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WEGE-Prozess in der Verbandsgemeinde Daun

- 30.05.2012 -

Wie in vielen anderen ländlichen Kommunen und Regionen steht auch die Verbandsgemeinde Daun vor der Frage, wie sie auf den gesellschaftlichen, insbesondere den demographischen Wandel, reagieren kann und stellt sich deshalb mit dem WEGE-Prozess den demographischen Herausforderungen. Aufgrund dessen wurde im August 2010 der WEGE-Prozess gestartet. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte die erarbeitete und von der Kommunalpolitik verabschiedete demographiesensible Strategie für die Verbandsgemeinde Daun und ihre Ortsgemeinden sukzessive mit Leben gefüllt werden.

Es gibt bereits vielfältige Aktivitäten und Projekte, die sich inhaltlich der Strategie zuordnen lassen. Beispielhaft zu nennen sind hier das Projekt zur Förderung der Dorfinnenentwicklung (DIE) in Kooperation mit den Verbandsgemeinden Gerolstein, Kelberg und Ulmen, das Projekt der Ortsgemeinde Meisburg: Leben im Alter in Meisburg, das Projekt MORO – Erarbeitung einer Regionalstrategie Daseinsvorsorge für die Verbandsgemeinde Daun oder aber die Gründung des Vereins Bürger für Bürger e.V. Dies ist nur eine kleine Auswahl. An Ideen auf Ebene unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure mangelt es nicht. Weitere Projektaktivitäten werden ebenfalls durch den WEGE-Prozess ausgelöst bzw. befinden sich derzeit in Vorbereitung und stehen im Einklang mit der WEGE-Vision: In der Verbandsgemeinde Daun leben – in einer gesunden Welt zu Hause. Lebenswert gesunder Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsstandort.

Für einen noch nicht einmal zwei Jahre andauernden Prozess können der begonnene Bewusstseinswandel, die Erarbeitung einer demographiesensiblen Entwicklungsstrategie und die vielfältigen begonnenen und geplanten Projekte und Initiativen als Erfolg gewertet werden. Um einen Einblick von den Vor-Ort-Akteuren zu erhalten hat das WEGE-Büro, Frau Helten, das nachstehende Interview mit Herrn Matthias Schoden, Vorsitzender des Üdersdorfer Junggesellenvereins, geführt.

WEGE-Büro: Herr Schoden, Sie interessieren sich für den WEGE-Prozess in der Verbandsgemeinde Daun. Was hat Sie auf ihn aufmerksam gemacht?
Schoden:
Zum ersten Mal aufmerksam wurde ich durch die Vorstellung des WEGE-Prozesses in unserer Ortsgemeinde. Hinzu kommt die Verbreitung in der Presse, wie z. B. im Mitteilungsblatt.

WEGE-Büro: Wie ist für Sie als junger Mensch die Sicht auf die Zukunft unserer Dörfer?
Schoden:
Die Tendenz, dass die jungen Menschen immer häufiger aus den Dörfern wegziehen, ist nicht von der Hand zu weisen. Viele junge Menschen zieht es in die Städte aufgrund von besseren Arbeitsperspektiven und größeren Angeboten an Freizeitgestaltung. Aber ich bin optimistisch, dass mit verschiedenen Maßnahmen, wie z. B. dem WEGE-Prozess, dieser Entwicklung Einhalt geboten werden kann. Die Miteinbindung junger Menschen in das Dorfleben ist ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, diesen Menschen den Verbleib in ihren Heimatdörfern schmackhaft zu machen.

WEGE-Büro: Wie ist Ihre Einstellung generell zur Fragedes demographischen Wandels?
Schoden:
Der demographische Wandel basiert ja auf Zahlen und ist ein Faktum unserer Gesellschaft. Die Auswirkungen sind natürlich auch im Dorfleben spürbar. Dem entgegenzuwirken ist ein schwieriges Unterfangen. Weniger junge Menschen bedeuten auch weniger Zuwachs in unserem gemeinnützigen Verein und das erschwert natürlich unsere Arbeit.

WEGE-Büro: Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Heimatorts Üdersdorf und generell der Dörfer in der Verbandsgemeinde Daun?
Schoden:
Eine Vorschau auf die Zukunft ist schwierig, weil viele Faktoren für eine positive Entwicklung zusammen kommen müssen. Hier ist natürlich nicht nur unser Verein gefragt, sondern die Vereine des Dorfs generell und die Arbeit der Ortsgemeinde. Um die Zukunft aussichtsreich zu gestalten, müssen die Ortsgemeinde und die Vereine eng zusammen arbeiten und das Wohl der Ortsgemeinde als Ziel im Auge haben. Das gilt sicher generell für die Dörfer unserer Verbandsgemeinde.

