Nürburgring als Exkursionsziel für Schüler aus Mainz und Cochem

Nürburg. Zwei Leistungskurse Biologie bzw. Erdkunde aus Gymnasien von Mainz und Cochem hatten den Nürburgring als gemeinsames Ziel: Welche Bedeutung hat der Nürburgring als Wirtschaftsfaktor für die Hocheifel und darüber hinaus? Welche Folgen für die Umwelt sind damit verbunden? Um Antworten nicht verlegen war Winfried Sander, ehemaliger Lehrer und Fachberater Erdkunde für Gymnasien im Schulaufsichtsbezirk Koblenz, der sich seit 40 Jahren mit den Fragen zum Nürburgring kritisch auseinandersetzt.

Einen ersten Eindruck gewannen die Schülerinnen und Schüler von der Dimension der Anlage durch eine Backstage-Führung im Angebot der Nürburgring 1927 GmbH. Der Einblick in die Aktivitäten im Umfeld des 24-Stunden-Rennens und hinter die Kulissen beeindruckte die Gruppe dabei sehr. Ebenso interessant der Blick in die Einrichtungen zur globalen Kommunikation an der Rennstrecke im Inneren der Gebäude.

Wie kam es zum Bau der Rennstrecke in den 1920er Jahren? Sander stellt klar: Triebfeder war nicht die damalige Politik, um die Eifel, das „Armenhaus Preußens“ zu unterstützen, sondern die schnell wachsende Automobilindustrie in Deutschland brauchte eine Erprobungsstätte, die auch als permanente Rennstrecke dienen sollte. Ersten Überlegungen dazu in den 1900er Jahren machte der 1. Weltkrieg ein jähes Ende. Nach dem Krieg fiel die Wahl nach reichsweiter Suche schließlich auf die Region um die Nürburg. Die Unterstützung in Berlin kam vom erst 1925 ins Amt gekommenen ministerialen Verwaltungschef Dr. Otto Creutz aus Adenau. Er brachte die bereits von seinem Vorgänger Dr. Erich Klausener – Namensgeber des Gymnasiums in Adenau – ins Spiel gebrachten Pläne für eine dauerhafte Rennstrecke in der Region tatsächlich umzusetzen. So wurde der Bau des „Nürburg-Rings“ in das „Große Notstandsprogramm“ der Reichsregierung aufgenommen. Der Nürburgring: primär gar kein Motorsport-, sondern ein Wirtschaftsförderungsprojekt, offenbar eher aus Zufall. Der Kreis Adenau wurde 1932 wegen Zahlungsunfähigkeit, hervorgerufen durch die Überschuldung durch die Kostensteigerungen beim Bau des Nürburgrings, aufgelöst.

Für eine Reihe von Unternehmen in der Region und als Einkommen im Zuerwerb für viele Menschen bei Aushilfstätigkeiten wird der Nürburgring ein Gewinn. Allerdings endet die weiter erhoffte Strukturentwicklung zuletzt mit einem wirtschaftlichen Desaster für das Land Rheinland-Pfalz mit der Insolvenz der staatlichen Einrichtung und dem erheblichen Verlust-Verkauf an einen privaten Interessenten.

Sander führte die beiden Gruppen auch in eher unbekannte Flächen im Umfeld der Rennstrecke, die als gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in Natur und Landschaft dienen: die Quiddelbacher Höhe und die renaturierte Aue im oberen Wirftbach nahe der Rennstrecke.

Die erheblichen Belastungen für die Umwelt wirken allerdings weiter nach: durch hohen Autoverkehr mit Lärm und Abgasen, durch hohen Flächenverbrauch mit beträchtlichen Versiegelungen und damit negativen Auswirklungen auf den Wasserhaushalt, durch enorme Mengen an Müll verschiedener Art bei Veranstaltungen und durch beträchtliche Risiken für Gewässer im Bereich der Wasserscheide. Damit gehen einher die sozialen Auswirkungen über die große Zahl von Verkehrsunfällen bei den An- und Abfahrten im Umfeld, beim Touristenverkehr auf der Nordschleife, bei der gesteigerten Kriminalität (u.a. Diebstähle) in verschiedenen Bereichen und nicht zuletzt bei den offenbar zunehmenden „privaten Rennen“ im Umfeld der offiziellen Rennstrecke.

Die Frage blieb am Ende offen, inwieweit und wie lange der große Teil der Bevölkerung, der nicht vom Nürburgring profitiert, diese steigenden Belastungen gewillt ist mitzutragen. „Die Schülerinnen und Schüler werden viele Fragen mit Blick auf die Nachhaltigkeit einer solchen Einrichtung im nachbereitenden Unterricht mit ihren Lehrern weiter analysieren (müssen)“, weiß Sander aus eigener Erfahrung.

Fotos (2) Winfried Sander