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aus Binsfeld – Theologe, Bischof und Hexenjäger

Peter Binsfeld

Als um 1545 einer unbekannten Bauernfamilie im Südeifeldorf Binsfeld der Sohn Peter geboren wurde, ahnte niemand, dass dieses später nach seinem Heimatort benannte Kind der Eifel als Hexentheoretiker international berühmt und berüchtigt werden würde. Der Werdegang des zunächst mit dem Hüten von Vieh beauftragten Jungen war ungewöhnlich. Seine besondere Auffassungsgabe und Merkfähigkeit kamen dem Himmeroder Abt Johann von Briedel zu Ohren. Der Kirchenmann sorgte dafür, dass der fromme Binsfelder zum Priester ausgebildet wurde; der vielversprechende angehende Theologe durfte seine Studien sogar an der neuen Eliteeinrichtung der Jesuiten in Rom, dem Collegium Germanicum, vollenden. In seine Heimat zurückgekehrt, zeigte sich, dass sich die Förderung – aus katholischer Sicht zumindest – gelohnt hatte: Mit fanatischem Eifer trug der junge Priester seinen Teil dazu bei, dass der wenige Jahrzehnte zuvor aufgekommene Protestantismus im Trierer Land wieder an Einfluss verlor und die Macht der katholischen Kirche gestärkt wurde. Er wirkte maßgeblich daran mit, dass die uralte Fürstabtei Prüm ihre Unabhängigkeit verlor, und er ging – seit 1580 als Weihbischof von Trier und Titularbischof von Azot – rigoros gegen solche Kleriker und Laien vor, die er für Sympathisanten des Protestantismus hielt. Aus dem Kleinbauern- und Handwerkersohn wurde einer der mächtigsten Kirchenmänner seiner Heimat: Nicht nur Weihbischof, sondern auch Generalvikar der Erzdiözese Trier, Vorsitzender der einflussreichen Prüfungskommission für die Priesterausbildung, Vizekanzler und Dekan der Universität Trier.

Dieser hochgebildete Mann, der mehrere anspruchsvolle gelehrte Bücher veröffentlichte und 1611 postum mit einer Gesamtausgabe seiner Schriften geehrt wurde, war von der Idee des Teufels besessen. 1589 veröffentlichte er das lateinische Werk „Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum“, das schnell zu einer Art Bestseller wurde. Bereits 1590 erschien eine erste deutsche Fassung der Schrift; insgesamt erlebte das Buch bis in unsere Zeit hinein zahlreiche neue Auflagen. Es gilt bis heute als eines der Hauptwerke zur Hexenlehre und sichert Peter Binsfeld seit Jahrhunderten den Ruf als einer der Cheftheoretiker der Dämonologie. In etlichen Landen, wohl am stärksten damals in  Bayern, beriefen sich christliche Hexenjäger auf den Eifeler – zum Leidwesen unzähliger Opfer von Hexenprozessen. In Binsfelds Sicht war niemand vor dem Teufel sicher. Jede Erscheinung, für die es keine natürliche Erklärung gab – und das waren damals sehr viele! – legte den Verdacht nahe, dass Satan am Werk ist. Dem – nach Binsfeld immer von Gott ermächtigten – Teufel war fast alles möglich. Er bediente sich nicht nur sexueller Lüste, sondern konnte in der Gestalt der frommsten Menschen, unschuldigsten Kinder und selbst Christi erscheinen. Hexen und Hexern war es möglich zu fliegen, Tiere, Pflanzen und Wetter zu manipulieren und sich der Gedanken zu bemächtigen. Wie sollte man gegen diesen nahezu allmächtigen Teufel vorgehen? Bischof Binsfeld empfahl die strengsten Mittel: Folter und Todesstrafe für Hexen und alle, die sich an Heiler und Wahrsager wenden, wobei er mit Letzterem auch eine damals in der Eifel gängige Praxis traf. Wenn eine „Hexe“ unter der Folter jemanden der Hexerei bezichtigte, so genügte nach Binsfeld bereits eine einzige solche „Besagung“, um gegen den Verleumdeten einen blutigen Horrorprozess in Gang setzen zu können. Selbst Kinder ließ er als Denunzianten von angeblichen Hexen gelten. Neben dieser Besagung nannte er weitere Indizien für Hexerei. In der Welt des Binsfelders lauerte der Teufel überall. Die Gerichte seiner Zeit sorgten dafür, dass der Terror der Hexenprozesse überall in der Eifel gegenwärtig war. Tausende von Eifelern  – vor allem Frauen – wurden verbrannt. Gegen Kritiker seiner Hexenlehre wie den Theologen C. Loos ging Binsfeld unnachgiebig vor.

Es ist psychologisch wenig verwunderlich, dass ein derart von Sündengedanken erfüllter Mensch nicht besonders glücklich ist. Von „froher Botschaft“ ist auch in Binsfelds Briefen weniger zu spüren als von Schuldgefühl und Depressivität. Im düsteren November 1598, am Ende jenes religiös so aufgeheizten Jahrhunderts, erlag Peter Binsfeld in Trier einer der zahlreichen Epidemien. Seinem rätselhaften Wunsch entsprechend wurde er in der zur Kirche umgebauten Porta Nigra inmitten von Kindern beigesetzt.
 
Verfasser: Gregor Brand
 

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