Mit Hänneschen in die Weihnachtszeit

Gerolstein. Mehr Anmeldungen als freie Plätze: Bei Nicole Raskopp, Verantwortliche bei den Ambulanten Diensten Westeifel (ADWE) in Gerolstein, herrscht im Moment großer Andrang. Viele ihrer Klienten mit geistiger Behinderung wollen unbedingt mit zum Winter-Event auf die Burg Dreis, zu dem der Burgherr Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz eingeladen hat.

Ganzjährig bieten die Ambulanten Dienste der Westeifel Werke Aktivitäten an, die Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit geben, besser am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben zu können. Als Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz sich vor einigen Monaten an die Westeifel Werke wandte und schon gleich eine Einladung für 45 Gäste zu einem weihnachtlichen Burgennachmittag mit Kaffee und Kuchen mit im Gepäck hatte, war die Begeisterung in der Gerolsteiner Werkstatt sofort groß. Doch damit nicht genug, denn der Burgherr wartete zusätzlich mit einem ganz besonderen Highlight auf. Eine Abordnung aus dem weltbekannten Kölner „Hänneschen-Theater“ wird exklusiv für die Mitarbeiter der anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) eine Aufführung spielen.

Die ADWE gibt es seit acht Jahren. Auch wenn nicht ständig so außergewöhnliche Veranstaltungen wie auf der Burg Dreis angeboten werden können, die Nachfrage zum Programm ist ungebrochen. Zahlreiche Teilnehmer gibt es bei Tagesausflügen oder Ferienfreizeiten. Eine Besichtigung des Flughafens Köln-Bonn stand in diesem Jahr zum Beispiel auf dem Programm, oder ein Besuch im Filmstudio der Serie „Unter uns“, Kinobesuche, Bowlingnachmittage usw. gehören ebenfalls dazu. Ehrenamtliche Betreuer ergänzen die Teams und begleiten die Touren mit Begeisterung.

Mit Bildungsangeboten wie Computerkursen oder Kochunterricht unterstützen die Ambulanten Dienste ihre Klienten zusätzlich darin, neue Fähigkeiten zu erlernen und vorhandene Kenntnisse zu vertiefen. „Ziel ist es, unseren Klienten ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu ermöglichen“, sagt Hermann Dahm, Prokurist der Westeifel Werke. „Dazu gehören kulturelle Veranstaltungen, ebenso wie die Aufgabenbewältigung im alltäglichen Leben.“
Die Angebote der ADWE stehen vorrangig Menschen mit Behinderung im Landkreis Vulkaneifel und Eifelkreis Bitburg-Prüm offen, die noch zu Hause in der Familie leben. In Prüm findet zusätzlich regelmäßig samstags der „offene Freizeittreff“ statt, zu dem sich jeder anmelden kann. Das Angebot des Freizeittreffs besteht aus Aktionstagen, an denen zum Beispiel Marmelade gekocht oder, passend zur aktuellen Jahreszeit, Weihnachtsplätzchen gebacken werden. Auch entspannte Stadtbummel oder Shoppingtage gehören dazu. Für den Treff gibt es einen Fahrdienst von Gerolstein und Bitburg aus.

Das Programm des ADWE steht generell unter dem Gedanken des „Familienentlastenden Dienstes“, bei dem Eltern und Familien bei der Betreuung der geistig behinderten Erwachsenen im häuslichen Umfeld unterstützt werden. „Besonders bei Eltern und Familienangehörigen, die selbst im hohen Alter sind, kann die zeitintensive Betreuung mitunter sehr belastend sein. Ein Ausgleich ist enorm wichtig.“ so Nicole Raskopp, Leiterin des ADWE. Dank Tagesausflügen und Maßnahmen wie dem Freizeittreff haben Familien die Chance, auch unbesorgt einmal ihre eigenen Dinge zu erledigen.

Umso schöner ist es dann, wenn ihre Angehörigen im Advent begeistert wieder nach Hause kommen und von einem weihnachtlichen Nachmittag berichten, zu dem sie ganz persönlich vom Burgherrn in den Rittersaal eingeladen wurden.

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