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Der Maifisch kommt nach Rheinland-Pfalz

Umweltstaatssekretär Thomas Griese wilderte am vergagenen Freitag, 2. Juni 2017  gemeinsam mit Kindern vom Kindergarten St. Johannes Nepomuk eine neue Generation Maifische in Kripp am Rhein aus. „Seit diesem Jahr unterstützt Rheinland-Pfalz das länderübergreifende Projekt zur Rückkehr des Maifischs in den Rhein. Ich freue mich, dass diese seltene Fischart nun wieder in rheinland-pfälzischen Gewässern zu Hause ist“, sagte Griese. Die nur wenige Millimeter großen Fische sind Nachkommen von wilden Maifischen aus dem Fluss Garonne und stammen aus einer Zuchtanlage in Frankreich. „Mit dem Auswildern der Maifische in den Rhein wollen wir unseren Beitrag zur dauerhaften Rückkehr der Wanderfischart Maifisch in den Rhein und zur Biodiversitätsstrategie des Landes leisten“, so der Staatssekretär. „Hierfür haben wir mit dem traditionsreichen Fischerort Kripp an der Ahrmündung einen besonders symbolträchtigen Ort gewählt.“

Mit der heutigen Auswilderung der Maifische stiegen die Chancen, dass die Wiederansiedlungsmaßnahmen Früchte trügen und der Maifisch wieder zum festen Bestandteil der Fischarten des Rheins werde. Ein weiterer Erfolg des Projekts: Zurückkehrende Maifische pflanzen sich im Mittelrhein wieder natürlich fort. So wurden in begleitenden wissenschaftlichen Untersuchungen bei Koblenz Mitte Mai erstmals hunderte Maifische bei ihrer nächtlichen Hochzeit belauscht, die unter lautem Planschen auf überströmten Kiesbänken stattfand. „Dies ist ein Gewinn für die Artenvielfalt in unseren Gewässern, nachdem der Maifisch im Rhein ausgestorben war“, erklärte Griese.

Hintergrundinformationen:

Mit der Unterstützung des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums, des Bundesamtes für Umwelt der Schweiz und des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg sind seit diesem Jahr alle Rheinanlieger von der Quelle bis zur Mündung im Wiederansiedlungsprojekt vertreten. Initiator und Förderer der Wiederansiedlung des Maifischs im Rhein ist seit dem Jahr 2003 die HIT-Umweltstiftung aus Siegburg. Unter der Leitung von Nordrhein-Westfalen wurde das deutsch-französische Wiederansiedlungsprojekt bereits von 2007 bis 2015 mit europäischer Ko-Finanzierung und Unterstützung des hessischen Umweltministeriums, sowie des Rheinischen Fischereiverbandes, des Verbandes hessischer Fischer, der Rheinfischereigenossenschaft Nordrhein-Westfalen, der niederländischen Anglervereinigung Sportvisserij Nederland und der HIT-Umweltstiftung aus Siegburg realisiert.

In der neuen Programmphase, die vom Rheinischen Fischereiverband aus Nordrhein-Westfalen geleitet wird, geht es neben der Fortführung der Wiederansiedlungsmaßnahmen insbesondere um das Monitoring der Bestandsentwicklung des Maifischs im Rhein. Der ursprüngliche Maifischbestand im Rhein war aufgrund starker Überfischung, durch fortschreitende Zerstörung von Laichgebieten, Errichtung von Wanderungshindernissen und insbesondere durch die stark zunehmende Gewässerverschmutzung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollständig zurückgegangen. Als die Wasserqualität des Rheins – dank verstärkter Anstrengungen bei der Gewässerreinhaltung – wieder verbessert wurde, konnten ab 1978 immer wieder einzelne Maifische im Oberrhein nachgewiesen werden. Bis dahin wurden jedoch noch nie Hinweise auf eine natürliche Fortpflanzung der Fische im Rhein gefunden. Seit 2013 sind die Zahlen der Beobachtungen im Rhein sprunghaft angestiegen: Es sind vor allem zurückkehrende Maifische aus dem Meer, die einige Jahre zuvor als Larven im Rahmen des Maifischprojekts in Nordrhein-Westfalen und Hessen in den Rhein ausgesetzt worden waren. Funde von Jungfischen zeigen außerdem, dass sich die Fische tatsächlich zeitgleich im Rhein fortzupflanzen begannen und sich ein selbstständig erhaltender Bestand der Wanderfischart im Rhein entwickelt. Die Identifikation eines aktiven Laichplatzes und die Dokumentation umfangreicher Laichaktivitäten im Mittelrhein Mitte Mai 2017 – durch Wissenschaftler des Umweltcampus der Hochschule Trier – ist als Meilenstein auf dem Weg zur dauerhaften Etablierung des Maifischs im Rhein zu werten. In den nächsten Jahren soll diese positive Entwicklung noch durch begleitende Besatzmaßnahmen gestützt werden.

Der zu den Heringsartigen zählende Maifisch (Alosa alosa) bewohnt europäische Küstengewässer und wächst dort bis zu einer Körperlänge von rund 70 cm heran. Maifische wandern in den Frühjahrsmonaten zum Laichen weit die Zuflüsse hinauf. Dort pflanzen sie sich nachts in rasch durchströmten Strecken mit kiesigem Untergrund fort. Die Jungfische wandern noch in den ersten Lebensmonaten ins Meer ab, wo sie zur Geschlechtsreife heranwachsen und nach drei bis fünf Jahren zwischen April und Juni in den Rhein zum Laichen zurückkehren. Noch vor hundert Jahren stiegen Maifische in großen Schwärmen den Rhein bis weit über Basel hinauf. Sie wurden im Frühjahr häufig in vielen Rheinzuflüssen gefangen und bildeten eine wichtige Grundlage für die Berufsfischerei.

EAZ Eifel-Zeitung – Regionale Nachrichten aus Eifel und Mosel der Landkreise Vulkaneifel, Daun, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Ahrweiler-Adenau, aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Polizei und Sport.