Himmerod feiert mehrere Jubiläen

Großlittgen. Himmerod hat allen Grund zum Feiern: Vor 875 erblickte Bernhard von Clairvaux das Tal, in dem später das Zisterzienserkloster erbaut werden sollte, und soll nach der Heiligenlegende sinngemäß ausgerufen haben: „Dies ist wahrhaft der Schoß der Jungfrau Maria!“ Vor 90 Jahren wurden die Klosterruinen, die nach der Auflösung durch Napoleon mehr und mehr verfallen waren, erneut von Mönchen besiedelt. Vor 75 Jahren gründete die neu aufgeblühte Abtei bereits ein Tochterkloster in Itaporanga (Brasilien). Und vor 50 Jahren wurde nach langen, anstrengenden Jahren der Wiederaufbau abgeschlossen durch die Weihe der nach alten Plänen wieder errichteten Kirche.

Am vergangenen Wochenende wurden bereits drei Neuveröffentlichungen vorgestellt. „Die neue Spiritualität der Zisterzienser im 12. Jahrhundert – ein Sinnangebot für heute“ ist der Tagungsband zur Werkwoche, die vom 4. bis 6. März in Himmerod stattgefunden hat. Der Bildband „Himmerod- Meditationen in Wort und Bild rund um die Abtei“ zeigt das Kloster und sein heutiges Umfeld in den schönsten Farben, garniert mit Sätzen und Satzfetzen, die hauptsächlich aus der Feder des dichtenden Himmeroder Paters Stephan Senge stammen. Band 3, „Mystisches Fest“, beschreibt Umfeld und Entstehung des gleichnamigen Triptychons in der Abteikirche.

Zwischen dem 22. August und dem  7. November sollten historisch Interessierte sich Zeit nehmen für einen Besuch der Sonderausstellung „Hic est vere Claustrum est beatae Mariae virginis: Himmerods Spuren in Raum und Zeit“. Auf drei Etagen werden in der Alten Mühle neueste Erkenntnisse gezeigt. Manches Klischee hat sich längst überlebt: Rodende Mönche in urwaldähnlichem Gelände ist eines davon. Einer der „Ausstellungsmacher“ Pater Antonius, besser bekannt als Dr. Hermann Josef Roth, stellt klar: „Zisterzienser setzen dort ein, wo andere schon vor ihnen gewirkt haben.“ Oder würden Sie Ihr Haus dort bauen, wo weder Straße noch Geschäfte sind? Dass die Mönche später entscheidenden Anteil an der Erschließung des Salmtales hatten, steht außer Frage. Vermutlich waren sie es, die die Hochofentechnik hierher brachten.

Oder wussten Sie, dass 1950 im Zimmer 7 des Klosters Konrad Adenauer militärisches Personal aus Deutschland und von den Alliierten um sich scharte, um die Gründung der Bundeswehr einzuleiten? Entstanden ist die „Himmeroder Denkschrift“, ein spannendes Dokument deutscher Nachkriegsgeschichte. Auch „Geißeln des Teufels“ hat man in Kellern und Speichern des Klosters gefunden: Allerlei magische Gegenstände in nette, zum Teil sehr kostbare Stoffbeutelchen verpackt, die abergläubische Eifelaner auch noch in der Neuzeit an der Türschwelle verbuddelten, um gegen Hexen und böse Geister geschützt zu sein.  Eröffnet wird die Ausstellung am 21. August um 18 Uhr.

Bereits am Freitag gegen 17.30 Uhr öffnet ein anderer Teil der Ausstellung in der Abteikirche. Hier hat Ralf Kotschka eine Diashow mit Himmeroder Mariendarstellungen zur Meditation installiert; außerdem stehen dort Werke des bulgarischen Künstlers Spartak Paskalevski zu Sophia, einer hoch verehrten Wesenheit in der östlichen Kirche, ein Beitrag zur Ökumene mit den orthodoxen Christen.

Die Schirmherrschaft über die Ausstellung hat Ministerpräsident Kurt Beck übernommen, der selbst am 22. August dabei sein wird. Das Festhochamt um 10 Uhr zelebriert Bischof Dr. Stephan Ackermann, an der Orgel sitzt Stephan Rommelspacher, der Trierer Domkapellmeister aus Trier. Die musikalische Gestaltung wird von einem ökumenischen Projektchor übernommen, die Gesamtleitung hat Dekanatskantor Johannes Klar.

Weitere Programmpunkte:

Samstag, 21. August, 20 Uhr:

Die Kammermusikgruppen des Heeresmusikkorps spielen in der Himmeroder Zisterziensernacht in der Abteikirche. Eintritt: 10 bzw. 8 Euro. Der Erlös kommt dem Kloster zugute.

Sonntag, 22. August, 11.15 Uhr:

auf dem Vorplatz der Kirche musikalischer Empfang, dargeboten vom Bläserquintett des Lehrerkollegiums Musikschule Wittlich des Landkreises Bernkastel-Wittlich
nachmittags: Himmeroder Markt

Sonntag, 29. August:

Veranstaltung „Kinder der Eifel“. Es sind Menschen aus der Eifel, die weltweit ihren „Weg gemacht“ haben. Prof. Dr. Hermann Simon hat ihre Kurzbiografien in einem Buch zusammen gestellt, dem er den Titel „Kinder der Eifel“ gegeben hat. Ω

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