1. Corona-Ambulanz in Daun/Vulkaneifel gestartet – Umbauarbeiten und Einrichtung übers Wochenende geschafft!

Sichtlich stolz und glücklich dass die 1. Corona-Ambulanz in Betrieb innerhalb drei Tagen Umbauphase an den Start gehen kann. V.l.n.r. Landrat Heinz-Peter Thiel, Dr. med. CVarsten Schnieder und Amtsarzt Dr. Volker Schneiders

Daun. Am Dienstag, 24. März 2020 startete die „1. Corona-Ambulanz Vulkaneifel“ im HVZ Drs. Schnieder in der Abt.-Richard-Straße 2b in Daun ausschließlich für Corona-infizierte Patienten. Die ersten vierzehn COVID-19 Patienten sind am Dienstagabend bereiits behandelt worden.

Landrat Thiel im Vorfeld des Projektes: „Zeitgleich werden wir binnen 48 Std. im ehemaligen Steakhouse – welches uns Frau Gessner zur Verfügung stellt – als Kreisverwaltung Vulkaneifel in Kooperation mit Dr. Carsten Schnieder, unterstützt vom Messebau der Firma TechniSat, Firma Scharwat & Nake Gerolstein und dem A.R.T. die 1. Corona-Ambulanz in Rheinland-Pfalz ausschließlich für Corona-Patienten zur Entlastung des Krankenhauses Maria Hilf Daun im Gastronomiebereich und im rund 320qm großen Kegelbahnen-Areal aufbauen. Im Trocken- und Messemodulbau werden Umbauten, Böden, Empfang, hygienezertifizierte, separate Untersuchungsräume, Isolation in Einzelzimmern für infizierte Menschen, Ruhebereiche und Absicherungsoptionen durch Separation einzelner Patienten für die nächsten Monate bereitgestellt werden“.

Die guten Kontakte von Stadtbürgermeister Friedhelm Marder haben Wirkung für des spontane Projekt gezeigt.

Am späten Samstagvormittag, 21.03.2020 ging‘s dann tatsächlich los. Alois Sicken von der Bauabteilung der Kreisverwaltung übernahm die bautechnische Leitung. THW Daun war mit 12 Mann, einer Frau und schwerem Gerät vor Ort. Firma Heibges Bau kam von einer anderen Baustelle direkt zum Einsatzort in Daun. Schnell war der Durchbruch für einen Notausgang gestemmt, der neue Türsturz gesetzt. Fensterbau Scholzen aus Daun-Pützborn hat das Aufmaß für die Tür genommen, die am am Dienstag, 24.03.2020 gesetzt wird.  Während dessen hatte das THW-Team die Räumlichkeiten mit den drei Kegelbahnen sozusagen im Eiltempo entkernt.  A.R.T. aus Trier hatte einen 37 Kubikmeter-Container für den Abriss zur Verfügung gestellt.  Ein zweiter Container kam gegen Abend hinterher. Malerbetrieb Andreas Gierden hat im Anschluss mit seiner Arbeit begonnen und der Decke einen neuen Anstrich verpasst. Unterstützt wurde er am Sonntag von Firma Projekta aus Daun. Es wird Hand in Hand geschafft. Personal der Praxis Schnieder kümmerte sich um die Verpflegung der Helfer und übernahm administrative Tätigkeiten.

Landrat Thiel: „Was hier heute geleistet wurde, hat mich überwältigt! Mit wie viel Elan und Ehrgeiz, die Jungs und Mädels vom THW sowie alle anderen helfenden Hände hier ohne WENN und ABER angepackt haben – einfach klasse und begeisternd!“ Ein passendes Zitat von Dr. Carsten Schnieder zum Abschluss eines erfolgreichen Tages!

