Interview: Stadtbürgermeister Bongartz im Gespräch

Gerolstein. Vier Bürgermeisterkandidat(in)en standen zur Wahl des neuen Stadtbürgermeisterpostens in Gerolstein. Das Wahlergebnis bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 hat dazu geführt, dass eine Stichwahl notwendig wird. Das Ergebnis war denkbar knapp. Das Wahlergebnis für die Stichwahl am 16. Juni 2019 wird größtenteils von der Wahlbeteiligung abhängig sein. Deshalb ist es auch so wichtig, dass möglichst viele Gerolsteiner Bürgerinnen und Bürger zur Stichwahl gehen.

Die Eifel-Zeitung hat am vergangenen Wochenende mit dem amtierenden Bürgermeister Friedhelm Bongartz über die Zukunft der Stadt gesprochen.

EAZ: Herr Bongartz, Sie sind bei der Bürgermeisterwahl eine Runde weiter. Sind sie mit dem Wahlergebnis zufrieden?

Bongartz: Das erste Wahlergebnis hat meinem Mitbewerber einen kleinen Vorsprung beschert. Zufrieden kann ich deshalb nicht sein aber auch nicht unglücklich. Es ist aber so, dass der Bürger der Souverän ist und so habe ich dies zu akzeptieren.

EAZ: In Anbetracht dessen, dass Sie vieles auf den Weg gebracht haben, was schon seit längerem – vor Beginn Ihrer Amtszeit – hätte abgewickelt werden können, wäre ein für Sie positiveres Wahlergebnis zu erwarten gewesen, zumal Sie für die Entwicklung der Stadt damit eine sehr positive Arbeit geleistet haben – zum Beispiel der Verkauf der ehemaligen „Drahtfabrik“, der zugunsten der Stadt auch finanziell sehr positiv abgewickelt wurde.

Bongartz: Das ist richtig. Für den Rückbau der vorhandenen maroden Bausubstanz und deren Entsorgung hatte die Stadt einen hohen Geldbetrag bereitgestellt, der nunmehr für die Entwicklung der Innenstadt zur Verfügung steht. Für die Interessen der Stadt ein großer Gewinn, der aufgrund der knappen finanziellen Verhältnisse der Stadt mehr Spielraum gewährt. Von großem Vorteil ist ebenfalls, dass der Investor dieser Maßnahme den Neubau eines Büro- und Verwaltungsgebäudes zugesagt hat, dem auch vom Stadtrat zugestimmt wurde.

EAZ: Was geschieht mit dem Peschenbach?

Bongartz: Die Renaturierung des Peschenbachs ist in diesem Programm einbezogen und erfolgt in Abstimmung mit der zuständigen Wasserbehörde.

EAZ: Was geschieht mit dem Brunnengelände?

Bongartz: Nach jahrelangen Diskussionen über die Nutzung des Brunnengeländes wird zunächst davon ausgegangen, dass dort kein Einkaufszentrum entstehen wird. Vielmehr – so bestehen vielfach Meinungen – dass diese Fläche für kulturelle bzw. naturbezogene Nutzung geeignet ist. Ein künstlerischer Vorentwurf  liegt bereits seit einiger Zeit vor. Natürlich werde ich die Bürger diesbezüglich noch einbeziehen. So meine Absicht, sofern das Brunnengelände wieder für uns zur Verfügung steht.

EAZ: Was geschieht mit der ehemaligen Bahnstrecke Gerolstein-Prüm?

Bongartz: Nach wie vor vertrete ich die Absicht, dass dort ein Radweg erstellt wird, der Gerolstein mit der Nord-Süd-Achse „Niederlande –
Belgien – Luxembourg – Mosel“ und die West-Ost-Achse von dort aus mit dem Rhein über Gerolstein verbindet, was Gerolstein zu einem zentralen Mittelpunkt für Radwanderer darstellt.

EAZ: Wurde deshalb die Bahnbrücke über die B 410 abgebaut?

Bongartz: Nein, das ist nicht der alleinige Grund. Diese Brücke musste mit hohem finanziellen Aufwand saniert werden, was auch die anschließende Bogenbrücke über die Kyll betraf.

Bedeutungsvoll ist allerdings die Erhöhung der Verkehrssicherheit für die Eimündung der L 24 aus Richtung Müllenborn in die B 410, da diese Einmündung als Gefahrenschwerpunkt zu bezeichnen ist und die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer halte ich für vorrangig.

EAZ: Was geschieht mit dem Bahnhof und dem Vorgelände?

Bongartz: Der Bahnhofumbau sollte schon 2017 begonnen werden, leider wurde dieser immer wieder von den Planern der DB verschoben. Die jetzige Zusage sagt einen Baubeginn 2020 voraus. Der Gestaltung des Bahnhofvorplatzes, wie auch der 2. Bauabschnitt „Stadt-im-Fluß“ sollte jetzt im Frühjahr begonnen werden. Aufgrund einer Kostenerhöhung dieses Projektes werden zur Fertigstellung der Maßnahme entsprechende Gespräche und Verhandlungen zur Durchführung der Maßnahme notwendig.

EAZ: Was geschieht mit der Entwicklung der Innenstadt?

Bongartz: Für die Zukunft unserer Stadt ist die Entwicklung der Innenstadt oberste Priorität. Der Leerstand verschiedener Gebäude in der Innenstadt muss abgebaut werden. Die Innenstadt muss mit neuen Akzenten belebt werden, woran jetzt schon seit einiger Zeit mit Hochdruck gearbeitet wird. Insbesondere ist zunächst der obere Bereich der Hauptstraße vorgesehen. Derzeit stehen hierbei Verhandlungen zum Ankauf von Gebäuden statt, um notwendige Gestaltungsmaßnahmen zu ermöglichen. Ebenso ist das „Projekt Kaiserhof“ nicht ad acta gelegt und weiterhin im Focus einvernehmlicher Lösungen. Gerolsteins Innenstadt ist für mich – nach wie vor –
der lebendige Akzent städtischer Außendarstellung und Schwerpunkt meiner resp. unserer Bemühungen.

Ebenfalls ist die ärztliche Versorgung der Bürger und der Erhalt des Krankenhauses unabdingbar mit dem Wohlergehen der Stadt und seiner Bürger verknüpft. Soziale Fürsorglichkeit:  Wie Instandhaltung der Kindergärten, Pflege der Kinderspielplätze und soziales Engagement, Umwelt- und Gewässerschutz sind ebenfalls Bestandteile und Grundsätze verantwortungsbewussten Handelns. Es geht nicht alles auf einmal – dennoch Schritt für Schritt – wirds gelingen.

EAZ: Noch eine letzte Frage: Wie sehen Sie die Entwicklung des ehemaligen Hotels „Calluna“ jetzt: Löwenstein?

Bongartz: Nachdem ich vier Jahre (zusammen mit dem Hauswart Norbert Will) um die Erhaltung des Calluna zur Wiedergewinnung als Hotel mit hohem Zeitaufwand und Engagement bemüht war, wünsche ich mir, dass dieses Haus wieder einen bedeutenden Stellenwert für die Gerolsteiner Touristik darstellt und damit auch dem Wunsch der Gerolsteiner Mitbürger gerecht wird. Für mich geht diesbezüglich ein Wunschtraum in Erfüllung, dieses Haus wieder als Anziehungspunkt für die Gerolsteiner Bürger und unsere Gäste zu erleben.

EAZ: Vielen Dank für das offene Gespräch und viel Erfolg bei der Stichwahl am 16. Juni 2019. 

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