WEGE-Büro: Sie sind Vorsitzender des Junggesellenvereins Üdersdorf. Welche Rolle spielen die Vereine, was leistet der Junggesellenverein Üdersdorf für das dörfliche und nachbarschaftliche Leben?
Schoden:
Als gemeinnütziger Verein engagieren wir uns in vielen Bereichen des dörflichen Zusammenlebens. Die Brauchtumspflege ist dabei ein wichtiger Faktor und beinhaltet das Aufstellen des Maibaums, die Winteraustreibung durch ein Feuer auf der Aaley, das Schleifen an Polterabenden und das Stellen eines Nikolauses. Weiterhin führen wir zwei Disco-Veranstaltungen besonders für junge Leute sowie ein großes Dorffest für Jung und Alt durch. Wir unterstützen das Rote Kreuz durch Hilfe bei Blutspendeveranstaltungen sowie die Durchführung der Altkleidersammlung in Üdersdorf und Umgebung. Teile der Einnahmen aus unseren Veranstaltungen spenden wir an Institutionen des Dorfes, wie z. B. an den Kindergarten und die Kirche. Diese große Palette an Aktivitäten ist für mich keine Selbstverständlichkeit und beansprucht einen großen Teil der Freizeitplanung. Generell spielen alle Vereine des Dorfes eine große Rolle, da sie Aufgaben innerhalb der Dorfgemeinschaft übernehmen.

WEGE-Büro: Was ist Ihre Motivation für diese Aktivitäten?
Schoden:
Die Zusammenarbeit mit Freunden und dazu beitragen zu können, die Dorfgemeinschaft aufrecht zu erhalten und zu stärken.

WEGE-Büro: Werden Sie dabei von Mitgliedern des Vereins und anderen unterstützt?
Schoden:
Der Zusammenhalt in unserem Verein ist großartig. Egal bei welcher Unternehmung, es finden sich immer viele Vereinsmitglieder zusammen und das macht auch den Spass daran aus. Natürlich muss dabei auch immer eine Richtung vorgegeben werden, damit alle mit verschiedenen Aufgaben auf ein Ziel hin arbeiten können. Das gelingt uns recht gut, nicht zuletzt, da unser Vorstand aus einem Freundeskreis besteht, der einfach wirkungsvoll zusammen arbeitet. Weiterhin herrscht ein reger Austausch mit den anderen Vereinen, da bei den verschiedenen Festen gegenseitig das Personal gestellt und ausgeholfen wird, wo es geht. Die Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde allerdings ist noch ausbaufähig. Bei unseren zahlreichen Aktivitäten entstehen schon mal Unstimmigkeiten, die besser geklärt werden können und müssen, um weiterhin diese große Palette abdecken zu können.

WEGE-Büro: Sehen Sie eine Möglichkeit, die Vereinsaktivitäten des Junggesellenvereins stärker auszudehnen?
Schoden: Eine Ausdehnung unserer Aktivitäten erscheint mir nicht mehr möglich, da wir bereits jetzt schon fast jedes Wochenende mit unserem Verein unterwegs sind und wir ständig in der Planung für bevorstehende Aktivitäten sind.

WEGE-Büro: Wie könnten aus Ihrer Sicht die Ortsgemeinden den WEGE-Prozess generell stärker befördern? Sind Chancen damit verbunden?

Schoden: Für die Zukunft gut aufgestellt zu sein bedeutet immer, die jungen Menschen in das soziale Leben in den Dörfern und Städten mit einzubeziehen. Das alleine verhindert zwar noch nicht den beruflich bedingten Weggang aus der Heimat, ist aber sicherlich ein Teilaspekt in den Überlegungen vieler junger Menschen. Letztendlich bestehen große Chancen, mit diesem Prozess auf eine positive Zukunft für die Verbandsgemeinde Daun hin zu arbeiten, jedoch kann dieses Unterfangen flächendeckend nur dann gelingen, wenn die Jugend generell stärker mit einbezogen wird.

Herrn Matthias Schoden ein herzliches Dankeschön für die Bereitschaft das Interview mit dem WEGE-Büro zu führen. 
 

- Artikel aus Eifelzeitung 22. KW 2012 -

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