Franz Anton und Johann Jakob Haubs

Theologen-Brüder aus Lieser

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts erblickten in Lieser im Abstand von 19 Jahren zwei Brüder das Licht der Welt, deren Namen längst selbst den meisten ihrer mittelmoselanischen Landsleute nicht mehr bekannt sind. Zu ihren Lebzeiten genossen sie jedoch hohe Achtung: Franz Anton Haubs als Professor und Kirchenjurist, der jüngere Bruder Johann Jakob als Pfarrer und produktiver Autor.

Der im März 1745 geborene Franz Anton erhielt seine höhere Schulausbildung auf dem Gymnasium zu Trier, wo er bereits fünfzehnjährig die „Humaniora“ – also Latein, Griechisch und andere humanistische Fächer – „mit großem Lobe“ abschloss. Danach studierte er zwei Jahre lang Philosophie an der Universität Trier, woran er ein Theologiestudium anschloss. Da er bei dessen Abschluss zu jung war, um die Priesterweihe zu erhalten, erweiterte er seine akademische Ausbildung noch um ein Studium des Rechts, insbesondere des Kirchenrechts. Unmittelbar nach dem Erreichen des 24. Lebensjahres wurde Franz Anton Haubs am 25. März 1769 zum Priester geweiht. Der weitere Werdegang des gelehrten Mannes aus Lieser konzentrierte sich auf drei Hauptbereiche: Professur an der Universität Trier, hohe Funktionen in der Verwaltung des Erzbistums sowie seelsorgerische Tätigkeit. Nachdem er einige Jahre an seinem früheren Gymnasium Unterricht erteilt hatte, ernannte Kurfürst Klemens Wenzeslaus (1739 – 1812) den 31-jährigen Priester 1776 zum Professor der Logik, der Metaphysik, der Ethik und des Naturrechts. Nach vier Jahren wurde Haubs, der erst 1788 zum Doktor der Theologie promovierte, Professor für Kirchenrecht. Während dieser Universitätsjahre trat er in Wort und Schrift als Anhänger des Trierer Weihbischofs J. N. von Hontheim (1701 – 1790) hervor und verteidigte dessen gegen die päpstliche Machtstellung gerichtete Lehre des Febronianismus. Die Opposition gegen den Papst schadete seiner Karriere im Erzbistum kaum: Haubs wurde unter anderem Assessor des Generalvikariats und des geistlichen Justizsenats, Syndikus der obererzstiftischen Landstände sowie 1790 erzbischöflicher Fiskal. Auch wenn Professor Haubs wegen der ständigen Reisen von Trier nach Koblenz auf sein Lehramt bereits verzichtet hatte, dürfte ihn die Schließung der altehrwürdigen Trierer Universität durch die Franzosen stark betrübt haben. Er verbrachte seinen letzten Lebensabschnitt als Seelsorger in Minheim und starb 80-jährig im Januar 1826 in Trier.

Die Lebensschritte seines im November 1764 geborenen Bruders Johann Jakob glichen bis zu dessen Priesterweihe fast exakt denen von Franz Anton, doch dann änderte sich dies: Der jüngere Haubs blieb zeitlebens Seelsorger. 1787 wurde er Kaplan in Kamberg, 1793 Pfarrer in Heidweiler, 1805 in Niederemmel und schließlich ab 1819 in Graach. Vor allem in seiner Graacher Zeit entwickelte sich Johann Jakob Haubs zu einem schreibfreudigen Verfasser frommer Bücher, in deren Mittelpunkt Predigten und Unterweisungen standen; nach Überschreitung seines 60. Lebensjahres erschienen fast alljährlich neue Schriften von ihm. Der Trierer Bischof Joseph von Hommer (1760 – 1836) bat den fast 70-jährigen Geistlichen, „alle Gebräuche und Ceremonien der katholischen Kirche, wie sie in der Diözese Trier geübt werden, in die deutsche Sprache zu übersetzen und zu erklären.“ Diesem Auftrag kam Haubs 1834 gerne nach. Sein Anliegen war dabei nicht nur das Übersetzen lateinischer Formeln, sondern auch ihre inhaltliche Verteidigung gegen die vielen Spötter, denen sich die Kirche auch damals ausgesetzt sah. Als Zielpublikum hatte Haubs „das gemeine Volk“ vor Augen, also den Mann, der „hinter dem Pfluge geht“ oder die Bauersfrau, die sich um Haus und Kinder kümmert. Die haubssche Ausdrucksweise war leicht verständlich, was in zeitgenössischen Rezensionen wegen ihrer Volksnähe teils sehr gelobt, teils getadelt wurde. So vermisste der rheinhessische Lehrer und Philologe Joseph Kehrein (1808 – 1876) bei J. J. Haubs „meist ein tieferes Eingehen in die echt christlichen Wahrheiten“ und fügte hinzu: „Alles ist einfach und schmucklos in Gedanken und Worten“. Einzelne Werke richteten sich speziell an die Jugend, z. B. seine Sammlung „Etliche schöne Denksprüche“ oder ein Buch, das anhand kurzer Beispiele die Lehren des Katechismus veranschaulichte. Die Predigtinhalte von Haubs entsprachen der traditionellen katholischen Lehre, wirken heute aber mit ihrer Betonung von Sünde und Verdammnis vielfach irritierend.

1841 erschien „Anbetung und Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit. Ein Gebet- und Andachtsbuch für fromme Katholiken“. In seiner Vorrede beklagt Haubs, dass „die Zahl der ärgerlichen, gottesschänderischen und vergifteten Bücher und Schriften … womit die Un- und Irrgläubigen in unserm Jahrhunderte die Welt zu verpesten suchen“ größer sei als die der guten Bücher. Haubs, der inzwischen sein goldenes Priesterjubiläum hinter sich hatte, klingt nun trotz der scharfen Vorrede milder als in seinen Predigten. Er zitiert – wie gewohnt – immer wieder die Bibel und die Kirchenväter, und mahnt eindringlich, wie unvergleichlich wichtig das Beten – das tägliche „Sprechen mit Gott“ – für das gelingende Leben eines Menschen ist. Johann Jakob Haubs, dessen untadeliger Lebenswandel gelobt wurde, starb am 29. Juli 1847 im Alter von 83 Jahren in Zeltingen.

Verfasser: Gregor Brand