Offener Brief an die Mitglieder des Kreistags Vulkaneifel

Sehr geehrte Damen und Herren ,

wegen eines schockierenden Vorfalls in den USA sind auch bei uns in Deutschland wieder Dinge wie Rassismus und Diskriminierung in aller Munde.

Auch ich, als querschnittgelähmte Rollstuhlfahrerin, fühle mich in unserer beschaulichen Vulkaneifel diskriminiert. Schlimmer noch, meine Hinweise darauf werden von vielen Kommunalpolitikern noch nicht einmal ernst genommen, sind noch nicht einmal eine Erwähnung wert! Darum wende ich mich heute direkt an Sie.

Seit Anfang diesen Jahres wurde durch Ihren Beschluss das Biotüten-Bringsystem eingeführt. Bis dahin war die Biomüllentsorgung vor der eigenen Haustür für mich als schwerbehinderten Menschen im Rollstuhl kein Problem. Mit Einführung der Bio-Container stellt die Biomüllentsorgung für mich jedoch ein unüberwindbares Hindernis dar.

Nicht nur, dass die Einwurföffnung der Container für mich aus dem Rollstuhl heraus nicht erreichbar ist, allein schon der Weg von meinem Wohnhaus bis zum nächsten Biocontainer mit meinem Biomüll auf dem Schoß ist nicht machbar, obwohl der Container lediglich ca. 50 Meter entfernt aufgestellt ist. Mehrfach habe ich darauf bereits öffentlich in verschiedenen Medien hingewiesen. Die Reaktion der Kommunalpolitik darauf? Entweder gar keine, oder tolle Ideen wie niedrigere Biocontainer, die jedoch in keinster Weise das Problem lösen, den Biomüll gar nicht erst bis dorthin transportieren zu können. Es wird einfach nicht richtig zugehört! Ich lade Sie daher alle herzlich dazu ein, mich Zuhause zu besuchen. Ich stelle Ihnen gerne meinen Ersatz-Rollstuhl zur Verfügung und auch gerne etwas Biomüll. Sie dürfen dann selbst ausprobieren, was es heißt in einem Rollstuhl Biomüll auf Ihrem Schoß zum nächsten Biocontainer befördern zu müssen. Vielleicht verstehen Sie dann, wie diskriminierend das Biotüten-Bringsystem für mich als Rollstuhlfahrer ist!

Wie Sie als Politiker wissen sollten, gibt es Gesetze und Konventionen, die behinderten Menschen wie mir gleichberechtigte Lebensbedingungen sichern sollen. Mit einem Biomüll-Bringsystem verstoßen Sie meiner Ansicht nach massiv hiergegen. Das schlimme daran: Sie werden darauf hingewiesen und verstoßen dennoch weiter hiergegen und fordern eine teure Bürgerbefragung zur Biomüllentsorgung. Die Rechte von behinderten Menschen scheinen Ihnen somit völlig egal zu sein.

Wissen Sie, wie ich mich bei solch einer Reaktion als behinderter Mensch fühle? Als Mensch zweiter Klasse, nicht ernst genommen, nichts wert…  Das ist sehr, sehr traurig! So sollte sich kein Mensch fühlen müssen!

Darum appelliere ich an Ihr Gewissen: Bitte sorgen Sie dafür, dass auch behinderte Menschen wie ich Ihren Biomüll gesetzeskonform entsorgen können und nicht gezwungen sind, Ihren Biomüll rechtswidrig in der Restmülltonne zu entsorgen, den sie dann auch noch umso teurer bezahlen müssen. Sorgen Sie hier für Gerechtigkeit! Bringen Sie die Biotonne ohne zeitliche Verzögerung durch eine unnötige Bürgerbefragung zurück!

Ausdrücklich bedanken möchte ich mich bei denjenigen unter Ihnen, die sich bereits für die Rechte von behinderten Menschen stark machen!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Mit freundlichen Grüßen

Diana Kolbe

P.S.: Wie Ihnen bekannt sein sollte, gibt es viele andere Gründe, die gegen die Biomüllentsorgung im Bringsystem (Hygieneaspekte, Umweltbelastung, etc.) sprechen. Ich habe mich in diesem Schreiben bewusst auf den einen Grund beschränkt, der mir persönlich am meisten auf der Seele brennt!

Ich werde diesen offenen Brief ebenfalls an verschiedene Medien und Ministerien weiterleiten, um die Ernsthaftigkeit meines Anliegens zu untermauern!

 

 

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