Heinz Heinen – Althistoriker aus St. Vith

Geschichtsfreunde im Eifel-Mosel-Gebiet verbinden den Namen des jahrzehntelang in Trier lehrenden Professors Heinz Heinen vor allem mit einem Werk, das er 1985 veröffentlichte: „Trier und das Trevererland in römischer Zeit (2000 Jahre Trier, 1)“. Weniger bekannt als sein Expertenwissen zur antiken Geschichte Triers ist, dass er sich auch auf anderen Gebieten den Ruf eines herausragenden Althistorikers erwarb.

Heinz Heinen erblickte am 14. September 1941 in St. Vith als Sohn des Kaufmanns Johann Heinen und dessen Ehefrau Maria Drees das Licht der Welt. Zur Zeit seiner Geburt war die Kleinstadt erst seit etwas mehr als einem Jahr wieder Teil des deutschen Staatsgebiets, von dem sie als Folge der Niederlage im ersten Weltkrieg abgetrennt worden war. Nach dem zweiten Weltkrieg kam es dann zur erneuten Angliederung an Belgien. Gut möglich, dass das Wissen um diese rasch wechselnden Grenzziehungen bereits beim jungen Heinen den Sinn für historische Dynamik und grenzübergreifende kulturelle Zusammenhänge schärfte.

Nach vierjähriger Volksschulzeit wechselte Heinen zur Bischöflichen Schule St. Vith. Auf das Abitur im Jahr 1959 folgte das Studium der Fächer Alte Geschichte und Klassische Philologie. Neben den dafür unerlässlichen Sprachen Altgriechisch und Latein hatten auf seinem Schulstundenplan als weitere Fremdsprachen auch Französisch, Niederländisch und Englisch gestanden. Nachdem er als Student zusätzlich noch Italienisch, Koptisch und Russisch gelernt hatte, verfügte Heinen sprachlich über ein exzellentes Rüstzeug, sich mit ganz unterschiedlichen Bereichen antiker Geschichte zu befassen. Nach dem akademischen Abschluss in Belgien wandte sich Heinen der deutschen Universitätslandschaft zu. Dank eines Stipendiums des DAAD konnte er 1964 in Tübingen studieren. Dort lehrte der Althistoriker Hermann Bengtson (1909-1989), der zum prägenden akademischen Lehrer Heinens wurde. In die folgenden Jahre fallen Meilensteine von Heinens Biographie: In privater Hinsicht ist die Heirat 1965 mit der aus St. Vith stammenden Marie-Louise Walderoth und für 1967 die Geburt des Sohnes Gerd zu nennen, in beruflicher die Promotion über „Rom und Ägypten von 51 bis 47 v. Chr. Untersuchungen zur Regierungszeit der 7. Kleopatra und des 13. Ptolemäers“ (Tübingen 1966).

Nachdem Heinen in Belgien seinen Militärdienst abgeleistet hatte, folgte er Professor Bengtson nach München. Dort habilitierte er sich 1970 mit Untersuchungen zur hellenistischen Geschichte des dritten vorchristlichen Jahrhunderts. Der 29-jährige Eifelbelgier wurde Wissenschaftlicher Rat und außerplanmäßiger Professor in Saarbrücken, aber bereits 1971 ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Trier. Dort, also recht nah seiner ostbelgischen Heimat, lehrte er bis zur Emeritierung 2006. Heinen gehörte in den Siebziger Jahren zu den professoralen Pionieren der neu gegründeten Universität, die anfangs ihren Sitz linksmoselanisch am Standort Schneidershof hatte, ehe sie auf den rechtsmoselanischen Campus in Trier-Tarforst umzog. Heinen beteiligte sich in verschiedenen Ämtern der universitären Selbstverwaltung engagiert am gelungenen Aufbau der Universität. Wesentlich auf seine Vorstellungen ging es zurück, dass zusätzliche altertumskundliche Disziplinen in das Trierer Fächerangebot aufgenommen wurden – etwa die Klassische Archäologie, die Ägyptologie oder die Papyrologie. Das von Heinen mitinitiierte Trierer „Forschungszentrum Griechisch-Römisches Ägypten“ mit seiner Spezialbibliothek gilt nicht nur dem Althistoriker Stefan Pfeiffer als „wissenschaftlicher Leuchtturm der bundesrepublikanischen Altertumswissenschaft“.

Auch wenn dem Gelehrten aus der belgischen Eifel die Erforschung der Trierer Geschichte ein Herzensanliegen war, so zeigt nicht nur der Blick auf seine umfangreiche Publikationsliste, dass er nach wie vor seinem ursprünglichen Spezialgebiet der griechisch-ägyptischen Geschichte in hellenistischer Zeit intensive Aufmerksamkeit und Arbeitskraft widmete. Bestätigt wird dieser Eindruck auch vielfach sonst, etwa durch seine entsprechende Mitherausgeberschaft bei der Fachzeitschrift „Historia“. Hinzu kam immer stärker ein dritter Forschungsschwerpunkt, in dem Heinen anerkannte Kapazität wurde: Sklaverei in der Antike. Unter anderem als Leiter eines entsprechenden Projektes bei der Mainzer Akademie der Wissenschaften mit der damit verbundenen Erstellung des Handwörterbuchs der antiken Sklaverei (HAS) trug Heinen maßgeblich zur Erforschung der antiken Sklaverei bei. Über Jahrzehnte pflegte er – nicht nur beim Sklavereithema – einen produktiven Austausch mit Forschern aus der früheren Sowjetunion. Mehrere seiner Publikationen galten dem russischen Althistoriker Michael Rostovtzeff (1870–1952). Professor Heinen hatte die Aufnahme in die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Recht als große Ehre betrachtet. Bemerkenswert war das persönliche Bekenntnis des auch anderweitig mehrfach geehrten Ostbelgiers, mit dieser Aufnahme habe er neben der Universität Trier „eine zweite Heimat in Deutschland gefunden“. Am 21.Juni 2013 starb der international hoch geschätzte Althistoriker nach langer Erkrankung in Trier.

Verfasser: Gregor Brand

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