Eifel-Mosel-Region wird Modellregion für neues Seilbahnprojekt

Auf den Bund kommen wegen des Maut-Debakels Schadenersatzforderungen der geplanten Betreiber von mehr als einer halben Milliarde Euro zu. Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Pkw-Maut in ihrer geplanten Form gekippt hatte, hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) alle Verträge mit den Betreibern der Autoticket GmbH, Kapsch TrafficCom und CTS Eventim, gekündigt.

v.l.n.r.: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer/CSU, Dr. Volker Wissing/FDP – rheinland-pfälzischer Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie stellvertretender Ministerpräsident, im Hintergrund Landtagsabgeordnete Bettina Brück/SPD und Bundestagsabgeordneter Peter Bleser/CDU (Foto: daprag)

Scheuer kündigt jetzt eine überraschende Wende an. Die Betreiber haben auf ihre angekündigte Forderung in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro verzichtet. Das jahrelanges Klageverfahren ist vom Tisch. Autoticket GmbH, Kapsch TrafficCom und CTS Eventim wollen ein neues Verkehrskonzept umsetzen, das mit 500 Millionen Euro vom Bund gefördert wird. Diese mehr als 500 Millionen Euro kommen der Eifel-Mosel-Region zugute. Der Deal ist perfekt. Zusammen mit dem rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Dr. Volker Wissing hat Scheuer auf das neue Projekt mit einem Moselriesling angestoßen.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat das Stuttgarter Planungs- und Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE gemeinsam mit der Verkehrswissenschaftlichen Institut Stuttgart GmbH (VWI) beauftragt, eine Machbarkeitsstudie über die „verkehrsplanerische Integration urbaner Seilbahnprojekte“ zu erarbeiten. Ziel ist die Realisierung eines Seilbahnnetzes als Bestandteil des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV)“ in der Eifel-Mosel-Region.

„Mit Studie und Leitfaden wollen wir Anreize setzen, eine nachhaltige Mobilität im urbanen Raum zu fördern und das öffentliche Verkehrssystem sinnvoll zu ergänzen“, erklärt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Steffen Bilger. „Unser Ziel ist, einen nationalen Standard für urbane Seilbahnen in Deutschland zu schaffen, an dem sich ländlich geprägte Kommunen, wie der Eifel-Mosel-Region orientieren können“. Trotz der beachtlichen Erfolge und nachweislichen Vorteile von Seilbahnen in vielen Ländern weltweit, gebe es in Deutschland wenig Erfahrungen mit Seilbahnsystemen im urbanen Bereich, heißt es in der Leistungsbeschreibung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vom BMVI.

Im Fokus stand jeweils der Einsatzzweck der Seilbahnen, der Planungsprozess, die verkehrsplanerische und landschaftsbauliche Integration, die Verknüpfung mit dem übrigen ÖPNV und die Auswirkungen auf den Verkehr im ländlichen Raum. Abgeleitet wurden daraus Erkenntnisse für ein Seilbahn-Netz in der Eifel-Mosel-Region als Modelregion für ganz Deutschland. Seilbahnen werden in Zukunft als Ergänzung zum bestehenden ÖPNV eine nicht mehr wegzudenkende Option sein, zumal der bestehende ÖPNV in und aus Ballungszentren der Eifel-Mosel-Region oftmals zu wünschen übriglässt.

Wir stehen an einer „Zeitenwende, was die Zukunft des Nahverkehrs angeht. Riesige Gliederbusse fahren meist leer durch viel zu enge Straßen, tragen in großem Maße zur Luftverschmutzung bei und verbrauchen viel zu hohe Betriebskosten (Kraftstoff, Personal etc).

Seilbahnen galten bisher als unterschätzte Alternativen im ÖPNV. Die neue Machbarkeitsstudie stellt die Vorteile von Seilbahnsystemen heraus. Seilbahnen eignen sich besonders gut, weite Berg- und Tallagen zu überqueren, wie sie in den topografischen Gegebenheiten der Eifel-Mosel-Region häufig vorkommen.

So in etwa wird der erste Seilbahnhof (ZSB) in Daun aussehen. (Grafik Quelle Doppelmayr)

Erste Ausbaustufe: Daun – Wittlich

In der Kreisstadt Daun soll auf dem Gelände des 2007 abgebrannten Parkhotels „Anna-Maria“ ein Zentraler Seilbahnhof (ZSB) entstehen. In einer ersten Ausbaustufe soll eine Seilbahnverbindung zwischen der Stadt Daun und der Stadt Wittlich entstehen. Die Seilbahntrasse wird größtenteils über der Trasse des Maar-Mosel-Radweg führen. Zwischenstationen mit Haltepunkten sind geplant in Schalkenmehren, Gillenfeld, Manderscheid und Hasborn.

Weitere Ausbaustufen

Vom „ZSB“ in Daun werden die Städte Gerolstein, Hillesheim, Kelberg und Ulmen über Seilschwebebahn-Trassen mit der Kreisstadt Daun verbunden. Der ÖPNV wird revolutioniert werden.