Thiel. „Überzeugt euch im Vorher-Nachher-Vergleich selbst, was UNSERE „Eifel-Helden“ für UNS VULKANEIFLER mit großem Enthusiasmus, Willenskraft, sozialem Engagement und jeder Menge Leidenschaft an diesem einen Tag erreicht haben!  Hut ab für diese Leistung!“

Großeinsatz auch am Sonntag

Am Sonntagmorgen hatten die Messebauer von TechniSat mit dem Verlegen des neuen Bodens begonnen. Mit dabei auch Firmenchef Jürgen Lenarz von Lenarz-Bau in Sarmersbach. Viele freiwillige Helfer, darunter auch vom MSC Daun, legten Hand an. Firma HS aus Ulmen kümmerte sich parallel um den neuen Wasseranschluß und Abfluss. Die Anschlüsse durften beim Frisör in direkter Nachbarschaft angeschlossen werden. Um die Stromversorgung kümmerte sich Elektro Kaiser aus Dockweiler. Schreiner Servatius aus Birresborn brachte an zahlreichen Stellen den Boden auf Niveau. Firma Minninger hatte notwendiges Baumaterial „just in time“ zur Baustelle geliefert. Bis Montagvormittag, 23.03.2020 musste alles soweit fertig sein, damit die Spezialfirma aus Hannover mit dem Ausbau der neun Behandlungsmodule starten können.

Mindestens 25 Handwerker aus den unterschiedlichsten Firmen und Sparten waren am Sonntag auf der Baustelle. Die Jungs setzten mit ihrem Eisatz ein Zeichen. So funktioniert die Vulkaneifel!  Hier der Link zur Fotogalerie : Umbau zur Corona-Ambulanz

Spontan am Projekt mitgewirkt haben nachfolgende Firmen und Organisationen:

THW Ortgruppe, Daun, Praxispersonal Dr. Schnieder, Heibges Bau, Niederstadtfeld, TechniSat, Daun, HS Sanitär, Ulmen, Malerbetieb Gierden, Schönbach, Malerbetrieb Tellbach, Daun, Lenarz Bau, Sarmersbach, Elektro Kaiser, Dockweiler, Fensterbau, Scholzen, Daun-Pützborn, Schreinerei Servatius Birresborn, Fliesenleger Schmitz, Schalkenmehren, Fa. Reufsteck, Daun, Fa. Scharwat & Nake, A.R.T. Trier, Minninger, Daun, Friseur Schmitz, Daun, Gasthaus Lenerz, Weiersbach, Bäckerei Utters, Daun, Metzgerei Zerfass, Daun, Medienservice Wirtz, Birresborn, Teppichbodenverleger Fairfloor, Siegburg, Messebauer Monschauer, Hannover, MSC Daun e.V.,  Stadt Daun, Kreisverwaltung Vulkaneifel und zahlreiche Privatpersonen Privatpersonen, die spontan und tatkräftig mitgewirkt haben.

Fertig zur Inbetriebnahe am Dienstag 16.00 Uhr

Dr. Carsten Schnieder kam aus dem Staunen kaum noch raus. Der Baufortschritt gewann immer mehr an Dynamik. Um 17.00 Uhr war die Baustelle besenrein! Der Teppichbodenverleger hatte am Montagmorgen rund 320 qm Vinylboden verlegt. Am Montagnachmittag begann der Aufbau für die  acht vorgesehenen Behandlungsmodule mit Nutzflächen von ca. 14 qm. Am Dienstagnachmittag, 24.03.2020 war der Aufbau abgeschlossen.

Im Anschluss folgten Grundreinigung, bevor die Behandlungsräume mit medizinischer Grundausstattung versorgt werden konnten. Die Abnahme von behördlicher Seite war dann reine Formsache.

Stadtbürgermeister Friedhelm Marder ergänzt, dass sozusagen in 48 Stunden Einsatz rund 1000 Kubikmeter Raum entkernt, etwa 320 qm Fußboden neu verlegt wurden und die gleiche Deckenfläche neue Farbe erhalten hat. Marder: „Wenn man weiß, wie die Räumlichkeit noch am Samstag ausgesehen hat, dann kann man nur den Hut ziehen vor allen tatkräftigen Helfern, die zum Gelingen in dieser kurzen Zeit beigetragen haben“.

30 positiv getestete Corona

Laut Amtsarzt Dr. Volker Schneiders hält sich die Zahl der positiv getesteten Personen mit 31 ((Stand 24.03.2020 – 15.00h) im überschaubaren Rahmen. Etwa 80 % aller Betroffenen haben gute Krankheitsverläufe mit nur schwachen Symptome. Niemand der Personen muss stationär behandelt werden.

