Kundgebung zur aktuellen Situation am 1. Juni auf dem Neuen Marktplatz in Bad Birnbach

Wenn die Rottaler auf die Straße gehen, muss viel passiert sein. Zuletzt gab es das Anfang der 80er-Jahre in jener Dimension, die sich nun am Pfingstmontag abspielen soll. Noch nicht einmal die „Friday-for-future-Bewegung“ konnte in der Region einen ähnlichen Auflauf verursachen. Hintergrund: Die Rottaler sehen sich in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, obwohl in unmittelbarer Nähe ganz andere Verhältnisse herrschen.

Der Reihe nach. Wegen der Pandemie ist die Rottal Terme seit 19. März geschlossen. Auch nach Pfingsten sollen weite Teile der Anlage außer Betrieb bleiben – vor allem der Innenbereich, zu dem auch die kompletten medizinischen Bewegungsbecken gehören. Wie und ob die dort untergebrachten Sanitäranlagen und Umkleiden dann genutzt werden dürfen, ist nach wie vor unklar, denn behördliche Vorgaben dazu sind bis dato Fehlanzeige. Dass nun am 15. Juni der Schlagbaum zum nur wenige Kilometer entfernten Österreich fallen soll, wo die dortigen Thermen bereits wieder voll und ganz ohne jede Einschränkung in Betrieb sind, das geht den Rottalern nun doch entschieden zu weit. Vor allem auch deswegen, weil alle sieben niederbayerischen Kurmittelhäuser mit ihren Thermalbadeanlagen der Staatsregierung ein umfangreiches Hygienekonzept vorgelegt haben. Darin enthalten seien viele selbstauferlegte Beschränkungen.

So wollen die Gesundheitseinrichtungen freiwillig auf den Betrieb von Wasserattraktionen wie Bodensprudler, Luftsprudelliegen und mehr ebenso verzichten wie auf den Beitrieb von Dampfbädern und das obligatorische Wedeln nach dem Saunaaufguss. „Das alles interessiert niemanden, wenn die Gäste ab 15. Juni an uns vorbei nach Österreich fahren, denn dort ist alles in Betrieb“, argumentiert Dagmar Feicht, die seit 1. Mai Bürgermeisterin ist und den Kurort mehr und mehr ins wirtschaftliche Verderben abgleiten sieht, wenn nicht bald die  Weichen anders gestellt werden. „Wir setzen uns für ein Höchstmaß an Sicherheit ein, tun alles dafür, dass unsere Gäste und unsere Mitarbeiter gesund bleiben“, sagt sie mit Verweis auf das gemeinsam mit den Nachbarorten Bad Füssing und Bad Griesbach und den Donaubädern Bad Abbach und Bad Gögging geschmiedete Hygienekonzept.

„Wir sehen hier Tausende von Arbeitsplätzen in allerhöchster Gefahr“, erläutert Dagmar Feicht. „Hier versteht niemand mehr, warum unsere Vorschläge bis dato unbeantwortet blieben, während die Öffnung der Grenzen schon lange feststeht. Schon gar nicht die vielen Menschen, die 1300 Euro netto haben und jetzt mit 60 Prozent Kurzarbeitergeld auskommen müssen“, sagt die Bürgermeisterin. Unterstützung erhält sie aus der Kurverwaltung. „Wir haben zahlreiche Anfragen vorliegen“, erklärt Viktor Gröll, Leiter der Kurverwaltung. Einziger Haken daran: 90 Prozent würden einen Aufenthalt von einer funktionsfähigen Rottal Terme abhängig machen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Beherbergungsbetrieben, wie Walter Niedermeier, Chef des Rings der Gastlichkeit weiß. „Einschränkungen durch das Hygienekonzept tragen die Gäste sicher ohne jeden Zweifel mit“, sagt er mit Verweis auf Hunderte Gespräche, die er in dieser Sache bereits geführt hat. „Die Vernunft ist groß. Damit dürfen wir auch rechnen. Schließlich ist die Rottal Terme kein Spaßbad, sondern eine Gesundheitseinrichtung“, betont Niedermeier. Gleichzeitig fordern die Verantwortlichen im Kurort eine Renaissance der ambulanten Badekur, denn damit könne man mit wenig Aufwand einen Wirtschaftskreislauf in Gang setzen, der viele Arbeitsplätze auf Dauer sicher.

Am Pfingstmontag um 10 Uhr findet daher in Bad Birnbach am Neuen Marktplatz eine Kundgebung statt. Bis zu 300 Teilnehmer dürfen teilnehmen. „Wir werden unsere Meinung deutlich kund tun, aber natürlich auch zusehen, dass die Regeln eingehalten werden“, sagt Dagmar Feicht. Wegen Corona natürlich, aber auch, um allen zu zeigen, dass man es ernst meint mit dem Hygienekonzept.

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