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Bäuerlicher Nebenerwerb: Bienenhaltung

- 01.02.2012 -

Die Gewinnung von Honig und Wachs hat in der Eifel wie in anderen Regionen auch eine lange Tradition. Met war schon bei den Germanen ein beliebtes Getränk und Honig der einzige Süßstoff.

Aus der Waldbienenzucht entwickelte sich im Mittelalter langsam die systematische Hausbienenzucht, wobei man die Bienennester in sog. „Klotzbeuten“ verpflanzte und in Hausnähe betreute.

Bis um die Jahrhundertwende war die Bienenhaltung ein wichtiger Bereich bäuerlicher Selbstversorgung und eine zusätzliche Einnahmequelle. Bienenhonig war als Süßmittel  beliebt und auch als Heilmittel äußerst geschätzt. Bei Erkältungs- und Hautkrankheiten verrührte man den Honig in heißen Getränken oder bestrich eine eitrige Wunde mit dem heilenden Mittel. Zucker war für die arme Eifelbevölkerung oft unbezahlbar, so dass Bienenhonig der einzige Süßstoff war.

Da wundert es kaum, wenn selbst ein kleiner Bauer seine eigene Bienenhaltung betrieb.

Das andere Produkt dieser Tierhaltung, Wachs, wurde in riesigen Mengen im häuslichen und kirchlichen Bereich benötigt. An anderer Stelle wurde bereits beschrieben, in welchen Mengen Bauern neben dem Zehnten auch Wachs abzuliefern hatten. Auch gab es bis in das 18. Jahrhundert sog. „Wachsstrafen“, nach denen ein Verurteilter eine bestimmte Menge  Wachs an kirchliche oder staatliche Stellen abgeben musste. Weitere Spenden kamen an besonderen Festtagen (Lichtmess, Ostern, Wallfahrten) dazu, so dass man froh war, eigenes Bienenwachs in Fülle zu „produzieren“.

Wachs war darüber hinaus ein wichtiger Werkstoff für verschiedene Handwerkszweige. Sattler, Schuster und Schlosser benötigten ihn als Formwachs beim Gießen, Schreiner und Drechsler zur Oberflächenbehandlung ihrer Holzerzeugnisse und Beamte für die Herstellung von Siegeln. Heute wird das Wachs fast überwiegend für den Guss neuer Wachsplatten verwendet, die den Bienen als Anlagefläche neuer Waben dienen.

Für die Förderung der Obsterträge war die Bienenzucht den Bauern von unmittelbarem Nutzen. Obstbau und Bienenzucht gehörten seit jeher zusammen und wurden gerade in den Landregionen der preußischen Rheinprovinz finanziell unterstützt. Bis heute hat sich in gewissen Teilen der Eifel (Bitburger Gutland, Meckenheim, Ahrtal) diese Kombination in wirtschaftlicher Hinsicht erhalten und bewährt.

Die Bienenhaltung hat sich in den letzten Jahrhunderten oftmals verändert, besonders im Hinblick auf die Bereitung der „Wohnung“. Neben den Klotzbeuten und Klotzstülpern, die den Teil eines Holzstammes ausmachten, gab es Bienenwohnungen aus grobem Flechtwerk. Diese Ruten- und Strohstülper schützten die Tiere nicht nur vor Nässe und Kälte, sondern ließen sich auch einfacher transportieren und handhaben. Vor allem war eine gute Einsicht und Kontrolle gewährleistet. Rutenstülper waren aus Haselgerten oder Eichenholzstreifen selbst gefertigt. Dieses Flechtwerk wurde innen und außen mit Lehm und Kuhdung abgedichtet. In der waldreichen Ardennen- und Eifellandschaft hielt sich diese Form der Stülper bis weit in unser Jahrhundert hinein; vereinzelt waren auch noch Strohstülper in Gebrauch, ehe sich endgültig Holzkästen durchsetzten. Zur Herstellung der Strohkörbe nahm man möglichst langhalmiges Roggenstroh, das in Wülste gedreht und mit Bastriemchen umflochten wurde. Das Flugloch schnitt man meist an den unteren Korbrand. Normalerweise stellte man die Stülper in drei Reihen übereinander. Hier ließ man die Bienen zunächst ihre Waben wild anlegen. Um den Honig zu ernten, tötete man die Bienen mit Schwefeldämpfen und brach dann die Waben aus. Erst später konnte man die Völker erhalten, indem man sie in andere Körbe vertrieb.                                                                     Eine weitere Verbesserung brachten die vorgefertigten Wabenrähmchen, die in die Bienenwohnungen eingesetzt oder auch bei Bedarf entnommen werden konnten. So blieb vor allem die Brut unbeschadet.
Eine besondere Form von Körben finden wir in der Nordeifel: sog. „Bannkörbe“. Sie stellen eine menschliche Form mit Gesichtern und Gliedmaßen dar und sollen Unglück und Krankheit von den Bienen fernhalten. Vielfach soll die Figur des hl. Ambrosius, der neben dem hl. Bernhard von Clerveaux als Schutzheiliger der Bienen gilt, mit Mitra und Stab nachgestellt sein.

Zum Einfangen von Bienenschwärmen benötigte man Fangkörbe, die sich vom Modell des Stülpers kaum unterscheiden.

Da man glaubte, Bienen seien durch Rauch und Lärm zu beruhigen, bediente man sich beim Einfangen oft einer Pfeife, einer Lunte oder eines Rauchfasses. Auch Flinten kamen zum Einsatz. Zum eigenen Schutz trug man Schleier über dem Kopf und wollene Handschuhe. Weitere Hilfsgeräte für den oft unerfahrenen „Bienen-Bauern“ waren die Reinigungskrücke zum Säubern des Bodenbrettes, Wabenmesser und -zange, Wandschaber und Schwarmfangbeutel.

Bis zur Jahrhundertwende war die Honiggewinnung ein aufwendiges Verfahren. So stopfte man die Waben in einen Sack, strich mit zwei Holzleisten am Sack entlang und presste so den Honig aus den Waben. Heute stellt man die Rähmchen in Honigschleudern. Hier wird durch die Zentrifugalkraft der Honig aus den Rähmchen „geschleudert“.

Zur Wachsgewinnung bediente man sich einer kleinen kelterähnlichen Wachspresse, zum Schmelzen verschiedenartiger Sonnen- oder Dampfwachsschmelzer.

Seit den Nachkriegsjahren ist ein drastischer Rückgang der Imkerei in der Eifel feststellbar.

Die Gründe hierfür reichen von strukturellen Veränderungen über den Wegfall von Bienennahrung bis hin zu Billigimporten und Ersatzprodukten von Honig und Wachs. Imkerei ist heute fast vollständig eine Hobbysache.

Joachim Schröder
 

- Artikel aus Eifelzeitung 5. KW 2012 -

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