Salmtal unter Hochspannung – Was plant Amprion?

Die Bürgerinnen und Bürger von Salmtal wehren sich gegen das Vorhaben den Stromnetzbetreibers Ambrion

Salmtal. Die Firma Amprion plant die Errichtung einer 380 kV-Höchstspannungsverbindung zwischen dem Umspannwerk Wengerohr und Niederstedem. Die nördlich der Ortslage Salmrohr verlaufende 110/220KV-Hochspannungsleitung wird durch diese neue Leitung ersetzt.

Konkret heißt das:

– Die Immissionsbelastung der Anwohner wächst im Vergleich zur Altanlage um das 3-4-fache.

– Die Masthöhe erhöht sich um 21,5m auf 81,5m und das Fundament auf ca. 18mx18m,

die Anzahl der Leiterseile erhöht sich um 21 Stück auf insgesamt 30.

Was sind die Folgen?/ Was fordern wir?

Die Trasse führt in einem Abschnitt direkt an Wohnhäusern der Gemeinde Salmtal vorbei – mit einem geplanten Abstand von lediglich 95m. Im Abstand von 400m sind ca. 150 Haushalte direkt von den schädlichen Immissionen betroffen. Dagegen legt nicht nur die Gemeinde Einspruch ein, auch mehrere Bürger haben Einspruch erhoben. Zudem wurde eineInteressensgemeinschaft gegründet, um sich gegen einen Trassenverlauf in nächster Nähe zu den Wohnhäusern zu wehren. Die gemeinsame Forderung: wenn schon eine neue Trasse notwendig ist, dann soll diese die Wohnbebauung großräumig umgehen (weiträumige Verschwenkung von mind. 400m), um die Risiken für die Bürger auf ein Minimum zureduzieren.

Begründung

– Nach der 26.Bundesimmissionschutzverordnung sind bei Errichtung und wesentlicher Änderung von Niederfrequenzanlagen bei den von der Anlage ausgehenden elektrischen magnetischen und elektromagnetischen Feldern alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Immissionen nach dem Stand der Technik im Einwirkungsbereich zu minimieren.

– Einstufung niederfrequenter Felder durch die WHO als 2B, vermutlich krebserregend. Andere Staaten in der EU haben niedrigere Grenzwerte für die Magnetfeldbelastung der Bürger festgelegt, so zum Beispiel Dänemark & Niederlande (0,4 Mikrotesla) sowie Schweden und einige Regionen in Italien (0,1 Mikrotesla)

– Andere Bundesländer in Deutschland geben per Gesetz einen Mindestabstand von 400m zur Wohnbebauung vor (Niedersachsen & Bayern).

– Die Reichweite der Immissionen von Freileitungen beträgt lt. dem in der 26. BimSchV festgelegten Pauschalwert 400m bei 380 KV Leitungen, Baubiologen sehen Mindestabstand von Wohngebäuden zu Freileitungen 1m je 1 KW vor (Faustformel), d.h. also 380m bei einer 380KV Leitung

– Lt. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gibt es Hinweise auf die Entstehung von kindlicher Leukämie durch magnetische Felder von 0,3 bis 0,4 Mikrotesla (μT).

Im Strahlungsbereich der Leitung wohnen viele Kinder, die besonders von den schädlichen Auswirkungen betroffen sind. Warum will man riskieren, dass unsere Kinder einer erhöhten Krebsgefahr ausgesetzt werden? Wer verantwortet dies, falls es dazu kommen sollte?

