577 Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Sachsen

Bislang hat Sachsen mit der Afrikanischen Schweinepest praktisch Schwein gehabt. Noch ist kein Hausschwein von der Seuche betroffen. Trotzdem steht noch ein weiter Weg bevor – und der Ausgang ist offen.

Kodersdorf (dpa/sn) – Sachsen trotzt der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und hofft auf eine stärkere Unterstützung durch den Bund. So lässt sich die Zwischenbilanz zusammenfassen, die Staatssekretär Sebastian Vogel am Freitag bei einem Besuch der Schweineproduktion Koderstdorf GmbH formulierte. Als Erfolg wertete er dabei den Umstand, dass ein Jahr nach Ausbruch der Seuche noch kein Hausschwein betroffen ist. Seit Feststellung des ersten ASP-Falls am 31. Oktober 2020 habe man bisher 577 Fälle registriert und die Krankheit lange Zeit auf Ostsachsen beschränken können. Unlängst sei aber erstmals ein Infektionsherd außerhalb des Landkreises Görlitz festgestellt worden – im Landkreis Meißen.

«Unsere Maßnahmen wirken. Aber der Seuchendruck durch aus Polen nach Sachsen überwechselnde Tiere bleibt extrem hoch. Wir müssen einen langen Weg gehen, um diese Tierseuche wieder aus Sachsen zu verbannen», erklärte Vogel, der den ASP-Krisenstab leitet. Dazu benötige man fortan stärkere Unterstützung der Bundesregierung: «Sachsen bildet mit Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern das Bollwerk, um ein Weiterwandern der Seuche nach Westen zu verhindern» Man kämpfe auch dafür, dass schweinehaltende Betriebe in Bayern, Niedersachsen und anderen Bundesländern vor dem ASP-Virus geschützt bleiben: «Dafür benötigen wir mehr Unterstützung vom Bund»

Zur Eindämmung der Schweinepest hatte Sachsen «Restriktionszonen» festgelegt. Sie mussten seither mehrfach erweitert werden. Im gefährdeten Gebiet sollen Wildschweine verstärkt gejagt werden. Zudem will man tote Tiere schnell aus dem Wald holen. Kadaver sind Infektionsherde und müssen deshalb rasch gefunden und entsorgt werden. Dazu sind Suchtrupps mit Hunden und Drohnen unterwegs.

Um die Trupps zu unterstützen, wurden acht Hundeteams für die Suche nach verendeten Wildschweinen ausgebildet und eingesetzt. «Damit verfügt Sachsen nun über eigene Teams, die bereits regelmäßig im Einsatz sind und die Teams aus anderen Bundesländern unterstützen», betonte das Ministerium. Ein weiterer Lehrgang sei bereits in Planung. Die Jägerschaft vor allem in Ostsachsen habe man bei einem Symposium auf ihre besondere Rolle im Kampf gegen die ASP hingewiesen. Die Entnahme von Wildschweinen werde durch 40 Fallen unterstützt, die im gefährdeten Gebiet installiert sind.

Zum Schutz der Hausschweinbestände vor ASP werden die Wildschweine im Wildgehege Moritzburg tierschutzgerecht erlegt. Das Areal liege im gefährdeten Gebiet des landesweit zweiten ASP-Ausbruchs, in dem Schweine derzeit nicht frei gehalten werden dürfen, begründete das Sozialministerium die Entscheidung. Das geltende Recht sieht auch diese Tiere als gehaltene Schweine. Ihre Abschottung in Stallungen wäre eine Qual für die unter freiem Himmel lebenden Vierbeiner und hätte Folgen auch für die Pfleger. Wegen der zu großen Gefahr einer Infektion und Übertragung, mit der die Schweinehaltung in diesem Gebiet «faktisch zum Erliegen kommen» würde, gebe es keine Alternative.

Nach Angaben des Sozialministeriums wurden 250 Kilometer Festzaun und 160 Kilometer Elektrozaun installiert, um die Ausbreitung zu begrenzen. Weitere 150 Kilometer Festzaun seien bereits geplant. Betriebe, die Schweine halten, mussten Schutzmaßnahmen treffen. Im Juli gab das Kabinett 18 Millionen Euro für den Kampf gegen die ASP frei. Für 2022 stehe eine ähnliche Summe bereit, hieß es.

ASP ist eine ansteckende Erkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen, hieß es. Die Erkrankung könne direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung und Schuhe sowie Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich.

Noch stärker als Sachsen ist Brandeburg betroffen. Landesweit wurde dort bis Anfang Oktober bei insgesamt 1778 Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest festgestellt – die meisten Fälle gab es in den Kreisen Oder-Spree, Märkisch-Oderland, Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder). Bei Sachsens nördlichen Nachbarn war im September 2020 deutschlandweit der erste ASP-Fall bestätigt worden. Mittlerweile ist die Seuche dort auch bei Hausschweinen aufgetreten. Mecklenburg-Vorpommern hat bereits eine Schutz- und Sperrzone eingerichtet. Auch Länder wie Bayern bereiten sich auf einen Ausbruch vor.

Die Seuche war aus Ländern des Baltikums und Ländern Osteuropas nach Deutschland eingesickert. Vor allem Polen und Rumänien sind betroffen. Wie der Name es sagt, liegt der Ursprung der Krankheit aber viel weiter südlich. «Das Hauptverbreitungsgebiet der ASP sind afrikanische Länder südlich der Sahara. Vermutlich wurde die ASP aus Afrika nach Georgien eingeschleppt», heißt es auf der Internetseite des Bundeslandwirtschaftsministeriums. 2007 seien dann die ersten ASP-Ausbrüche aus Georgien gemeldet worden. Als Ursache wird die illegale Entsorgung von Speiseabfällen vermutet, die das ASP-Virus enthielten.

 

 

Aktuelle Ausgabe kostenfrei als E-Paper lesen
Eifelzeitung E-Paper Aktuelle Ausgabe kostenfrei als E-Paper lesen
Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie diese Webseite benutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Wir sammeln keine Daten, über die Sie persönlich identifiziert werden können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Nein  Ja