Die beste Nachwuchshandwerkerin Luxemburgs

Bernott arbeitet nun in der Buchbinderei der Stadt Luxemburg. Foto: Jan Söfjer / Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg

Vanessa Bernott weiß erst mit Ende 20, was sie mit ihrem Leben machen möchte. Nun wurde die Buchbinderin als bester Lehrling des luxemburgischen Handwerks ausgezeichnet.

Noch bevor Vanessa Bernott ihr Abitur macht, stirbt ihr Vater. Es wirft sie komplett aus der Bahn. Für viele Jahre zieht sie sich zurück, bleibt zu Hause bei der Mutter. Und auch, als sich ihr Leben wieder fängt, weiß sie nicht, was sie damit anfangen soll. Bis eine unscheinbare Broschüre alles ändert. 2015 stößt Bernott auf ein Kursprogramm des Clubhauses am Brill in Capellen. Der pensionierte Buchbindermeister Alphonse Hirtz gibt dort Einblicke in sein Handwerk. Bernott schreibt sich in den Kurs ein und besucht ihn ein Jahr lang, ein bis zwei Mal die Woche. „Es hat mir sehr gut gefallen. Ich habe immer schon gerne etwas mit meinen Händen gemacht“, sagt die heute 32-Jährige aus dem luxemburgischen Steinfort. Ihr gefällt, dass sie sich dabei auch künstlerisch ausdrücken kann, etwa indem sie Einbände gestaltet. Sie hat ihre Berufung gefunden. Aber noch keinen Ausbildungsplatz. Ihr Mentor Hirtz hilft, aber es gibt nicht viele Buchbindereien in Luxemburg und noch weniger Lehrbetriebe. Bernott möchte zudem nicht in die Industrie. Viele Buchbinder arbeiten heute als Medientechnologen in der Druckverarbeitung. „Ich wollte aber nicht an Maschinen sitzen, sondern im Handwerk arbeiten“, sagt Bernott.

Trotz aller Suche findet sie keinen Ausbildungsbetrieb. Alphonse Hirtz ist enttäuscht, dass ein, wie er findet, so begabter junger Mensch, nicht den Beruf erlernen kann, dem er selber sein Leben gewidmet hat. Der alte Buchbindermeister nimmt die Dinge selber in die Hand, kehrt aus der Pension zurück, meldet einen Lehrbetrieb an und übernimmt persönlich die Ausbildung von Vanessa Bernott in seinem Atelier daheim.

Die Berufsschule besucht sie am „Lycée Arts et Métiers“ in Luxemburg-Limpertsberg. Die Ausbildung dort ist besonders. Seit 2010 werden dort auf Initiative von Buchbindermeister Edy Willems nicht nur die Buchbinder-Auszubildenden aus Luxemburg, sondern auch aus Deutschland (aus der Region Trier) theoretisch und praktisch unterrichtet. Seit 2016 erhalten die Auszubildenden sowohl das luxemburgische Berufsdiplom von der Chambre des Métiers als auch den deutschen Gesellenbrief von der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg. Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit gibt es in dieser Form nur bei den Buchbindern.

Vergangenen Mai erfährt Bernott, dass die Buchbinderei der Stadt Luxemburg eine Stelle nachbesetzt. Hirtz legt ein gutes Wort für sie ein und sie bekommt den Job. Sie beendet dort ihre Ausbildung und wird direkt übernommen. Als erste Aufgabe entwirft sie einen Schuber für das Kondolenzbuch für den verstorbenen Großherzog Jean. Dabei schneidet sie Kartonstücke zu, überzieht sie außen mit Leder und innen mit Samt.

Bernott (zweite von rechts) erhielt nicht nur das luxemburgische Berufsdiplom, sondern auch den deutschen Gesellenbrief – eine Besonderheit in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Buchbinder. Foto: Sophie Margue / Chambre des Métiers

Ende November wurde Vanessa Bernott bei der Diplomfeier der Chambre des Métiers vom Rotary Club Esch Bassin Minier unter 220 Absolventen als bester Lehrling im luxemburgischen Handwerk ausgezeichnet – und erhielt 1500 Euro Preisgeld. Premier Xavier Bettel und Bildungsminister Claude Meisch gratulierten.

Besonders Bernotts Gesellenstück hat den deutsch-luxemburgischen Prüfungsausschuss überzeugt, ein sogenannter Halbfranzband, bei dem der Buchblock mit Schnüren fest mit dem Deckel verbunden wird. Das Buch erhält dadurch eine glatte, geschlossene Optik ohne sichtbare Falzrille. „Es ist eine sehr stabile Bindung, die man industriell nicht herstellen kann“, sagt Bernott. Hans Ollinger, Mitglied des Prüfungsausschusses und Obermeister der Buchbinder-Innung für den Regierungsbezirk Trier sagt: „Das ist eine spezielle Technik, die ziemlich schwierig und zeitintensiv ist. Vanessa Bernott hat das  sehr präzise und gut gemacht.“ Den Titel hat sie goldfarben auf den Buchrücken geprägt: „Systematisches Lehr- und Handbuch der Buchbinderei“ – von 1884.

„Mit dem Abitur wird man eher dazu getrieben, auf die Universität zu gehen und hinter Büchern zu sitzen. Aber das war nie meins“, sagt Bernott. Sie arbeitet lieber mit ihren Händen an Büchern. Ihr „Traumberuf“.

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