Margaretha von der Marck-Arenberg

Nicht völlig ohne Berechtigung könnte man die Mitglieder der europäischen Herrscherhäuser als Kinder der Eifel bezeichnen. Wie einst die deutschen Hohenzollern-Kaiser oder die Zaren, so stammen auch der heutige britische Prinz William, der spanische Kronprinz Felipe oder Fürst Albert von Adelsgeschlechtern aus der Eifel ab. Auch in den Adern von Hitlers härtestem Gegner Churchill flossen mehr als nur ein paar Tropfen Eifler Blutes. Und schließlich sind viele bürgerliche Eifler selbst – meist ohne es zu wissen – durch ihre Abstammung vom alten Adel der Eifel mit den berühmtesten Herrschern des Mittelalters und der Neuzeit verwandt.

Zu diesen ruhmvollen Eifler Adelsgeschlechtern zählen etwa die Manderscheider Grafen und das Geschlecht derer von der Marck-Arenberg. Hier soll nun eine der großen Herrscherpersönlichkeiten jener Familie vorgestellt werden, deren Stammsitz die Arenburg in der Eifel ist. Diese Burg liegt nur wenige Kilometer vom Eifelort Adenau entfernt, von dem bekanntlich die Familie des ersten deutschen Bundeskanzlers ihren Namen herleitet. Von diesem Stammsitz aus beherrschten die Arenberger zunächst das reichsunmittelbare Arenberger Land in der Eifel, konnten aber im Lauf der Jahrhunderte ihre Macht und ihren Einfluss stetig ausdehnen. Seit 1298/99, als die Erbin Mechthild von Arenberg den Grafen Engelbert von der Mark heiratete, findet man den Namen „von der Marck-Arenberg“. Über die Eifel hinaus wurde die Familie von der Marck-Arenberg besonders im belgisch-niederländischen Raum einflussreich, z. B. als Burggrafen von Brüssel oder Vögte von Lüttich. Seit 1507 durfte sie den Grafentitel führen.

Zwei Jahrzehnte später wurde 1527 dem Grafen Robert II. von der Marck und Arenberg und seiner Ehefrau Walburga von Egmont die Tochter Margaretha geboren. Nachdem ihr Vater als Dreißigjähriger und ihr älterer Bruder Robert III. ebenfalls jung gestorben waren, wurde die erst 17-jährige Eifler Adelstochter im Jahr 1544 regierende Gräfin von der Marck-Arenberg. Als 20-Jährige heiratete sie den Heerführer Johann von Ligne; aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. In jenen kriegserfüllten Jahrzehnten, als sich viele Herrscher der neuen evangelischen Konfession zuwandten, blieben Margaretha und ihr Mann unerschütterlich katholisch. General von Ligne führte katholische spanische Truppen gegen nach Freiheit strebende Holländer und deutsche Protestanten ins Feld. Als er 1568 im Kampf fiel, trug Margaretha nun allein die Verantwortung für Familie und Herrschaft. Sie pflegte beste Beziehungen zu dem Hof des spanischen Herzogs Alba in Brüssel, aber auch zu zum habsburgischen Kaiserhof von Maximilian II. (1564–1576). Vom überaus mächtigen spanischen Habsburgerkönig Philipp II. erhielt ihre Familie beträchtliche finanzielle Unterstützung. Man wird ihr jedoch nicht vorwerfen können, sie habe sich aus Geldgründen auf die katholische Seite gestellt. Margarethas ganze Biographie zeigt, dass ihr der katholische Glaube ein Herzensanliegen war. Ständig begleitet von einem Kaplan griff sie immer wieder zugunsten „der alten christlichen ordnung“ ein, wie es in einer ihrer Anweisungen hieß. 1575 begab sie sich auf Pilgerfahrt nach Italien und wurde in Rom von Papst Gregor XIII. empfangen. Für die Gottesdienste in den Dorfkirchen ihres Gebietes erließ sie genaue Vorschriften; jeden Freitag sollte eine Messe für die Herrscherin gehalten werden, deren Grafschaft Arenberg 1576 zu einer „gefürsteten“ aufgewertet worden war. In ihren letzten Lebensjahrzehnten erlebten viele ihrer Besitzungen Überfälle antikatholischer Niederländer. Wie die meisten ihrer Zeitgenossen schrieb auch Margaretha Kriegselend und andere Übel dem teuflischen Wirken von Hexen zu. Auch im Arenberger Land wurden Hexen verbrannt. Ansonsten aber war die lange Herrschaft Margarethas von Fortschritten gekennzeichnet. Sie ließ In ihren Eifelgebieten erste Dorfschulen errichten und führte Schulpflicht ein. Die Arenberger Eisenhütten wurden ein Zentrum der Eifeler Eisenindustrie, das Eisenfacharbeiter von weither anzog. Mit besonderem Nachdruck setzte sich die Fürstgräfin für den Erhalt der Eifelwälder ein. Sie verpflichtete Hochzeitspaare, schließlich sogar alle Untertanen, Buchen und Eichen zu pflanzen. Historiker – wie etwa Professor Peter Neu – würdigen die Tatkraft, Klugheit und Menschenfreundlichkeit dieser Herrscherin.

Verfasser: Gregor Brand
 

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