RSS-Feed

US-Bierbrauer aus Dörbach

Peter Schoenhofen

Zu den meistfotografierten Grabstätten auf dem gigantischen Graceland-Friedhof der Millionenmetropole Chicago gehört ein ungewöhnliches Mausoleum in Pyramidenform. Der Millionär, der dieses Grabmal für sich und seine Familie errichten ließ, war bei seinem Tod 1893 einer der reichsten Unternehmer Chicagos: Peter Schoenhofen, Bierbrauer-Legende aus der Eifel.

Dörbach und Chicago – gewaltige Gegensätze zwischen Lebensanfang und Lebensende. Der Salmtalort Dörbach, wo Peter Schönhofen 1827 geboren wurde, war ein von vielen Unglücken heimgesuchtes kleines Bauerndorf, dessen Einwohner vom langjährigen Pfarrer Nikolaus Schmitz als sehr arm beschrieben wurden. Bei den Schoenhofen handelte es sich um eine in der Südeifel verbreitete Familie, deren Ursprünge auf dem Schönfelder Hof liegen, wo sie über Generationen als Himmeroder Hofleute lebten und viele angesehenen Schultheiße und manche Akademiker stellten.  Die Umstände der Auswanderung Peter Schönhofens sind wie viele Einzelheiten seiner Biographie noch kaum bekannt. Deutlicher wird seine Lebensspur erst in Nordamerika. Um 1850 finden wir ihn in Lyons unweit Chicagos als Brauereiarbeiter. Seine nächste Arbeitsstätte, wieder eine Brauerei, liegt schon in Chicago selbst, einer damals extrem dynamisch aufstrebenden Stadt mit vielen Einwanderern aus der Eifel. Für einige Jahre arbeitete Schönhofen als Bierkutscher in der Brauerei von Conrad Seipp, ehe er sich mit 33 Jahren selbständig machte und zusammen mit Matheus Gottlieb eine eigene Brauerei gründete. 1867 wurde er Alleineigentümer der  Peter Schoenhofen Brewing Co., in der zu dieser Zeit rund eine Million Liter Bier jährlich produziert wurden. In den folgenden Jahrzehnten trug die Schoenhofen-Brauerei immer stärker dazu bei, den riesigen Durst der Industriestadt zu stillen. Der jährliche Bierausstoß stieg auf über 20 Millionen Liter an. Die Akten zahlreicher Gerichtsverfahren legen Zeugnis ab von dem unerbittlichen Konkurrenzkampf in jenen hochkapitalistischen Jahrzehnten. Schoenhofen wusste sich in diesem rauen Umfeld zu behaupten. Zwar gelangte das Unternehmen in den neunziger Jahren vorübergehend in die Hände britischer Investoren, aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es wieder im Familienbesitz, erfolgreich geführt vom Schwiegersohn Joseph Theurer. Insgesamt gingen aus der Ehe des Brauerkönigs mit seiner aus Baden stammenden Frau Elisabeth Knepper vier Töchter und zwei Söhne hervor. Lilian Schoenhofen (1875-1959), die jüngste Tochter des Eifler Bauernsohns, heiratete in den europäischen Hochadel. Ihr Ehemann Philipp Schenk Graf von Stauffenberg (1864-1945), war ein Onkel und ihre Tochter Maria eine Kusine des Hitler-Attentäters.

Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erlebte den Höhepunkt der Schoenhofen Brauerei, die nun rund 500 Menschen beschäftigte. 1902 wurde  das Schoenhofen Powerhouse errichtet, das heute als Teil des architekturgeschichtlich bedeutsamen „Schoenhofen Brewery Historic District“ zu den gesetzlich geschützten historischen großen Sehenswürdigkeiten Chicagos gehört. Die Familie Schoenhofen hatte mit der Errichtung dieser Bauten das Team des namhaften Architekten Richard Schmidt beauftragt. Schmidt, der auch das eingangs erwähnte Grabmal entwarf, schuf zusammen mit Hugh Garden einen Gebäudekomplex,  der den Eifelnamen Schoenhofen in Chicago verewigte. 

Dem Unternehmen selbst war weniger Dauerhaftigkeit beschieden – weniger aus wirtschaftlichen, sondern mehr aus politischen Gründen. Als im Ersten Weltkrieg die deutschfeindliche Stimmung in den USA selbst im so stark deutschgeprägten Chicago hysterische Dimensionen erreichte, rächte sich die Heimatverbundenheit der Schoenhofens. Dass sie weiterhin Kontakt zu ihren deutschen Verwandten hielten, wurde ihnen als Landesverrat ausgelegt. Nach Haus- und Betriebsdurchsuchungen folgte 1918 sogar die Enteignung – eine der umstrittensten der Chicagoer Wirtschaftsgeschichte.  Viele dieser Kriegsmaßnahmen wurden wieder rückgängig gemacht, aber die folgenden Jahre der Prohibition mit ihrem allgemeinen Alkoholverbot setzten dem angeschlagenen Brauerei-Unternehmen erneut krisenhaft zu. Vorübergehend gelang es der Schoenhofen Brewery noch, mit dem alkoholfreien Softdrink „Green River“ einen populären Ersatz für die Hauptmarke „Edelweiss“ zu produzieren, aber 1950 musste die Brauerei schließen.  Dies ändert nichts an der bleibenden Bedeutung des Eiflers Schoenhofen für die Weltstadt Chicago.

Verfasser: Gregor Brand

EAZ Eifel-Zeitung – Regionale Nachrichten aus Eifel und Mosel der Landkreise Vulkaneifel, Daun, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Ahrweiler-Adenau, aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Polizei und Sport.