In Wittlich wird ein weiterer ZSB entstehen, der in einer weiteren Ausbaustufe Wittlich mit Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach und Zell verbinden wird. In der dritten Ausbaustufe werden die Städte Bitburg und Prüm über den ZSB Wittlich angeschlossen.

Als Transportmittel unschlagbar im Kosten-Nutzen-Vergleich

Staus, Luftverschmutzung, Verkehrslärm, Flächeninanspruchnahme und Verkehrsunfälle zwingen die Verantwortlichen zur Reduktion bestehender Belastungen. Seilbahnen nutzen den Luftraum weitestgehend unabhängig vom übrigen Verkehr, sind technisch ausgereift und erzeugen vor Ort kaum Emissionen. Vor allem aber sind sie leise, sicher, leistungsfähig und vergleichsweise kurzfristig realisierbar.

Noch wenig Praxiserfahrung mit urbanen Seilschwebebahnen in Deutschland

Von Luftschwebebahnen in den Bergen abgesehen, existieren in deutschen Städten lediglich Seilbahnen in Berlin, Koblenz und Köln, die jeweils anlässlich der Bundesgartenschau entstanden sind. In der Modelregion „Eifel-Mosel“ soll der Bau von Seilbahnanlagen als Ergänzung zum bestehenden ÖPNV, realisiert werden. Für die nächsten vier Jahre stellt der Bund drei Milliarden Euro zur Verfügung.

Effektiv in der Praxis

Eine Fahrgastgondel bietet Platz für 12 Personen. (8 Sitzplätze, 4 Stehplätze). Die durchschnittliche Beförderungsgeschwindigkeit liegt bei ca. 25 Kilometer pro Stunde. An Haltepunkten werden die Seilbahnen sanft abgebremst und benötigen pro Halt maximal eineinhalb Minuten. Die Fahrgastgondeln können in unterschiedlichen Abständen eingesetzt werden. Der kleinste Abstand beträgt 7 Minute bzw 1.700 Meter zur nächsten Gondel. Die Abstände können belieb weit verlängert werden.

Menschen wollen überzeugt werden

„Seilschwebebahnen stellen für die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger ein noch relativ neues Verkehrsmittel dar, das andere, zum Teil anspruchsvolle Anforderungen hinsichtlich Planung, Kommunikation und Realisierung erfordert, als die bisher gängigen Transportmittel“, sagt Drees & Sommer-Experte Sebastian Beck. Das gilt beispielsweise beim Thema Überfahrtsrechte. Dass Seilbahnen auch über Wohnhäuser hinwegschweben müssten, könnte vielfach auf Widerstand der Anwohner stoßen. „Das sogenannte ‚Not-In-My-Backyard-Syndrom‘, das wir hierzulande das Sankt-Florian-Prinzip nennen, gilt für die meisten Verkehrs- und Infrastrukturprojekte. Viele Menschen sind zwar von den Vorteilen einer Seilbahnanlage überzeugt, doch niemand will, dass sie am eigenen Wohnort direkt am Wohn- oder Schlafzimmerfenster vorbeiführt.

Nicht ohne unsere Seilbahn

Die Erfahrung zeigt allerdings: Ist die Seilbahn erstmal Teil des Nahverkehrs, steigt die Akzeptanz in der Bevölkerung schnell an. Das entscheidende Erfolgskriterium ist der Rückhalt der Bürger in der Eifel-Mosel-Region. Obwohl im Vorfeld häufig und heftig umstritten, wollen die Menschen dort, wo sie umgesetzt ist, ihre Seilbahn nicht mehr missen. Damit das Seilbahnprojekt in der Eifel-Mosel-Region nicht bereits in den Köpfen der betroffenen Bürger scheitert, sei ein transparenter Prozess das A und O.

Wenn die Seilschwebebahn in der Eifel-Mosel-Region Teil des Nahverkehrs werden soll, ist es zwingend notwendig, die Bevölkerung von Anfang an mitzunehmen. Nur wer den Dialog sucht und offensiv kommuniziert, kann auch die Bedenken der Menschen berücksichtigen und ausräumen.

Vorstellung des Seilschwebebahnprojektes

Die Arbeitsgemeinschaft Drees & Sommer/VWI wird die Präsentation des Projekts in den Landkreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell und Vulkaneifel durchführen. Aufgrund der Covid-19 Pandemie muss die Präsentationen unter besonderen Hygieneauflagen und begrenzter Zuschauerzahl stattfinden. Eine telefonische Voranmeldung ist deshalb zwingend bei der jeweiligen Stadtverwaltung erforderlich. Die Platzreservierungen können heute am Gründonnerstag telefonisch mit den jeweiligen Stadtverwaltungen vereinbart werden.

In folgenden Veranstaltungsorten findet die Vorstellung des Projektes jeweils im 19.00 Uhr. statt:   

07.04. in Wittlich: Eventum,

08.04.inTraben-Trarbach: Lorettahalle,

08.04. in Daun: Forum,

09.04. in Bitburg: Stadthalle

10.04. in Prüm: Karolingerhall

 

 

 

 

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