Verfallsdatum am Nürburgring schon überschritten?
- 27.06.2012 -
Nürburgring. Am 7. Juli 2009 wurden die „Nürburgring-Prachtbauten“ des neuen Freizeit- und Geschäftszentrums anlässlich des Formel1-Wochenendes in einer pompösen Eröffnungsfeier mit Promi-Stargast Boris Becker und Familie (von 500.000 Euro Gage war die Rede), von Ministerpräsident Kurt Beck, zahlreich erschienener Politprominenz und den am Bau beteiligten Firmen feierlich eröffnet.
Heute, fast auf den Tag, drei Jahre später, könnte man als aufmerksamer Betrachter meinen, die Nürburgring-Neubauten haben ihr Verfallsdatum bereits überschritten. Ein gewisser „Zerfall“ zeigt sich fast überall an den „Neubauten“. Jeder „normale“ Vermieter hätte seinem Mieter längst die Leviten gelesen, bzw gekündigt. Manche Zerfallserscheinungen dürften aber auch auf Baumängel zurückzuführen sein. Da sei die Frage erlaubt: Gab es keine Bauendabnahme? Wann endete die Gewährleistungsfrist?
Normalerweise wird bei der Bauabnahme ein Protokoll erstellt, in dem alle Baumängel festgehalten werden. Daraufhin wird normalerweise der Unternehmer aufgefordert, sie in angemessener Frist zu beseitigen. Mängel, die erst nach der Bauabnahme auftreten oder sichtbar werden, unterliegen in der Regel der Gewährleistung, die bei einem Vertrag nach der Verdingungsordnung für Bauleistungen ( VOB ) nach zwei Jahren verjähren, bei einem Vertrag nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nach fünf Jahren. Ob am Nürburgring europäische Richtlinien greifen, ist nicht bekannt. Fakt ist, viele der am Bau beteiligten Firmen waren Österreicher.
Hat das Land die „Neubauten“ am Nürburgring etwa schon aufgegeben? Zur Erinnerung: über 500 Millionen Euro Steuergelder hat die damalige SPD-Regierung dort ausgegeben. Die landeseigenen Nürburgring GmbH als Vermieter sitzt mitten drin im Geschehen. Sieht denn niemand von den Herrschaften, wie überall das Unkraut aus den Pflastersteinen wächst. Die Außenfassaden sind an vielen Stellen dem Zerfall nahe. Der Beton bröselt vor sich hin. An der Achterbahn macht sich überall der Rost breit. Kümmert sich denn niemand um diesen Zerfall? Der Schaden durch „Nichtstun“ wird von Tag zu Tag größer. Herr Ministerpräsident Beck! – wann reagieren Sie? Es ist eine Schande, wie mit öffentlichen Bauten am Nürburgring umgegangen wird!
Seit mindestens einem Jahr fristet der teure Kletterpark bei Wind und Wetter sein Dasein vor der Tür. Geplant als Indoor-Kletterpark hat er im Ring-Boulevard wenigstens ab und zu Benutzer angelockt. Draußen vor der Tür steht das Ding verwaist und verschlossen herum. Veranstaltungen in der Mehrzweckhalle mit etwa 3500 Sitzplätzen: Fehlanzeige! Im „Grüne Hölle“ Dorf ist der Fanartikelshop geschlossen.
Die zwei angrenzenden Restaurants (Nürburger Brauhaus und Steakhaus) sind geschlossen. Selbst der Imbiss auf der gegenüberliegenden Seite ist geschlossen. Wenigstens ein Restaurant (Langstreckenbar) hat geöffnet. Gäste dort: Fehlanzeige! Man muss sich wundern, dass wenigstens noch Klopapier in Toiletten hängt.
Der Ringboulevard dient mittlerweile als Abstellplatz für Imbissbuden. Vom Flair einer Flaniermeile ist dort jedenfalls keine Spur.
Nur noch wenige Mieter halten ihre Läden geöffnet, selbstverständlich nur bei Rennveranstaltungen. Ausgerechnet der Nürburgring-Fanartikelshop gegenüber des verschlossenen Nürburgring-VIP-Centers im Boulevard ist geschlossen. Wohlgemerkt alles samstags am 23. Juni 2012 während einer Rennsportveranstaltung.
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