Musikschulen in Rheinland-Pfalz in Bedrängnis – Landrätekonferenz tagt in Kirchheimbolanden

Homogenere Strukturen in der Musikschullandschaft durch eine höhere Landesförderung: Dieses Ziel hat sich der Landesverband der Musikschulen in Rheinland-Pfalz gesetzt. Christoph Utz, Vorsitzender des Landesverbandes, informierte die rheinland-pfälzischen Landrätinnen und Landräten über aktuelle und strukturelle Herausforderungen der Musikschulen im Land. Zudem berichtete er bei der Allgemeinen Landrätekonferenz von der verschärften Situation der Musikschulen durch die Corona-Pandemie.

42 öffentliche Musikschulen gibt es derzeit in Rheinland-Pfalz, davon zehn in Vereinsträgerschaft. 43.000 Schülerinnen und Schüler sind in den Musikschulen eingeschrieben, die von über 1.700 Musikpädagogen unterrichtet werden. Durch zusätzliche Kooperationen, z. B. im Bereich Schulen und Kita, werden zusätzliche 20.000 Kinder und Jugendliche erreicht, berichtete Utz. Dabei haben die Musikschulen mit einigen Problemen zu kämpfen. Neben den Herausforderungen der Digitalisierung sowie der Gebührenpolitik, ist ein zentrales Thema die Finanzierung der Musikschulen, die wiederrum die personelle Ausstattung bedingt.

Laut Christoph Utz finanzieren sich die Musikschulen im Landesdurchschnitt durch 45 % kommunale Zuschüsse, 48 % Elternbeiträge sowie 7 %, die durch Landeszuwendungen gedeckt werden. Durch diese Konstellation, so schilderte er, werden zum einen untere Einkommensgruppen abgehängt, was sich negativ auf die Bildungsgerechtigkeit auswirkt. Zum anderen bedingt die dauerhaft geringe Landesförderung einen steigenden Fachkräftemangel, bei einem hohen Anteil an Honorarkräften.

„Die Corona-Krise verschärft die Situation der Musikschulen noch“, schilderte der Vorsitzende. „Die Musikschulen in Rheinland-Pfalz rechnen, je nach Größe der Einrichtung, mit Einnahmeausfällen von 35.000 € bis 200.000 €. Gerade kleine Musikschulen im ländlichen Raum und Schulen in Vereinsträgerschaft bringt dies in Bedrängnis“. Kurzfristig könnten Corona-Hilfen für die Musikschulen im Land die finanziellen Ausfälle abschwächen.

Langfristig hat der Verband den schrittweisen Aufbau einer Drittelfinanzierung im Blick. Die Kosten der kommunalen Musikschulen in Rheinland-Pfalz sollen dabei jeweils zu einem Drittel aus kommunalen Zuschüssen, Elternbeiträgen und Landesförderung zusammengesetzt werden. Damit könnten überall in Rheinland-Pfalz gleiche Voraussetzungen, gleiche Strukturen geschaffen werden, so Utz. Hier bittet der Landesverband den Landkreistag als kommunalen Spitzenverband und damit auch die Vertretung für die Träger vieler Kreismusikschulen um Unterstützung beim Erreichen dieses Ziels.

Der Vorsitzende des Landkreistages, Landrat Günther Schartz, betonte die Relevanz von Musikschulen als kulturelle Einrichtung im Land. „Die Bedeutung von Musik ist vielfältig und wichtig. Insbesondere im Bereich der musikalischen Früherziehung wird in den Musikschulen Bedeutendes geleistet“, unterstrich Schartz. Er versprach den Dialog mit dem Land über eine Drittelfinanzierung weiterzuführen.

Weitere Themen der Sitzung waren ein Sachstandsbericht zur Corona-Bekämpfung sowie Informationen und Handlungshinweise zur aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz. Ferner wurde über die Schülerbeförderung in der Corona-Pandemie gesprochen. Darüber hinaus stand ein Erfahrungsaustausch der Landrätinnen und Landräte über die Sommerschule in Rheinland-Pfalz auf der Agenda. Aufgrund der positiven Bilanz des Landes Rheinland-Pfalz zur Organisation und zum Ablauf der Sommerschule ist bereits für die Herbstferien eine Herbstschule geplant.

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