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Wenn Lebenslügen zusammenbrechen

Bernhard Schlink („Der Vorleser“) las aus dem Erzählband „Sommerlügen“

- 30.05.2012 -
Bernhard Schlink
Bernhard Schlink
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Wittlich. Der Roman „Der Vorleser“ war ein Sensationserfolg, wie ihn die deutsche Gegenwartsliteratur seit Erscheinen der „Blechtrommel“ von Günter Grass nicht mehr erlebt hatte. Er machte seinen Autor Bernhard Schlink weltberühmt.
Am Dienstagabend las Bernhard Schlink beim Eifel-Literatur-Festival in Wittlich aus dem Erzählungsband „Sommerlügen“.

Sieben Erzählungen umfasst die Geschichtensammlung. Um Selbstbetrug geht es, um Lügen sich selber und anderen gegenüber. Zuweilen über einen Sommer hinausreichend: als Lebenslüge. Darum ging es auch in der letzten Erzählung des Bandes, die Schlink in Wittlich vortrug: „Die Reise nach Süden“. Sie ist einer 80jährigen Frau in ihre Vergangenheit, zusammen mit ihrem Enkelkind Emilia. Dort trifft sie auf ihre Jugendliebe und auf die Ursprünge ihrer „Lebenslüge“: dass der Mann sie verlassen habe. Liebe, Ehe, Scheidung: die Geschichte erzählt von fortwährendem Verlust, bis hin zur Entfremdung der Frau von Kindern und Enkelkindern. Von Illusionen erzählt sie und was passiert, wenn sie platzen. Die 600 Besucher im ausverkauften Atrium des Cusanus-Gymnasiums lauschten hochkonzentriert der Lesung, schwiegen betroffen oder lachten laut mit.

Starker Schlussapplaus würdigte die eindringliche Lesung. Das folgende Gespräch bezog das Publikum mit ein. Es umkreiste zunächst den Band „Sommerlügen“ mit der Frage nach der Entstehungsgeschichte des Buches oder der auffallenden Gestaltung der Männer- und Frauenfiguren. Ob der Welterfolg „Der Vorleser“ das Schreiben eher erleichtere oder beschwere. Was er von der Literaturkritik halte, die den „Vorleser“ zunächst euphorisch gelobt, dann zunehmend negativ eingeschätzt habe. Wie ein hochkarätiger Jurist zum Erzählen komme. Ob es eine Fortsetzung der Selbs-Trilogie geben werde.

Eine Schülerin stellte Fragen zum Thema „Schuld“ in der Schullektüre „Der Vorleser“. Hochkonzentriert und ergiebig beantwortete Schlink alle Fragen. Beim Signieren wollte die Leserschlange kaum enden. Geduldig signierte Schlink Buch und Buch.
Für viele Festivalleser hatte sich an diesem Abend ein Traum erfüllt: einmal den großen Erzähler Bernhard Schlink live in der Eifel erleben zu können.

Wittlich Bürgermeister Rodenkirch hatte die Gäste begrüßt und die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Festival unterstrichen. Organisator Josef Zierden hatte Bernhard Schlink „scheues Reh im Lesungswald“ begrüßt. Er adele mit seiner Lesung in Wittlich die Eifel.  

- Artikel aus Eifelzeitung 22. KW 2012 -

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