruten“, längliche eiserne Schwellen, die an den Griffen öfters mit Löwenköpfen verziert waren, und neben der Feuerstelle standen.

Über dem Herd befand sich der „Hoarscht“ (Rauchfang), dessen untere, rechtwinklige Öffnung sich nach oben stark verjüngte. Hier hingen an starken Eichenlatten Würste und Schinken zum Räuchern. Eine hölzerne Einfassung an der unteren Seite der Öffnung nahm kleine Töpfe und Vasen auf.

Wo sich kein gemauerter Herd befand, brannte auf dem Boden ein offenes Reiser- und Holzfeuer. Die dahinter liegende Wand, zumeist zur „guten Stub“ hingewandt, wurde vor dem Feuer durch eine gusseiserne Platte geschützt. Diese „Takenplatte“, in anderen Gegenden „Takeneisen“ genannt, hatte meist die Ausmaße von 60 mal 80 cm, ein Gewicht von 50 kg und beinhaltete reiches Zierwerk. Meistens waren es Darstellungen aus der Heiligen Schrift,  aus der Sagenwelt, von Ritter- und Kriegsleben oder Wappen. Heiligenbildnisse kamen häufig vor.

Der Rauchfang wurde vom „Hol“ geprägt, einem Kesselhaken, der an einer Längsseite einem Sägeblatt glich. Hierdurch konnte der Haken beliebig nach unten oder oben verstellt werden. Die daran hängenden Kessel und Töpfe konnten so dem Feuer näher zugeführt oder weiter weggeleitet werden.

Die Hol besaß früher zudem hohe symbolische Bedeutung. Eine jungvermählte Frau, die in ihr neues Zuhause einzog, wurde am Hochzeitstag dreimal mit einem Kochlöffel versehen um die Hol geführt, um ihr zu verdeutlichen, wo künftig ihr neuer Aufgabenreich liegt. Gleiches geschah einer Magd bei ihrem Eintritt in den Dienst. Hiermit wurde ihre Zugehörigkeit zum Hause anerkannt. Sie selbst musste ihrerseits den gratulierenden Burschen ihr „Holbier“ spendieren.

An den Kesselhaken hängte man den großen, mit drei Füßen versehenen Holkessel, in dem die Hauptmahlzeiten gekocht wurden: Zopp, Jromperen und Mus. Seitlich hingen zumeist kleinere Kesselchen, in den Brei oder Gemüse gedünstet wurde. Das Grundnahrungsmittel der Eifelbauern war aber die Kartoffel, wie folgender Spruch kundtut:

„Morjens Brei
un Jromperen dobei,
mettes Zopp
un Jromperen drob,
owens Mus
un Jromperen noch!“

(Morgens Brei
und Kartoffel dabei,
mittags Suppe
und Kartoffeln darüber,
abends Mus
und Kartoffeln noch!)

Ein eiserner Dreifuß, auf den man weitere Töpfe stellen konnte, ergänzte den Kochbereich. Sollten Pfannkuchen oder Fladen gebacken werden, so kam an Stelle des Holkessels die „Faule Magd“ zum Einsatz: eine eiserne Platte, die eine runde Öffnung und einen breiten Henkel hatte. Auf die Öffnung setzte man die schwere „Holpann“, an deren Ende sich ein ca. 50 cm langer Stiel befand.

An der Wand nahe dem Feuer hing an eisernen Haken eine aus Draht selbst hergestellte Feuerzange, die sich beim Zusammendrücken öffnete und zum Bewegen der Kohlen diente; ferner der „Bläser“, ein Rohr von einem Meter Länge, das zum Anblasen des Feuers diente.

Neben der Stubentür stand das Schmuckstück der Küche, die „Kannenbank“. Sie war aus Eichenholz geschreinert, die Seitenteile waren leicht verziert. Die Einlegeböden, meist zwischen vier und fünf, nahmen allerlei Hausrat auf: Auf dem oberen Brett prangten die zinnernen Teller, die vor Festtagen wie Kirmes mit Hafer blank gescheuert wurden. Man erzählt bis heute, dass Burschen die Mädchen und Frauen damit besonders ärgerten, dass sie diese Teller umdrehten und so die unschöne Seiten der Teller offen legten.

Auf dem zweiten Brett bewahrte man Kaffeekessel, irdene Schüsseln sowie kupferne Gegenstände auf: Pfeffer- und Salzstreuer, Senfbehälter, Zuckerdose, hohe und niedrige Öllampen in verschiedensten Formen. Auf den weiteren Brettern ruhten Kaffeekannen aus Metall, Steingut oder Porzellan, weiße und buntbemalte Teller, Milch- und Kochtöpfe. An dem untersten Brett hingen an starken Haken kupferne und blecherne Wassereimer, weitere Behälter, Kannen und Vasen. Ergänzt wurde das Küchensortiment durch Gefäße für Öl, Mehl, Zwiebeln, Salz, Rote Grütze und Gerste.

Gurken-, Schabe- und Reibebretter aus Holz komplettierten das Gerätesortiment.

Joachim Schröder

- Artikel aus Eifelzeitung 3. KW 2012 -

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