Flüchtlingshilfe an der Basis aus der Sicht eines Kümmerers

Die Verbandsgemeinde Traben-Trarbach kümmert sich seit fast einem Jahr im Rahmen des Projektes der Landesregierung „Ich bin dabei“  im Rahmen der Bürgerhilfe auch um Flüchtlinge. Aus der Sicht des Kümmerers für Flüchtlinge innerhalb der VG Traben-Trarbach, Ossi Steinmetz, folgende Situationsbeschreibung vor Ort, an der Basis.

Es vergeht seit Monaten kein Tag, wo nicht  in den Fernsehnachrichten, in den Tageszeitungen und in den Nachrichtenmagazinen zum Thema „Flüchtlinge“ berichtet wird. Das Flüchtlingsproblem ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das die verantwortlichen Politiker in Europa, in Deutschland in Rheinland-Pfalz beschäftigt und das man zu lösen versucht. Ansätze bzw. Vorschläge werden gut geheißen, werden lapidar abgetan bzw. abgelehnt, es wird neu verhandelt, eine klare Linie ist bisher auf keiner Ebene zu erkennen. Nun ist es kein Thema aus dem Tagesgeschäft,  über das debattiert und gestritten wird,  nein es handelt sich um von Krieg und Terror gezeichnete, verzweifelte, teils traumatisierte Menschen, die um Aufnahme, Hilfe, Schutz und Geborgenheit suchen. Ich stelle als Kümmerer für Flüchtlinge in der VG Traben-Trarbach, also an der Basis, fest, dass die Hilfsbereitschaft, die Unterstützung und der ehrenamtliche und selbstlose Einsatz für diese Menschen sehr groß ist.

Wir haben in Traben-Trarbach, dem Mittelpunkt der VG, einer Stadt mit 5500 Einwohnern, und damit auch dem höchsten Flüchtlingsanteil,  in einer ehemaligen Pizzeria,  in einem Haus, das die VG insgesamt als Flüchtlingsunterkunft angemietet hat, einen „Willkommenstreff für Flüchtlinge“ eingerichtet. Hier wird von über 20 Helfern/innen Sprachunterricht erteilt, es werden Patenschaften übernommen, andere sind in der Erstbetreuung eingesetzt, wieder andere stellen sich im Repair-Café  als Helfer zur Verfügung. Wir fühlen uns als Team und stellen unsere Hilfe mit viel Engagement der Sache zur Verfügung.  Ein volles Haus, ein Lächeln, ein freundliches Wort des Dankes sind der Lohn, aber auch Ansporn zum Weitermachen. Da die VG Traben-Trarbach eine Flächenverbandsgemeinde ist, die vom Hunsrück über die Mosel bis zur Eifel reicht, war es notwendig, einen zweiten Stützpunkt als Willkommenstreff für Flüchtlinge für das erweiterte Alftal einzurichten. Hierzu konnten wir nach Verhandlungen mit der kath. Kirche im ehemaligen Pfarrhaus in Bengel Räume für einen zweiten Willkommenstreff anmieten.  In einer ersten Zusammenkunft konnten nicht weniger als 24 Leute, Männer und Frauen, begeistert werden, diesen Stützpunkt mit den genannten Aufgabenfeldern aufzubauen.  Erfreulich war festzustellen, dass sich darunter viele Jüngere befanden, die ihre Hilfe und Unterstützung anboten.

Ein Aufruf durch Veröffentlichung in der Presse,  Gebrauchsgegenstände, Fahrräder zur Förderung der Mobilität, Haushaltsgegenstände pp. zu spenden, war ebenfalls ein voller Erfolg.  Zusammenfassend stelle ich fest, dass die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge ungebrochen ist.  Andererseits beobachte ich, wie im Bürgerbereich der stets steigende Flüchtlingsstrom kritischer und mit einer gewissen Sorge gesehen und diskutiert wird. Bei all unseren Bemühungen um die Flüchtlinge dürfen wir unsere Sorgenkinder Hartz-IV-Empfänger, von Altersarmut Betroffene, Menschen mit einem Einkommen unterhalb der Grundsicherung, Kinderarmut (jedes 6. Kind lebt von Hartz IV, Bilanz zum Weltkindertag, s. TV v. 19./20.09.2015) nicht  vergessen. In  der VG Traben-Trarbach wurde  im Rahmen der Aktion „Starke Kommunen – Starkes Land“  ein Lotsenbüro mit festen Öffnungszeiten eingerichtet,  wo die Mitarbeiter/innen für die Sorgen und Anliegen aller Bürger da sind.

Übrigens im Stützpunkt Bengel ist zeitnah ebenfalls die Einrichtung eines Lotsenbüros mit festen Sprechzeiten geplant. Die Leute des Lotsenbüros stellen für den „Willkommenstreff für Flüchtlinge“ eine Brückenfunktion dar. Wir, die wir  uns um Flüchtlinge kümmern, sind tätig im Rahmen des großen  und anspruchsvollen Bereichs der „Bürgerhilfe“,  zu dem auch die Nachbarschaftshilfe,  die Seniorenbetreuung, kommunale Fahrdienste, und, und, und, gehören.

Ossi Steinmetz, Kümmerer
„Flüchtlingshilfe“ in der VG Traben-Trarbach

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