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Sag` mir, wo die Bienen sind

Dankbar und freudetrunken stehe ich vor der duftenden Blütenpracht meines Apfelbaumes und habe für Sekunden das Gefühl, die Welt sei in Ordnung. Doch schnell wird mir angst und bange: Um Himmels willen, wo sind die vielen Bienen, die vor zwei Jahren noch den Apfelbaum besuchten und vielstimmig summend von Blüte zu Blüte schwirrten? Keine einzige Biene ist da, obwohl das Wetter mit praller Sonne bei 25 Grad ideal ist. Ich möchte laut um Hilfe schreien!

Vor zwei Jahren noch war die Windschutzscheibe meines Pkw von „Insekten-Einschlägen“ buchstäblich übersät und ca. 60 Vögel besuchten im Winter noch das Futterhaus im Garten; jetzt kommt nur noch der vierte Teil. – Wo sind die vielen Rauchschwalben geblieben, die im Sommer den blauen Himmel überm Dorf nach Insekten durchpflügten?

Keine dreißig Stück mehr lassen sich auf den Stromleitungen nieder. Sie und andere Insektenfresser, wie z. B. den Rotschwanz, sieht man nur noch vereinzelt: Sie finden kaum noch Nahrung! Im üppigen Kirschbaum meiner Nachbarn sind seit Jahren keine Maikäfer mehr – wo sind sie geblieben?

Es ist die Apokalypse, die auf uns zukommt, ungeheuerlich aber schleichend und leise, weshalb sie nur von bewussten Menschen wahrgenommen wird. Eigentlich müssten wir alle laut schreien und auf die Straße rennen, eigentlich müssten alle Sirenen auf Dauerton für Katastrophenalarm gestellt werden, denn die Natur ist dabei, ganz fürchterlich Rache zu nehmen, für all das, was der Mensch ihr angetan hat und unaufhaltsam antut. – Wir haben uns nicht zu beklagen, denn wir haben es uns verdient!

Kriegsverbrecher kommen vor den Hager Gerichtshof, monströse Verbrechen an der Natur sind staatlich legitimiert. Die Täter müssen kein Tribunal fürchten, im Gegenteil, sie haben das Totschlagargument „Welternährung“ auf ihrer Seite, vor dem die Politik einknickt. Allzu schwach ist die Lobby der Bienen und Schwalben, als dass sie gegen die Allmacht der Chemie- und Nahrungsmittelkonzerne sowie der industriellen Landwirtschaft eine Chance hätte. Falls Neonicotinoide jetzt verboten werden sollten, ist das nur Augenwischerei, denn das hochgradig insektenfeindliche Glyphosat soll weiterhin verwendet werden. Bis der von der Agrarlobby geforderte wissenschaftliche Beweis für die Ursache des Insektensterbens vorliegt, wird die Insektenwelt ausgelöscht sein. Womöglich ist ohnehin schon alles zu spät.

Was wäre, wenn der Mensch stürbe statt der Bienen? Halten Sie mich gerne für zynisch, aber es wäre das Beste, was der Erde passieren könnte. Einerseits vernunftbegabt, ist der Mensch doch unfähig, die ihm eingeredete Rolle eines elitären göttlichen Geschöpfs auszufüllen. Im Gegenteil – er ist so unglaublich dumm, dass er an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Welchen Sinn macht es also, über die weltweite Ernährung einer nachweislich unfähigen, schädlichen Biorasse nachzudenken, statt über ihre hemmungslose Vermehrung? Denn der wahre Grund für das Sterben der Insekten ist der Mensch! Was liegt also näher, als seine chaotische Vermehrung einzudämmen und niemals wieder an der wunderbaren Schöpfung herum zu pfuschen? Das wäre rationaler als naiv-religiöse Strickstrumpfphilosophie und eine wahrhaft religiöse Perspektive!

Manfred Schmitz, Flußbach

EAZ Eifel-Zeitung – Regionale Nachrichten aus Eifel und Mosel der Landkreise Vulkaneifel, Daun, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Ahrweiler-Adenau, aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Polizei und Sport.