Thomas Leif

Journalist und Buchautor aus Daun

(*13.03.1959 | † 30.12.2017)

Am 30. Dezember 2017, verstarb im Alter von 58 Jahren Thomas Leif. Thomas Leif gehörte zu den „Kindern der Eifel“. Aus Anlass seines Todes stellen wir das ursprünglich im Jahre 2008 in der Eifel-Zeitung erschienene Portrait nochmals online.


Wenn der junge Kollege von seinem früheren Chef in der SWR-Redaktion „ARD Aktuell“ bei Pressesprechern oder Interviewpartnern vorgestellt wurde, dann pflegte dieser zu sagen: „Der kommt aus Daun: da wo die Eifel am eifelsten ist.“ Dieses kleine Wortspiel funktionierte immer, löste Überraschung und Nachfragen aus. Das klang nach rheinland-pfälzisch Sibirien, nach basaltiger Dickschädeligkeit, nach hartnäckiger Tradition.

In der Eifel wird einem nichts in den Schoß gelegt, zumal nicht wenn man 1959 als vierter von sechs Söhnen nicht mit dem goldenen Löffel aufwächst. Die Grundschule und die ersten Jahre auf dem neusprachlichen Gymnasium, jeweils einen Steinwurf vom Elternhaus entfernt, verliefen in unauffälliger Routine. Im Rückblick standen ausgedehnte Exkursionen in die umliegenden Waldgebiete „Wehrbüsch“ und „Hunert“ im Zentrum aller Aktivitäten. Über Jahre baute der kleine Thomas im Freundeskreis zahlreiche Baum- und Erdhütten.

Im Rückblick ist Leifs Werdegang ohne die Prägung im Elternhaus undenkbar. Der Vater, Alois Leif, war jahrzehntelang kommunalpolitisch sehr aktiv. Der Einsatz im Stadtrat, Verbandsgemeinderat und Kreistag machte sein Elternhaus zu einem politischen Taubenschlag. Nach Feierabend und an Wochenenden tauchten fast immer Leute auf, denen irgendein Problem auf der Seele brannte.

Heute würde man sagen, dieser Bürgerservice rund um Rentenanträge, Steuererklärungen, Baugenehmigungen etc. sei das Salz in der Suppe der politischen Arbeit. Solche „Kümmerer“ fehlen heute in der Politik. Ehrenamtliches Engagement gehörte in der Kurfürst-Balduin-Str. 3 in Daun zum Inventar.

Das waren Wegmarken und Orientierungspunkte auch für Thomas Leif, der sich in der Oberstufe politisch einmischte: Schülervertetung, die Gründung der Schülerzeitung „Rückwärts“, Mitarbeit im Landesvorstand der Jungen Presse Rheinland-Pfalz und intensive Aktivitäten bei den Pfadfindern (DPSG) bildeten ein Laboratorium gegen die Langeweile.

Schon zu dieser Zeit führten die Pfade in Richtung Journalismus. Ein besonderer Anstoß war die erste große Recherche-Arbeit zum Thema in der 12. Klasse: „Die November-Revolution 1918/19 in Daun/Eifel“. Das Dreier-Team gewann mit der mühseligen Suche nach Zeitzeugen und verborgenen Quellen den Gustav-Heinemann-Schülerpreis. „Der Anfang bestimmt das Ganze …“ – Dieses Motto scheint für Leifs spätere Stationen richtungweisend zu sein. Nach dem Abitur 1978 folgte ein 18-monatiger Zivildienst in der offenen Altenpflege in Bonn. In der Rückschau waren das anderthalb harte Jahre Konfrontation mit Armut, Not und Tod hinter den glitzernden Fassaden der damaligen Bundeshauptstadt Bonn.

Dann studierte Leif in Mainz Politologie, Publizistik und Pädagogik. Er absolvierte regelmäßig Praktika u.a. bei der Allgemeinen Zeitung in Mainz, beim WDR und ZDF. Neben dem Ehrenamt als Bundesvorsitzender der Deutschen Jugendpresse kamen für Thomas Leif immer mehr journalistische Aufträge auch zur Finanzierung des Studiums hinzu. Nach dem Examen stieg Leif 1985 direkt beim damaligen SWF-Fernsehen als freier Mitarbeiter ein und wechselte bald von der Landespolitik zur Redaktion ARD Aktuell. Seit zehn Jahren arbeitet er als Chefreporter Fernsehen beim SWR in Mainz.

1989 folgte dann die Promotion im Fach Politikwissenschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt. Seine Doktorarbeit zur „Strategiediskussion in der Friedensbewegung“ profitierte von seinen Rechercheerfahrungen. Neben zahlreichen recherche-intensiven Filmen und Dokumentationen veröffentlichte Thomas Leif ein Dutzend Bücher. Der publizistische Durchbruch gelang ihm 2005 mit dem Bestseller „beraten und verkauft. McKinsey und Co, Die Tricks der Unternehmensberater“ (Bertelsmann Verlag München 2006, 11. Auflage).

Gibt es einen roten Faden, der diese Stationen mit den Eifeler Tugenden verbindet? Vielleicht sind es drei Eifeler Leitsätze, die Leif einfallen, wenn er die Kindheits- und Jugendjahre mit seinen späteren Stationen in Verbindung setzt. Erstens muss man freiwillig mehr tun, als von einem erwartet wird. Zweitens muss man sich hartnäckig durchbeißen und Niederlagen nur als Zwischenstationen zum Ziel sehen. Und drittens muss man sich immer wieder klar machen, dass die Sache wichtiger ist als die Person.

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