Interview-Training für Schüler

An der Realschule plus in Kell am See haben Schüler mit Vertretern von Unternehmen Vorstellungsgespräche geprobt.

Als Nico Scholtes vom Autohaus Scholtes in Mehring den 14-jährigen Collin Junkes zu seiner Meinung über Elektromobilität fragt, überrascht dieser den Automobilkaufmann. Sie sei ein bisschen unausgereift, sagt Junkes. Erneuerbare Energie sei wichtig in Zeiten des Klimawandels, „aber es hilft nichts, wenn die Energie aus Kohle kommt“. Und die Entsorgung der Batterien in Elektrofahrzeugen sei auch ein Problem. Stille. Scholtes und seine Kollegin Sandra Malagowski staunen.

Schulleiter Sebastian Straßer (2. v. l.) und Konrektor Christoph Krier (2. v. r.) haben Vertreter von Betrieben und der Agentur für Arbeit eingeladen, um mit den Schülern Bewerbungsgespräche zu üben.

Wir sind beim Bewerbercamp der Realschule plus in Kell am See Ende Januar, dem ersten seiner Art dort. Der Konrektor Christoph Krier hat es mitorganisiert – für die Schüler der achten und neunten Klassen, die ein Jahr vor ihrem Abschluss stehen. Acht Betriebe und die Agentur für Arbeit sind an drei Tagen gekommen, „um unsere Schüler für Bewerbungsgespräche fit zu machen“, sagt Krier. Sie sollen lernen, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. So eine Realsituation zu simulieren sei ein Gewinn für beide Seiten, sagt Schulleiter Sebastian Straßer und ruft die Firmen dazu auf, die Schüler zu fordern.

Die Gespräche an den sechs Tischen wirken entspannt, freundlich, aber realistisch. So und nicht anders würden Vorstellungsgespräche ablaufen. Collin Junkes fragt, ob man beim Autohaus Scholtes auch ein Praktikum machen könnte. Sandra Malagowski und Nico Scholtes schätzen das Engagement des Schülers. Später sagt Junkes: „Ich finde es gut, dass die Schule so etwas anbietet.“ So ein Camp sei hilfreich. Vielleicht macht Junkes wirklich ein Praktikum bei dem familiengeführten Autohaus. Die Gespräche sind zwar primär als Übung gedacht, aber möglicherweise finden einzelne Schüler und Unternehmen dadurch wirklich zusammen.

Anna Hafke weiß schon, was sie nach der Schule werden möchte: Friseurin. Und das zeigt sie Hans Heinz, dem Inhaber des Salons Haarhochdrei in Schweich. Bei einem Praktikum habe sie schon Haare waschen und tönen dürfen. Heinz fragt die 15-Jährige, wie sie sich selber einschätze. Hafke sagt, sie sei hilfsbereit, selbstständig und ein offener Mensch, der Teamarbeit möge. Das Gespräch mit Heinz findet sie entspannt und inspirierend. Heinz sagt, das Inteviewtraining sei ein „super Format“ und begrüßt es auch als Nachwuchswerbung. „Man muss das Zepter selber in die Hand nehmen und darf die Schüler-Generation nicht schlechtmachen, sondern muss sie aufbauen.“

Das sieht auch Sandra Schümann so. Die Bewerber würden weniger, sagt die Personalverantwortliche der Firma Steil Kranarbeiten, die an sechs Standorten rund 300 Personen beschäftigt. Elias Barthel spricht mit Schümann über den Beruf der Fachkraft für Lagerlogistik. Der 15-Jährige präsentiert sich als körperlich belastbar und mit Sinn für Humor. Seiner Familie hilft er gerne bei Holzarbeiten und kleinen Reparaturen am Auto. Es ist Barthels erstes Vorstellungsgespräch, aber er empfindet es als angenehm. Schümann sagt, man müsse nicht nervös sein. Beide Seiten würden sich in so einem Gespräch kennenlernen wollen.

 

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