Leopold Philipp Herzog von Arenberg

Kaiserlicher Feldmarschall aus Eifler Adelsfamilie

Das katholische Adelsgeschlecht der Herzöge von Arenberg gehört zu den vornehmsten Familien mit einem dynastischen Ursprung in der Eifel. Stammsitz der später mit den Habsburgern verbundenen Arenberger war die mittelalterliche Höhenburg Aremberg zwischen Blankenheim und Adenau. Von dieser Befestigung aus beherrschten sie jahrhundertelang die reichsunmittelbare Herrschaft Arenberg. Als das Geschlecht in der erbberechtigten Manneslinie ausstarb, kam es durch Heirat an die Familie von der Marck. Mehrere Generationen danach wiederholte sich diese Situation: Durch die Heirat der Erbtochter Margarethe von der Marck-Arenberg mit Baron Johann von Ligne (1525-1568) entstand die neue Linie Ligne-Arenberg, der 1644 der Herzogstitel verliehen wurde. Die Arenberger verlagerten den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten nach Belgien und gestalteten das Geschehen von den südlichen Niederlanden bis in die Eifel führend mit. Leopold Philipp von Arenberg kam als direkter Nachfahre von Johann von Ligne und Margarethe im Jahr 1690 in Mons zur Welt. Sein Vater, Herzog Philipp Karl Franz von Arenberg (1693-1691), war früh Soldat geworden und hatte bereits als Jugendlicher ein Regiment kommandiert. In den Feldzügen gegen die Türken diente er als Oberstfeldwachtmeister im kaiserlichen Heer und starb, noch nicht dreißigjährig, an den Folgen einer Verwundung aus der Schlacht beim Dorf Slankamen im Serbisch-Banater Grenzgebiet, wo die Kaiserlichen ein mächtiges osmanisches Heer besiegten. Leopolds Mutter Maria Henriette von Alcaretto (1671-1744) entstammte italienischem und deutschem Adel; zu ihren Vorfahren gehörte auch die sehr wohlhabende Augsburger Handelsfamilie Fugger. Leopold Philipp begann seine eigene Militärkarriere in ähnlich frühem Alter wie sein Vater. Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte nicht einmal dessen kurzes Lebensalter erreicht: In der Schlacht bei Malpiquet, an der er 19-jährig teilnahm, wurde er schwer verwundet. Nach Genesung setzte er seine Kriegsdienste im gleichen ungarisch-balkanischen Raum und gegen den gleichen osmanischen Feind fort, gegen den schon sein Vater gekämpft hatte. Nachdem er sich in mehreren Schlacht im Rang eines k.k. Generalmajors eindrucksvoll bewährt hatte, trug der von ihm befehligte rechte Flügel der Infanterie durch kluge taktische Manöver zum Sieg über die Osmanen 1717 in der Schlacht von Belgrad bei; wie bei vielen anderen Kriegszügen, an denen Arenberg teilnahm, lag der militärische Oberbefehl beim Prinzen Eugen von Savoyen. Zu den Auszeichnungen und hohen Ämtern, die Herzog Arenberg im Lauf seines Lebens nicht zuletzt wegen seiner Erfolge als Feldherr erhielt, zählte das Amt des Gouverneurs in Mons, das ihm 1719 vom dankbaren Kaiser Karl VI. verliehen wurde. Glanzvolle Ehrungen waren auch die Aufnahme in die Grandeza de España, also die von Kaiser Karl V. im Jahr 1520 begründete höchste Klasse des spanischen Adels, sowie die Mitgliedschaft im sehr illustren Orden vom Goldenen Vlies.
Erneut in den Krieg zog Herzog Leopold Philipp 1733, als es wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem kaiserlichen Lager kam. In der Schlacht bei Bruchsal 1735 kommandierte Arenberg ein Korps, ein Jahr später erreichte er als kaiserlicher Feldmarschall und Generalissimus der Truppen in den südlichen Niederlanden seinen höchsten soldatischen Rang. Dem auch diplomatisch klug agierenden Herzog gelang es 1743, eine kriegswichtige Allianz zwischen England und Holland zu vermitteln. Als Oberkommandierender der österreichischen Truppen in der Schlacht von Dettingen am 27. Juni 1743 trug er mit der von ihm konzipierten klugen Aufstellung der Truppen – „die beste, die die Natur des Geländes zuließ“ (Samuel Boyse) – maßgeblich zum Sieg über die Franzosen bei. Trotz einer dabei erlittenen Brustverwundung kommandierte Arenberg im folgenden Jahr die alliierten Truppen in den spanischen Niederlanden gegen die dort vom brillanten Moritz von Sachsen geführten Franzosen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der weltzugewandte Herzog als Statthalter im Hennegau. In dieser Zeit festigte er seinen schon seit Jahrzehnten bestehenden Ruf als Freund und Förderer von Musikern, Künstlern und Intellektuellen. Arenberg unterstützte den Philosophen Rousseau mit beträchtlichen Geldbeträgen und stand auch mit Voltaire in persönlichem Kontakt. Erst vor wenigen Jahren wurde das außerordentliche Ausmaß seiner Musiksammlung bekannt, die wertvollste Handschriften und Erstdrucke der berühmtesten Komponisten seiner Zeit umfasst. Leopold Philipp verstarb im Jahr 1754 im prachtvollen Schloss Arenberg in der belgischen Stadt Löwen.
Bereits 1711 hatte der Herzog die Prinzessin Maria Francisca Pignatelli geheiratet und war Vater von sechs Kindern geworden. Eine Urenkelin von ihm war Amalie Luise von Arenberg, die Mutter des Bayern-Herzogs Max Joseph und Großmutter der Kaiserin und Königin Elisabeth („Sissi“) von Österreich-Ungarn (1837-1898). Diese Verwandtschaftsverhältnisse illustrieren noch einmal den dynastischen Aufstieg der einstigen Eifler Burgherren in die erste Reihe des europäischen Hochadels.

Verfasser: Gregor Brand

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