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Johann Peter Weidmann

Arzt und Geburtshelfer aus Zülpich

Der Lebensweg des berühmten Mediziners Karl Kaspar Siebold (1736 – 1807) aus Nideggen führte eine Generation später zu einem erneuten Aufblühen von Medizinerpersönlichkeiten aus dessen Heimatgebiet. Neben Hermann Joseph Brünninghausen (1761 – 1834) aus Nideggen ist hier der 1751 in Zülpich geborene Arzt Johann Peter Weidmann zu nennen, der als einer der Begründer der modernen Gynäkologie und Geburtshilfe gilt. Wie bei Brünninghausen, so wurde auch Weidmanns Werdegang von Siebold beeinflusst, der ihm zeitlebens das große Vorbild blieb.

Nach einem Studium der Philosophie in Köln, das er wohl mit dem Doktortitel abschloss („Doktor der Weltweisheit“ wurde er öfters tituliert), schrieb sich Weidmann zum Medizinstudium in Würzburg ein. Ab 1775 wurde Professor Siebold dort zu seinem wichtigsten Lehrer. Weidmann spezialisierte sich auf Geburtshilfe; seine von Siebold angeregte und diesem gewidmete Dissertation aus dem Jahr 1779 galt schwierigen Problemen des Kaiserschnitts. Nach Darstellung des Gynäkologen Franz von Winckel (1837 – 1911) kam Weidmann in seiner Dissertation „der Idee der Einleitung der künstlichen Frühgeburt schon sehr nahe“. Die Frage, ob und wann es sinnvoll sei, eine Frühgeburt künstlich herbeizuführen, war damals sehr umstritten; Weidmann befasste sich später intensiv mit dieser Thematik und galt in Deutschland als Pionier dieses Verfahrens. Prinzipiell war Weidmann allerdings überzeugt davon, bei Schwangerschaft und Geburt möglichst dem natürlichen Verlauf den Vorzug zu geben, also nicht – wie dies von anderen Medizinern seiner Zeit präferiert wurde – recht schnell operative Maßnahmen oder sonstige Eingriffe, etwa die eilige Herausschaffung der Nachgeburt, vorzunehmen.

Als der Mainzer Kurfürst F.C. J. von Erthal (1719 – 1802) sich in Würzburg bei Siebold erkundigte, ob dieser ihm einen chirurgisch erfahrenen Kammerdiener empfehlen könne, verwies Siebold ihn auf Dr. Weidmann und fügte hinzu, er halte Weidmann für fähig, einen Lehrstuhl an der Universität Mainz zu übernehmen. Der Kurfürst, dem die Neuorganisation und Förderung dieser Hochschule ein erstrangiges Anliegen war, gestattete daraufhin Weidmann, auf Staatskosten Studienreisen in europäische Wissensmetropolen wie Paris, London oder Wien zu unternehmen. Nach seiner Rückkehr wurde Weidmann 1782 in Mainz ordentlicher Professor. Er sollte Anatomie („Zergliederungskunst“), Chirurgie und Accouchement (Entbindungskunst) unterrichten. Gleich zu Beginn seiner Professorentätigkeit legte Weidmann einen wohldurchdachten Plan für eine Entbindungsanstalt und die Einrichtung einer Hebammenlehranstalt vor. Auf der Basis dieses weidmannschen Plans wurde mit kurfürstlichem Dekret vom 7. Juni 1784 in dem 1781 aufgelösten Mainzer Kloster Altmünster eine „Schule der Entbindungskunst“ eingerichtet und der Leitung von Professor Weidmann unterstellt; Weidmann blieb jahrzehntelang deren Direktor. Neben dem Ziel, Schwangeren vor allem auch durch qualifiziertere Ausbildung der Hebammen zu sicherer Geburt zu verhelfen, sollten generell alle Geburten in staatlich erfasstem Rahmen ablaufen; Fälle heimlicher Niederkunft wurden unter Strafe gestellt. Die weidmannsche Lehranstalt wurde „zum Zierstück eines milden und aufgeklärten Absolutismus“ (Helmut Mathy, 1977) und blieb bis zum Ende des 2. Weltkriegs durch alle politischen und gesellschaftlichen Wirren hindurch bestehen. Weidmann erwies sich nicht nur als Segen für Schwangere in der Mainzer Entbindungsanstalt, sondern wurde auch häufig von Frauen vornehmen Standes um Beistand bei der Geburt gebeten. Abgesehen von seiner gynäkologischen Tätigkeit stand er auch dem Kurfürsten und anderen Würdenträgern als Leibarzt zur Verfügung. Professor Weidmann, der über mehrere Jahre auch Dekan der Mainzer medizinischen Fakultät war, lehrte laut einer Besoldungstabelle von 1791 „wöchentlich fünf Stunden die Wundarzneikunde und Entbindungskunst, wenn er nicht durch Geburtshilfe dahier oder im Auslande verhindert ist.“ Als jährliches Gehalt bezog er von der Universität Mainz 500 Gulden; hinzu kamen beträchtliche Beträge von seinen wohlhabenden Patienten. Für chirurgische Operationen entwickelte Weidmann neue Instrumente; bekannt sind unter anderem ein Blasenschnittmesser und das weidmannsche Starmesser für Augenoperationen. In einer Weidmann gewidmeten Schrift aus dem Jahr 1818 erwähnt der Mainzer Mediziner Karl Welzel (1769 – 1827) zudem ein von Weidmann entwickeltes Instrument zum Drehen des Fötus. Von Weidmanns Schriften war die bekannteste das 336-seitige Lehrbuch „Entwurf der Geburtshilfe“ (1808); weitere Publikationen befassten sich primär mit chirurgischen Fragen.

1785 hatte Weidmann in Frankfurt Maria Martha Guaita (1758 – 1815) aus wohlhabender, ursprünglich lombardischer Kaufmannsfamilie geheiratet. Nach den Lebenserinnerungen der Schriftstellerin Maria Belli-Gontard (1788 – 1883) hielt sich das Ehepaar Weidmann-Guaita zu napoleonischer Zeit häufig in Frankfurt auf und traf sich regelmäßig zum Kartenspielen und gesellschaftlichen Austausch mit Angehörigen des gehobenen Bürgertums.
Der international renommierte Professor und ehemalige Hofrat Weidmann starb am 23. Juni 1819 in Mainz „an Entkräftung“ (J. Gottfried Broix). Weidmanns schönes Grabmal befindet sich auf dem Mainzer Hauptfriedhof.

Verfasser: Gregor Brand

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