Adolf Kolping

Fundamentaltheologe aus Andernach

In diesem Beitrag geht es nicht um den berühmten „Gesellenvater“ Adolf Kolping (1813 – 1865), den aus Kerpen bei Köln stammenden Priester und Begründer des Kolpingwerkes, sondern um dessen gleichnamigen Verwandten, den 1909 in Andernach als Sohn von Joseph Kolping und Katharina Rach geborenen Theologieprofessor. Dass der jüngere Kolping sich an Popularität und Nachruhm nicht mit dem älteren Namensvetter messen kann, hängt wohl damit zusammen, dass sich sein überwiegend in ruhigen äußeren Bahnen entfaltendes Lebenswerk auf theologische Gelehrsamkeit fokussierte.

Der Lebensweg des Andernacher Kolping begann im Vergleich zu seinem Vorbild, dem älteren Kolping, von einer sozial höheren Position aus. Während der sozialpädagogische Gesellenvater als Sohn eines Schäfers und Kleinbauern aufwuchs und nach der Volksschule eine Schuhmacherlehre absolvierte, kam der jüngere Kolping aus einem Akademikerhaushalt: Sein Vater amtierte als Amtsrichter, gehörte also zum wohlsituierten Bürgertum des Kaiserreichs. Adolf besuchte von 1920 bis 1926 das Gymnasium in Mayen und wechselte dann an das Apostel-Gymnasium in Köln, wo er 1929 Abitur machte. Mit der Wahl des Theologiestudiums beschritt er einen Weg, der sowohl seiner Neigung und Berufung entsprach als auch von der Gewissheit einer beruflichen Sicherheit ausgehen konnte – kein ganz unerheblicher Faktor in den Jahren der einsetzenden Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit. Auf vier Studienjahre in Bonn und Freiburg folgten zwei weitere am Priesterseminar in Bensberg (1934 – 1936), ehe Adolf Kolping 1936 in Köln zum Priester geweiht wurde. In der Folgezeit war Kolping einerseits Kaplan in Köln und Hausgeistlicher auf dem nahegelegenen Schloss Türnich, andererseits schrieb er an seiner Doktorarbeit. 1938 promovierte er über „Anselms Proslogion-Beweis der Existenz Gottes im Zusammenhang seines spekulativen Programms Fides quaerens intellectum“ zum Doktor der Theologie. Er griff damit in eine seinerzeit aktuelle – insbesondere von Karl Barth (1886 – 1968) belebte – Diskussion zu einer Hauptschrift des Kirchenvaters, Erzbischofs und Philosophen Anselm von Canterbury (ca. 1033 – 1109) ein, mit der dieser die Existenz Gottes gedanklich nachweisen wollte. Nach der Promotion setzte sich Kolpings Leben trotz des Weltkriegs in der gewohnten Aufteilung von Kaplansdienst (in Bonn-Endenich) und wissenschaftlichem Arbeiten fort. Sechs Jahre nach der Priesterweihe habilitierte er sich 1942 in Bonn für Dogmatik und Dogmengeschichte. 1944 erhielt er dort einen Lehrauftrag, 1945 wurde er Privatdozent, von 1947 bis 1949 war er Oberassistent am theologischen Seminar der Universität Bonn. Woran diese relativ bedächtige akademische Laufbahn gelegen hat, ist schwer zu sagen; zum Teil hing es wohl mit den Verwerfungen des Weltkriegs und der ersten Nachkriegsjahre zusammen. Immerhin befand sich die Universität Bonn nach 1945 zunächst in einer „großen Notlage, die nicht einmal den Druck eines Vorlesungsverzeichnisses erlaubte“ (Erwin Gatz, 2008). Möglich ist aber auch, dass Kolpings wissenschaftlicher Ehrgeiz noch nicht seine volle Ausprägung erreicht hatte; darauf könnte die damals noch verhältnismäßig geringe Zahl seiner Veröffentlichungen hinweisen. Das Jahr 1949 brachte die Loslösung vom wohlvertrauten Bonner Universitätsmilieu: Anfang Mai 1949 wurde Kolping außerordentlicher Professor für Fundamentaltheologie, theoretische Propädeutik, Dogmengeschichte und Dogmatik in Münster. Bis zur Ernennung zum dortigen ordentlichen Professor dauerte es weitere elf Jahre. Im Herbst 1962 folgte der Rheinländer einem Ruf an die Universität Freiburg, wo er bis 1978 als Professor für Fundamentaltheologie lehrte.

Zu den Schwerpunkten von Kolpings Publikationen gehört die Beschäftigung mit den katholischen Meisterdenkern des Mittelalters, insbesondere Albert dem Großen (ca. 1200 – 1280). Dabei ist bemerkenswert, dass Kolping nicht nur das Inhaltliche des Werkes von Albert – etwa dessen Messauffassung – zum Thema machte. Kenntnisreich befasste sich Kolping auch mit historisch-philologischen Detailfragen zu Alberts Werk, wie etwa der Editionstechnik der Inkunabeln albertinischer Schriften oder der handschriftlichen Verbreitung seiner Texte.

Überblickt man das Gesamtwerk Kolpings, so dominieren Arbeiten zur Fundamentaltheologie. Sein Opus magnum war das zwischen 1968 und 1981 erschienene, rund 2000 Seiten umfassende dreibändige Werk „Fundamentaltheologie“. Spätestens nach dieser historisch-exegetisch weit ausholenden Darstellung galt Kolping als einer der maßgeblichen Vertreter seines Faches. Bereits nach dem Erscheinen von Band II (Die konkret-geschichtliche Offenbarung Gottes, 1974) wurde Kolpings Fundamentaltheologie „als die umfassendste Darstellung der Glaubwürdigkeit der Botschaft des Christentums und der katholischen Kirche“ (Josef Hasenfuß) gewürdigt. Neben diesem Mammutprojekt publizierte Kolping – überzeugt davon, dass sich katholischer Glaube rational begründen lässt – weitere Werke von oftmals grundsätzlichem Charakter. Stark beeindruckt von dem 1997 in Bonn verstorbenen Osteifler Theologen war der deutsch-iranische Philosoph Hamid Reza Yousefi (geb. 1967). Ihn faszinierten an Kolping „seine menschliche Güte, sein Scharfsinn und seine aufrichtige Natürlichkeit“.

Verfasser: Gregor Brand