Friedrich Wippermann

Meteorologe aus Stotzheim

Wetter und Klima sind im Zeichen des Klimawandels zu politisierten Themen ersten Ranges geworden. Die Wissenschaftler, die sich mit diesen Phänomenen befassen, bleiben dennoch nach wie vor meist im Hintergrund. So ist auch der Name des Eiflers Friedrich Wippermann nur wenigen bekannt, obwohl er zu den führenden deutschen Meteorologen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte.

Fritz Wippermann, 1922 in Stotzheim (heute Teil Euskirchens) geboren, kam nach dem Abitur erst auf Umwegen zur Wetterforschung. Flugbegeistert hatte er sich bei Kriegsbeginn zu den Segelfliegern gemeldet, wo sich sein Enthusiasmus aber an der militärischen Realität abkühlte. Er meldete sich daher zur Ausbildung als Wetterdiensttechniker, bewarb sich 1941 für eine vom Reichswetterdienst ausgeschriebene Ausbildungsaktion und durfte in Prag Meteorologie studieren. 1944 schloss er das Studium in Leipzig als Diplom-Meteorologe ab. In der Nachkriegszeit stellte ihn der Wetterdienst der französischen Besatzungszone als Wetterdiensttechniker ein; nebenher arbeitete er an seiner Promotion, die er 1948 als Externer am Frankfurter Institut für Geophysik und Meteorologie abschloss. Sein Doktorvater war der später international renommierte Meteorologe und Atmosphärenforscher Fritz Möller (1906-1983), dem Wippermann eng verbunden blieb und bei dem er 1957 habilitierte. Zwischen Promotion und Habilitation arbeitete er beim Landeswetterdienst Rheinland-Pfalz, anfangs in Neustadt/Weinstraße, ab 1952 in der Forschungsabteilung des Zentralamts in Bad Kissingen. Während dieser Zeit wurde er Zeuge erheblicher Veränderungen in der Meteorologie – weg von der primär auf Erfahrungswissen beruhenden und zeichnerisch präsentierten Wetterinterpretation hin zu mathematisierten Analysen. War es, wie Groß/Etling in ihrem Wippermann-Nachruf schrieben, in Neustadt noch seine Hauptaufgabe gewesen, mit dem Doppelfederhalter Wettermeldungen in die Kartenvordrucke einzuzeichnen, so forschte er in Bad Kissingen auf dem Gebiet der numerischen Wettervorhersage. Bei ihr kommt es darauf an, Wettervorhersagen auf der Basis von Berechnungen zu erstellen – eine komplizierte Methode, die vom zunehmenden Einsatz von Computern profitierte. Dieser Arbeitsbereich Wippermanns änderte sich, als er 1958 Dozent an der TH Darmstadt wurde. Jetzt standen Fragen der turbulenzgeprägten Verteilung von Luftbeimengungen in der Atmosphäre im Mittelpunkt. Feldexperimente dienten als Grundlage zur Entwicklung von Theorien, wie sich z. B. Schadstoffe ausbreiten. 1963 wurde Wippermann Professor für Meteorologie in Darmstadt; der Studiengang Meteorologie wurde maßgeblich von ihm aufgebaut. Er selbst machte die Erforschung der atmosphärischen Grenzschicht zu einem Schwerpunkt seiner Forschungen. Mit seinem Buch „The Planetary Boundary Layer of the Atmosphere“ (1973) erreichte er ebenso wie mit vielen Fachaufsätzen die weltweite Meteorologen-Community. Auf Wippermanns Initiative hin wurde 1971 die Fortbildungszeitschrift „promet“ gegründet, in deren Themenheften der neueste Stand der meteorologischen Spezialgebiete präsentiert wird. Wippermann erkannte früh die Notwendigkeit neuer theoretischer Modelle zur Beschreibung des Klimas. Für die DFG vertrat er als Sprecher das Schwerpunktprogramm „Physikalische Grundlagen des Klimas und Klimamodelle“. Die mathematische Ausrichtung meteorologischer Wissenschaft kam seiner Begabung entgegen. Wie sehr er sich in der Mathematik zuhause fühlte, zeigte sich, als er nach einer bei ihm durchgeführten Herzoperation eine mathematische Theorie zur Funktionsweise von Herzklappen entwickelte, die im Fachjournal „Journal of Fluid Mechanics“ publiziert wurde. Früh setzte sich Wippermann für die Umweltmeteorologie ein; auf ihn ging die Gründung von AKUMET (Arbeitskreis Umweltschutz und Meteorologie) zurück.

Wissenschaftsorganisatorischen Fragen schenkte er hohe Beachtung. Nachhaltig engagierte er sich für eine Neuorganisation der zersplitterten meteorologischen Vereinslandschaft. Ein wichtiger Zwischenschritt erfolgte 1964 mit der Gründung des Verbandes Deutscher Meteorologischer Gesellschaften (VDMG), deren Vorsitz er 1972 übernahm. Nicht zuletzt dank Wippermann kam es 1974 zur Neugründung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG), deren Vorbild – die 1883 gegründete alte DMG – ein stolzes wissenschaftliches Erbe verkörperte; Wippermann wurde Gründungsvorsitzender der neuen DMG. Als die deutschen Meteorologen 1983 feierlich des hundertjährigen Geburtstages der alten DMG gedachten, hielt Wippermann den Festvortrag, der sich dem chaostheoretischen Thema „Das Entstehen von Strukturen. Synergetische Probleme in der Meteorologie“ widmete. 1991 wurde Wippermann Ehrenmitglied der DMG; er stand damit in einer ehrenvollen Reihe mit herausragenden Meteorologen des In- und Auslandes. Bereits 1986 hatte Wippermann u. a. für „die richtungsweisenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der numerischen Wettervorhersage sowie der turbulenten Diffusion“ die angesehene Alfred-Wegener-Medaille erhalten. Nach der Emeritierung 1987 verfasste er trotz angeschlagener Gesundheit historische Schriften, veröffentlichte den bibelhistorischen Roman „Ketura“ und schrieb seine Autobiographie. Professor Dr. Wippermann, Ehrenvorsitzender der DMG, starb 83-jährig am 22. Mai 2005.

Verfasser: Gregor Brand

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