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Komponist, Organist und Musiktheoretiker aus Pfalzel

Heinrich Oberhoffer

In dem auf der Eifelseite der Mosel gelegenen und seit 1969 zu Trier gehörenden Ort Pfalzel wurde das Dorfleben zu Beginn des 19. Jahrhunderts maßgeblich von der Familie Oberhoffer geprägt. Über mehrere Generationen stellten sie den Lehrer, der zugleich auch Küster und Organist war. Auch für Heinrich Oberhoffer, den 1824 in Pfalzel geborenen Sohn des Dorfschullehrers Gerhard Oberhoffer und dessen Ehefrau Catharina Steinbach, war ein ähnlicher Werdegang vorgesehen. Vom Vater, der traditionsgemäß auch Organist und Küster war, erhielt er eine gediegene erste musikalische Ausbildung, dann kam Klavierunterricht bei dem Trierer W. Hermann dazu. Nachhaltigen Einfluss auf Oberhoffer übte sein Musiklehrer Michael Toepler (1803–1874) – Vater des genialen Experimentalphysikers August Toepler –  am Schullehrerseminar in Brühl aus; dort wurde Oberhoffer 1842–1844 zum Volksschullehrer ausgebildet. Seine erste Lehrerstation war die Knabenschule in Schweich, wo er ein halbes Jahr blieb, ehe er zur Pfarrschule St. Gervasius nach Trier wechselte. Sieben Jahre später quittierte der auch als Organist geschätzte Oberhoffer den Schuldienst und wagte für vier Jahre eine freiberufliche Tätigkeit als Privatlehrer. Ob des Geldes wegen oder aus Wanderlust: Mit 32 Jahren verließ der Pfalzeler das heimische Moseltal und wurde Musiklehrer am Schullehrerseminar in Luxemburg. Im Großherzogtum muss er unermüdlich autodidaktisch lernend und schreibend tätig gewesen sein, denn 1860 erschien sein eindrucksvolles Werk: „Harmonie- und Compositionslehre mit besonderer Rücksicht auf das Orgelspiel in katholischen Kirchen klar und fasslich dargestellt“.  Auf über 450 engzeiligen  Seiten demonstrierte Oberhoffer seine meisterliche Beherrschung der Thematik. Selbstbewusst verkündete er in den Eingangssätzen: „Das katholische Orgelspiel liegt leider noch sehr tief darnieder“ und fügte mit moselfränkischer Deutlichkeit hinzu: „Welch‘ erbärmlichen musikalischen Unsinn hören wir aber in den freien Fantasien so vieler katholischer Organisten! Ihre Fantasieen haben weder Hand noch Fuss …“. Als Hauptgrund für diese miserable Qualität nannte er die „äusserst schlechte Besoldung der katholischen Organisten“.  Oberhoffers klare Worte schadeten ihm in Luxemburg nicht, man erkannte, dass seine Kritik konstruktiv gemeint war. 1861 wurde er Professor an der Luxemburger Normalschule, 1868 erhielt er per Gesetz die luxemburgische Naturalisation.

Zu diesem Zeitpunkt war der Pfalzeler schon überregional als Organist, Komponist und Theoretiker bekannt. Oberhoffers Meisterschaft im Orgelspiel war unbestritten. Er war Organist an der Kathedrale zu Luxemburg und trat 1869 beim Orgel-Eröffnungskonzert in Nancy gleichrangig neben Bruckner auf.  Von 1861 bis 1871 prägte Oberhoffer als Herausgeber und Redakteur die viel beachtete Kirchenmusikzeitschrift „Caecilia“. Mit zahlreichen Beiträgen setzte er sich für seine Herzensanliegen ein: Pflege und Wiederherstellung des lateinischen Chorgesangs und der Gregorianik, Förderung hochwertigen Orgelspiels.  Oberhoffers  „Caecilia“ wurde zu einem zentralen Ideengeber des Cäcilianismus – einer kirchenmusikalischen Reformbewegung, der die einstige Höhe und Reinheit des Kirchengesangs als erstrebenswertes Ideal vorschwebte. Der heiligen Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik, erwies Oberhoffer auch Reverenz mit seiner Männerchorkomposition „Weihegesang an die heilige Cäcilia“ – ein Werk, das ihn seinerzeit ebenso wie weitere Kompositionen und Buchveröffentlichungen bekannt machte. Kompositorisch war Kirchenmusik zwar Oberhoffers primäres, aber nicht ausschließliches Betätigungsfeld. Im März 1867 wurde in Trier seine Oper „Die Schwaben“ erfolgreich aufgeführt.

Von etlichen weiteren Tätigkeiten des vielfach geehrten Pfalzelers sei hier nur noch seine Führungsrolle bei der Erstellung des ersten Diözesangesangbuchs der luxemburgischen Landeskirche erwähnt. Bis heute gilt der 1885 in Luxemburg verstorbene Meister der Kirchenmusik  als „zentrale Figur in der Geburtsstunde der luxemburgischen Landeskirche“ (Marc Jeck). Zwei von Oberhoffers Söhnen wurden Musikprofessoren, ein dritter – Louis – Apotheker und Chemiker; dessen Sohn Prof. Dr.-Ing. Paul Oberhoffer leitete an der RWTH Aachen das Institut für Eisenhüttenkunde. Ob und wie Emil Oberhoffer (1867–1933), Gründer und langjähriger Dirigent des Minneapolis Symphony Orchestra, mit dieser eifelstämmigen Familie verwandt ist, bleibt wie manches andere aus der Oberhoffer-Biographie noch aufzuklären.


Verfasser: Gregor Brand

EAZ Eifel-Zeitung – Regionale Nachrichten aus Eifel und Mosel der Landkreise Vulkaneifel, Daun, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Ahrweiler-Adenau, aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Polizei und Sport.