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DIE APP-MACHER AUS WENGEROHR

Breitbandig mit dem Internet verbandelt ist die Schreinerei Drautzburg natürlich schon lange. Doch in Sachen Mobiles Internet und Bestückung von Smartphones mit ihren Produkten sind die Innenausbauer aus Wittlich mit Sicherheit die Ersten – und das sogar auf Chinesisch!

- 08.08.2012 -
Joachim Drautzburg (li.) und Sebastian Becker (re.)
Joachim Drautzburg (li.) und Sebastian Becker (re.)
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Wengerohr. „Wir hatten schon immer innovative Ideen.“ Joachim Drautzburg muss schmunzeln, wenn er an den Werdegang seines Betriebes denkt. Das hier einiges ganz anders ist als in anderen Schreinereien, wird einem schon nach den ersten zehn Minuten klar.

Küchen als Startschuss

Joachim Drautzburg und Sebastian Becker empfangen gern Gäste in ihren imposanten Fertigungshallen mit dem hochmodernen Maschinenpark. „Ich habe den Betrieb 1991 gegründet“, erzählt Joachim Drautzburg. Und gleich gegen den Mainstream losgelegt: „Wir haben Küchen gebaut, als die große Masse an Kunden noch ins Küchenstudio gerannt ist.“

Maßanfertigung und gute Preise – der Betrieb brummte. Drautzburg investierte, schaffte sich als einer der ersten Schreiner überhaupt hochmoderne CNC- und Fertigungsanlagen an. „Damit habe ich die Grundlage geschaffen.“ Drautzburg bewies Mut und Weitsicht. „Ich habe mich mit meiner kleinen Firma auch an große Objekteinrichtungen getraut.“ Der Objektbau ist denn auch die Stärke der Rheinland-Pfälzer, namhafte Adressen im In- und Ausland zieren heute die Referenzliste.

Luxemburg als Zwischenziel

Bereits vor zehn Jahren dehnte sich Drautzburg dann Richtung Westen aus, überschritt die Landesgrenze nach Luxemburg. Damals absolutes Neuland für deutsche Betriebe, heute ein wichtiges Standbein der Schreinerei. „Es hat gedauert, bis wir dort Fuß gefasst haben. Aber heute bauen wir dort mit unserer eigens gegründeten Firma im Objektbau, von Schulen über Krankenhäuser bis hin zu Wohnheimen.“

Wer jetzt glaubt, es müsse bei so viel Aufgaben von Mitarbeitern nur so wimmeln, der wundert sich über die leeren Hallen. Betriebsurlaub? Zum einen ist gerade ein Großauftrag abgewickelt und ausgeliefert. Zum anderen erklärt Sebastian Becker: „Wir arbeiten extrem organisiert und mit modernsten Maschinen.“ Und da bei großen Aufträgen häufig freie Mitarbeiter zum Einsatz kommen und Drautzburg und Becker in die Arbeitsvorbereitung viel Aufwand stecken, kann man hier momentan Versteck spielen.

Geschäftsmodell Partnerschaft

Sebastian Becker betreut den Bereich Privatkunden. Von Beratung über Aufmaß bis Produktion und Aufbau arbeitet er in eigener Regie. „Herr Becker war der beste Lehrling, den wir je hatten“, schildert Schreinermeister Drautzburg einen der Beweggründe, den Mann trotz seiner nur 29 Lenze zum Teilhaber zu machen.

Die Holz-App

Der andere wird klar, wenn Becker von seiner Holz-App erzählt: Der Schreiner steht seinem älteren Partner in Sachen Kreativität in nichts nach. Nach der Ausbildung zum Holztechniker angelte sich Joachim Drautzburg seinen Musterschüler gleich wieder. Doch der junge Mann hatte klare Vorstellungen: „Ich möchte nicht mein Leben lang angestellt sein, möchte meine eigenen Entscheidungen treffen.“ Passt, dachte sich Drautzburg und übertrug Becker nicht nur eine Teilhaberschaft in der dafür ins Leben gerufenen „Drautzburg KG“, sondern auch die Verantwortung für den Privatkundenbereich. „Der war bei dem ganzen Objektgeschäft zu kurz gekommen.“

China im Visier

Doch wie kommt ein Handwerker dazu, sich mit Apps herumzuschlagen? „Ich hatte Informatik als Leistungsfach“, stellt Becker klar. „Und damit ein Grundverständnis für die App-Entwicklung.“ Bei Drautzburg stößt der kreative Kopf auf offene Türen. Die Holz-App entstand, um Kunden im Beratungsgespräch auch ohne schwere Musterbücher einen ersten Eindruck von Möbel und Oberfläche zu geben.
Entwickelt für das iPhone oder das iPad, zeigt die App Holzmuster, liefert Infos zu den Holzarten und hält eine Galerie mit Anwendungsbeispielen parat. „Im Hinterkopf hatten wir bei der App natürlich den Werbeeffekt für unsere Schreinerei. Doch die Downloads haben uns überzeugt, dass wir eine Marktlücke entdeckt haben.“  Bereits nach wenigen Wochen war die App tausendfach heruntergeladen worden. Und da das Programm auch gleich in Englisch und Chinesisch mit angeboten wird, bleibt die Kundschaft nicht nur auf den deutschen Sprachraum beschränkt: „Die meisten Downloads haben wir der Reihe nach in Deutschland, China, der Schweiz und Österreich.“

Kreativität reloaded

Becker und Drautzburg sind mit ihrer App noch lange nicht am Ende: „Wir wollen die Holz- zur Muster-App entwickeln und komplette Kollektionen von Herstellern und Holzhändlern einbinden.“ Kaindl, Glunz und Wodego sind mit ersten Mustern dabei, auch die RAL-Farbpalette wird im nächsten Update eingebunden. Sogar Werbung ist für potenzielle Industriekunden möglich.

Und während sich die Holz-App zum echten Werkzeug entwickelt, tüftelten Becker und Drautzburg bereits am nächsten elektronischen Helferlein für Smartphone und Co: Die neue App heißt iMöbel und ist bereits verfügbar. Mit iMöbel wollen sich die Beiden dem Thema Möbel annehmen. Damit nutzen die Wengerohrer eine Möglichkeit der Werbung, die sich so leicht nicht nachahmen lässt und die den Kunden, ob Objekt- oder Privatbereich, klar signalisiert, dass in Wittlich eine ungewöhnlich innovative Schreinerei ihr Zuhause hat. Link zu iMöbel:  http://itunes.apple.com/de/app/im%C3%B6bel/id499503481.

Quelle: Fachmagazin „Genau“, www.holzhelden.de

- Artikel aus Eifelzeitung 32. KW 2012 -

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