Interview: Der Sylter Kabarettist & Satiriker Manfred Degen zieht mit Genuss das ins Lächerliche, was er doch so innig liebt – seine „Goldstaubinsel Sylt“. Mit Erfolg betreibt er Aufklärung durch die Hintertür. Ein augenzwinkerndes Gespräch über den süßen Wahn, der Welt die reine Wahrheit über die Sylter zu verkünden.

EAZ: Herr Degen, Ihr neues Programm trägt den Titel „Leben auf der Goldstaubinsel“. Wie leben Sie selber auf der Insel mit diesen klischeehaften Sylter Realitäten?
Degen: Aber Hallo – wieso denn Klischee? Hier fährt auch der Handwerker eine Harley, der Gastwirt rauscht mit seinem Porsche Cayenne zu Aldi und kauft dort die Tomatensuppe im Pappcontainer, die er dann für 12,80 Euro in seinem Restaurant vertickert. Und der Kurkartenkontrolleur lebt im Winter nicht von Hartz 4, sondern schippert auf einem Kreuzfahrer durch die Karibik, weil er auch zwei Appartements besitzt, die fette Schwarzgeldkohle abwerfen.

EAZ: Endet das Spiel mit Klischees nicht sehr leicht selbst im Klischee?
Degen: Die Wirklichkeit überholt das Klischee. Was auf Sylt passiert, fällt keinem Drehbuchschreiber ein – nicht einmal unter Drogen.

EAZ: Sie beleuchten das Leben auf der Insel aus den absurdesten Perspektiven. Ist Ihr satirisches Tun nicht doch eher eine Liebeserklärung an die Insel?
Degen: Natürlich, das geht doch gar nicht anders. Da ich im Winter für die Hapag-Lloyd unterwegs bin, habe ich schon hunderte Inseln überall auf der Welt gesehen. Trauminseln werden einige genannt. Aber Sylt steht über allem. Die Menschen da sind „geradeaus“, das Wetter ist fordernd, im Sommer liegt Rosenduft über der Insel, zum Frühstück schon gibt es frische Austern und Schampus, die Sonne scheint bis halb Elf und du kannst jede Nacht im eigenen Bett schlafen…

EAZ: Freiheit besteht darin, den Menschen Dinge sagen zu können, die sie eigentlich nicht hören wollen. Müssen Kabarettisten sagen, was andere sich nicht zu sagen wagen?
Degen: Mein Programm ist ein Mix aus Satire, Comedy und manchmal Kabarett. Das Einzige, was ich muss, ist eine Pointenfrequenz von 15 Sekunden einzuhalten. Wenn den Frauen in meinem Publikum am Ende des Abends nicht der Eyeliner durch Lachtränenströme verrutscht ist, dann habe ich keinen guten Job gemacht.

EAZ: Was bedeutet denn „eine gute Pointe“?
Degen: Jede gute Pointe ist ein kleiner Tabubruch, jede Pointe braucht ein Opfer. Jeder ist mal dran bei mir. Mancher Gag ist hübsch intellektuell verpackt, manchmal darf man sich bei mir aber auch brachial unter Niveau amüsieren. Wenn’s bei mir losgeht, weiß ich noch nicht genau, wo’s hingeht. Ich bin auch immer selbst gespannt.

EAZ: Wenn man also seine Alltagswahrnehmung hübsch intellektuell verpackt, dann kann man bei vielen durch die Brust ins Auge stoßen, ohne dass sich die Leute beleidigt fühlen?
Degen: Manchmal schlägt eine satte Pointe ein und das Volk im Saal nässt sich vor Begeisterung ein. Und dann merken sie erst auf dem Nachhauseweg, dass sie gemeint waren. Da musst du dann stark sein. 

EAZ: Humor muss subversiv sein, vielleicht skurril. Braucht es, um das zu erreichen, einen Perspektivwechsel und den Willen aus gelenkten Bahnen auszubrechen?
Degen: Na, das ist ja eine komplizierte Frage. Geht’s denn vielleicht etwas einfacher? Also, ich sach mal so: Wenn du auf der Bühne stehst, dann ist der Perspektivwechsel ja für alle sichtbar. Und Humor ist subversiv, sonst lacht kein Schwein. Und skurril musst du auch sein, sonst verlässt das Volk den Saal – noch vor der Pause.
 

EAZ: Ihre Tourneen führen Sie rund um den Globus. Wie erklären Sie sich Ihren eigenen Erfolg weit über die Grenzen von Sylt hinaus?
Degen: Wenn ich mit der MS Europa in der Lagune von Bora Bora liege und skurrile, subversive Geschichten von Sylt erzähle, dann ist die Situation als solche schon abstrus. Dann stehe ich da im Schiffsbauch auf der Bühne und denke: Was machen wir hier? Warum sind wir nicht draußen im 30 Grad warmen Wasser und schnorcheln lieber zwischen Manta-Rochen und Riffhaien? Nein, die Menschen wollen die wilden Geschichten von Sylt hören, auch wenn draußen vor der Tür das Paradies liegt. Aber ich denke, Bora Bora oder Bad Bertrich, das ist alles dasselbe….

EAZ: Am Sonntag, 22. April 2012, um 20.00 Uhr, wird Manfred Degen sein Erfolgsprogramm im Großen Kursaal Bad Bertrich präsentieren.

Tickets und Informationen:
Touristik-Agentur
Bad Bertrich GmbH
Kurfürstenstr. 32
D-56864 Bad Bertrich
Tel.: 0 26 74 – 93 22 22
E-Mail: info@bad-bertrich.de oder online unter: www.bad-bertrich.de
und über Ticket Regional und deren Vorverkaufsstellen
Vorverkauf: 12,– €, mit Gästekarte 10,– €, Abendkasse 15,– €, mit Gästekarte 13,– €

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