Der Antragsteller, die Fa. Amprion, stellt unter Punkt 6.4.5 „Variantenvergleich“ des Planfeststellungs-verfahrens keine grundsätzlichen Hindernisse zu einer weiträumigen Verschwenkung fest. „Durch die Variante der weiträumigen Umgehung der Ortslage Salmtal wären gegenüber der Antragsvariante eine Mehrlänge der Leitung u. zusätzliche Maststandorte erforderlich. Der durch die Bestandssituation vorbelastete Trassenraum würde deutlich verlassen u. es kommt zu vermeidbaren Eingriffen in das Privateigentum sowie des Natur- u. Landschaftraumes. Ebenso kommt es in Abhängigkeit von der Mehrlänge u. der Anzahl von zusätzlichen Maststandorten zu Mehrkosten.“ (Punkt 6.4.6 „Fazit zum Variantenvergleich“)

Man bekommt hier den Eindruck, dass lediglich aufgrund von Mehrkosten von einer weiträumigen Verschwenkung abgesehen wird. Mehrkosten werden scheinbar höher gewichtet als die Reduktion von Immissionen und damit der Gesundheitsschutz. Dabei hieß es noch 2018 in einer öffentlichen Sitzung zum Thema, dass Mehrkosten, um den Mast möglichst weit weg zu bekommen, kein Problem darstellen, da diese sowieso über die Gebühren auf den Stromkunden umgelegt werden.“ (Aussage Mitarbeiter Fa. Amprion)

Im Planfeststellungsverfahren weist Amprion auf die verminderte Schutzwürdigkeit der Wohnbebauung hin mit der Begründung, dass der Ort sich zur Leitung heran entwickelt hat:„Die Wohnbebauung hat sich bewusst näher an die Leitung heran entwickelt, wodurch diese in ihrer Schutzwürdigkeit gemindert ist.“ (Punkt 6.4.5 „Variantenvergleich“) Es wird jedoch nicht beachtet, dass der Ort sich unter anderen Voraussetzungen zur Leitung hin entwickelt (110/220KV-Hochstromleitung statt 110/380kv Höchststromleitung) hat, mit deutlich geringeren Immissionen und einen geringeren Eingriff in das Landschaftsbild.

Durch eine weiträumige Umfahrung der Leitungstrasse würde unseres Erachtens nach zudem das Landschaftsbild weniger verunstaltet, da es sich zum einen um einen größeren Abstand zum Ort handelt, was den gigantischen Mast weniger bedrohlich wirken lässt. Zum anderen wäre bei dieser Variante ein niedrigerer Mast ausreichend, der auch aus diesem Grunde weniger ins Auge fällt.

Die Ortsgemeinde hat sich für den Fall der weiträumigen Verschwenkung bereit erklärt, Amprion hinsichtlich erforderlicher Vereinbarungen mit den Grundstückeigentümern zu unterstützen.

Weitere Folgen des Neubaus:

– Höhere Geräuschbelastung

– Attraktivität/ Lebenswert des Ortes nimmt deutlich ab

Im gleichen Planfeststellungsverfahren soll für Rohstoffsicherungsflächen bei Gladbach die Leitung um max. 200m (auf einer Länge von etwa 1,7 km) von der alten Trasse verschwenkt werden und in Meckel um max. 225m (auf einer Länge von ca. 2km). Stellen Rohstoffe ein,höheres Gut dar als die Gesundheit von Bürgern? Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass vor Ablauf des Planfeststellungsverfahrens seitens Amprion Beschleunigungsprämien für die Zustimmung der Grundstückseigentümer zur Erteilung der Grundbucheinträge gegeben werden. Dieses Geld wäre besser investiert in eine Verschwenkung der Trasse und damit in die Gesundheit der Bürger in Salmtal. Was haben wir bislang unternommen?

– Gründung einer Interessensgemeinschaft

– Aktuell wird bei der SGD-Nord Einspruch erhoben seitens der Gemeinde sowie betroffener Bürger

– Unterschriftenaktion für eine Verschwenkung der Trasse

o Öffentlichkeitsarbeit: Erstellung der Homepage www.salmtal-unterhochspannung.de

o Entwurf und Aufstellen Banner

o Flyer

o Presse

o Fernsehen https://www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/protest-gegenstromtrasse-in-der-eifel-100.html Ausgestrahlt am 27.08.2020

o Unterschriftenanktion (aktuell 500 Unterschriften nur aus Salmtal)

Was wollen wir noch tun?

– Einschalten Verbandsgemeinde, Kreisverwaltung, Landesregierung

– Weitere Pressearbeit

– Hörfunk

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