Wir dürfen uns aber nichts vormachen, sagt Landrat Thiel. „Die Welle wird deutlich wachsen“. Thiel: Wir wollen vorsorglich den wachsenden Ansturm auf die beiden Krankenhäuser in Daun und Gerolstein und natürlich die im Kreis niedergelassenen Ärzte deutlich abfedern.

In der Region Gerolstein Hillesheim soll auch eine Corona-Ambulanz eingerichtet werden. Noch sei man auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie. Das ehemalige Calluna-Hotel in Gerolstein scheidet dafür aus, so Landrat Thiel. Er meint aber, dass man noch diese Woche einen Standort finden würde.

Corona-Ambulanz auch für die Arztkollegen und ihren Patienten aus dem Raum Daun, Manderscheid, Gerolstein

In der Dauner Corona Ambulanz können nach Einschätzung von Dr. Carsten Schnieder täglich etwa 300 – 400 Personen ambulant versorgt werden. Es findet in dieser Ambulanz ausschließlich fokussierte Medizin statt. Zunächst will Schnieder mit seinen Leuten aus dem HVZ Versorgungszentrum und freiwilligen Medizinstudenten die schon 10 Semester hinter sich haben, beginnen. Schnieder: „Wir bieten allen niedergelassen Arztkollegen die neue Infrastruktur für ihre eigenen Patienten an. Jeder Kollege kann somit seine eigenen Patienten in der neuen Ambulanz einbestellen und selbst abrechnen. Es gibt auch bereits ein sogenanntes Corona-Fahrzeug für Hausbesuche. Ziel und Zweck dieser Ambulanz ist es, so viel wie möglich Patienten vom Krankenhaus fernzuhalten. Die Indikation stellt in der Ambulanz immer der behandelnde Arzt“.

Mögliche Corona-Patienten können sich über Mail oder Telefon bei Ihrem jeweiligen Hausharzt melden und erhalten dann alle weiteren Instruktionen. Besuche im Krankenhaus sind derzeit absolut ausgeschlossen.

Dauner Krankenhaus reduziert Regelbetrieb und 60 %.

Das Dauner Krankenhaus hat seinen „Normalbetrieb deutlich reduziert, so Krankenhausdirektor Franz-Josef Jax. Das Patientenaufkommen in einer Notaufnahme ist nicht planbar. Deshalb kann es zur Überschreitung von Behandlungskapazitäten kommen, wodurch die Sicherheit von Patienten gefährdet werden könnte. Man hält bereits notwenige Intensivkapazitäten frei. Geplante Eingriffe wurden um etwa 60% reduziert.

Der ärztliche Direktor des Dauner Krankenhauses Dr. med. Sebastian Fürderer ergänzt, man habe noch keinen stationären Fall!. Momentan läuft das Dauner Krankenhaus auf Sparflamme in Bereitschaft. Es gibt fünf Beatmungsplätze. Im Katastrophenfall könnte man aus dem OP-Bereich weitere hinzuziehen. Weitere Beatmungsgeräte habe man über die Bundesregierung angefordert. Mit dem Gerolsteiner Krankenhaus hält man den Kontakt zu den Arztkollegen. Im Notfall sei man aus ärztlicher Sicht zum Austausch bereit. Die Entscheidung für solche einen Fall obliegt dennoch dem Krankenhausträger.

KV-Vorsitzender: Wir müssen den Ansturm auf die Krankenhäuser abfedern  

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Dr. Peter Heinz: „Wir haben diese neue Struktur angeregt. Die KV hat einen Sicherstellungsauftrag für die rund 7.000 Vertragsärzte und Therapeuten in Rheinland-Pfalz. Pro Landkreis eine Corona-Ambulanz sei das Ziel. Dort können auch Abstriche gemacht werden.  Man hoffe, dass man die Patienten im ambulanten Bereich halten und den Druck auf die Krankenhäuser abfedern kann. Mit einer Schwierigkeit rechnet Heinz jedoch. Die Krankenkassen müssen diesen außerordentlichen Aufwand finanzieren.  Heinz: „Es werden zähe Verhandlungen werden“.

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