Interview: Wir brauchen Brauchtum und Dialekt

Wir sprachen mit Dr. Reinhard Scholzen, der für die CDU im Vulkaneifel-Kreistag sitzt, über die Bedeutung des Brauchtums und Dialektsprechens

Dr. Reinhard Scholzen

EAZ: Sind alte Bräuche noch zeitgemäß?

Dr. Reinhard Scholzen: Bräuche – zum Beispiel das Radschieben am ersten Wochenende der Fastenzeit oder das Aufstellen eines Maibaums – sind zeitgemäß. In vielen Orten bilden sie Höhepunkte des Miteinander.

EAZ: Aber das Interesse der jungen Menschen, alte Bräuche zu pflegen, nimmt doch ab…

Dr. Reinhard Scholzen: Das trifft leider für einige Dörfer in unserem Landkreis zu. In anderen Orten werden zum Beispiel Frühjahrsfeuer, das Kleppern in den Tagen vor Ostern oder das Martinsfeuer mit neuem Leben erfüllt. Vielerorts bilden der Karneval oder die Dorfkirmes Höhepunkte im Gemeinschaftsleben.

EAZ: Die CDU setzt im Kommunalwahlkampf auch auf das Thema Heimat. Wie groß ist dabei die Bedeutung des Brauchtums?

Dr. Reinhard Scholzen: Für die CDU sind regionale Traditionen und Bräuche sehr bedeutsam. Aus regionalen Gepflogenheiten, dem Dialekt oder Heimatfesten erwächst ein positives und auch modernes Lebensgefühl. Daher sollen sie stärker gefördert werden. Im Kommunalwahlprogramm der CDU wurde das in dem Satz zusammengefasst: Heimat ist die neue Stadt.

EAZ: Können Sie das näher erläutern?

Dr. Reinhard Scholzen: Wir fordern gleichwertige Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land. Wir in der Vulkaneifel können Gewinner der Globalisierung und Digitalisierung sein, wenn dazu die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, also zum Beispiel eine bestmögliche Infrastruktur. Nach unserer Auffassung brauchen aber die modernen Entwicklungen ein Gegengewicht. Die Heimat bietet feste Wurzeln, Geborgenheit und Zusammenhalt, die der Mensch für ein glückliches Leben braucht.

EAZ: Welche Bedeutung kommt dem Dialekt zu?

Dr. Reinhard Scholzen: Der Dialekt stärkt das Gefühl des Zusammengehörens und kann das Selbstbewusstsein der Menschen festigen. Bayern und Baden-Württemberg sind eindrucksvolle Beispiele dafür. Dort ist der Dialekt in den letzten Jahrzehnten zu einem Markenzeichen geworden. Daraus entstand der Werbeslogan: Wir können alles, außer Hochdeutsch. Auch das Rheinland – insbesondere Köln – lebt vor, wie viel positive Kraft in der Mundart steckt.

EAZ: Haben Kinder, die Dialekt sprechen, Probleme in der Schule?

Dr. Reinhard Scholzen: Das glaubte man früher. Großangelegte Forschungen haben aber gezeigt, dass Kinder, die zwei Sprachen sprechen – Hochdeutsch und Dialekt sind in diesem Sinne zwei Sprachen –, es später leichter haben, Fremdsprachen zu erlernen. Auch aus diesem Grund wird das Dialektsprechen positiv gesehen und in einigen Schulen unseres Kreises sowie durch Mundartlesewettbewerbe gefördert.

EAZ: Könnte für Brauchtum und Dialektsprechen in unserem Landkreis noch mehr getan werden?

Dr. Reinhard Scholzen: Einige Landkreise – zum Beispiel Cochem-Zell – sind weiter als wir. Aber bei uns gibt es die schon genannten Projekte und noch großes Potential. In unserem Kreis leben Heimatforscher und Verleger, die sich intensiv mit Brauchtum und Eifeler Platt beschäftigen. Zudem haben wir einen sehr starken Eifelverein, der mitunter als größte Bürger-initiative im Landkreis bezeichnet wird. Die Dauner Ortsgruppe hat weit mehr als 500 Mitglieder und bietet viel mehr an als „nur“ Wandern. Vielleicht wäre es möglich, noch stärker zusammenzuarbeiten, indem auch die Kreisbibliothek sowie die Volkshochschulen in Daun und Gerolstein, deren Träger die beiden Städte sind, Veranstaltungen zu Brauchtum und Dialekt anbieten. Es wird zurzeit geprüft, ob der Weiterbildungsbeirat des Kreises die Koordination der Maßnahmen übernehmen könnte.

EAZ: Herr Dr. Scholzen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Dr. Reinhard Scholzen: Sehr gerne.

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